ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:03 Uhr

Arbeiten, wenn andere schon feiern
Silvester hinter Theaterkulissen

 Axel Lucke, hier bei der Arbeit für „Das Traumfresserchen“, wird auch die Masken der Darsteller bei „My Fair Lady“ übernehmen.
Axel Lucke, hier bei der Arbeit für „Das Traumfresserchen“, wird auch die Masken der Darsteller bei „My Fair Lady“ übernehmen. FOTO: Staatstheater Cottbus / Marlies Kross
Cottbus. Wenn viele schon bei Raclette, Karpfen und Fondue sitzen, wird im Staatstheater auf Hochtouren gearbeitet. Die LR hat sich umgehört. Von Daniel Schauff

Es ist ein bisschen so etwas wie eine Trophäe – die Eintrittskarte fürs Staatstheater zu Silvester. Beim Vorverkauf im September werden Nummern gezogen, fast wie im Amt. Silvester, sagt Gabriela Schulz, zuständig für die Pressearbeit beim Staatstheater, sei so gut wie immer ausverkauft, und das schon Monate vor den Vorstellungen.

Fünfmal wird am Silvestertag an den verschiedenen Spielstätten des Staatstheaters gespielt, in der Theaterscheune wird „Der dressierte Mann“ gegeben, in der Kammerbühne gibt es gleich zweimal das Gastspiel „Chanson Royal“ zu erleben, im Großen Haus – das ist Tradtition – beginnt Silvester mit dem Konzert zum Jahreswechsel um 15 Uhr, um 19 Uhr, wenn viele Lausitzer bereits bei Raclette und Fondue sitzen, startet „My Fair Lady“, ein Klassiker. Und ja, das Theater achte schon darauf, dass zu Silvester etwas Festliches auf die Bühne kommt, sagt Gabriela Schulz.

 AnnaLisa Canton schlüpft wenige Tage vor Silvester in eine Rolle in „Das Traumfresserchen“. Bei „My Fair Lady“ übernimmt sie die Vorstellungsregie.
AnnaLisa Canton schlüpft wenige Tage vor Silvester in eine Rolle in „Das Traumfresserchen“. Bei „My Fair Lady“ übernimmt sie die Vorstellungsregie. FOTO: Staatstheater Cottbus / Marlies Kross

„Da ist schon Feuer im Publikum“, sagt Martin Eitner. Er wird als Inspizient am Silvesterabend für den künstlerischen und technischen Ablauf zuständig sein. „Silvester ist eine besondere Vorstellung“, sagt Eitner – auch für ihn. „Man kriegt auf jeden Fall etwas von der Stimmung im Publikum mit.“ Eitner ist seit rund fünf Jahren am Staatstheater, hat schon zahlreiche Feiertage an der Bühnenseite verbracht. Und Jahreswechsel im Großen Haus. Er werde nach der Vorstellung im Theater bleiben, erzählt er, mit den Kollegen aufs neue Jahr anstoßen. Die Kulisse, sagt er, stimme schließlich perfekt.

 Inga Broede leitet den Besucherservice.
Inga Broede leitet den Besucherservice. FOTO: Staatstheater Cottbus / Marlies Kross

AnnaLisa Cantons Arbeitstag zu Silvester wird voll, startet mit der Beleuchtungsprobe fürs Konzert. Um 13 Uhr wird die Chefbühnenmanagerin dafür sorgen, dass das Licht stimmt. „Wir wollen ein effektvolles Licht zu Silvester“, sagt sie. Während dann auf der Bühne musiziert wird, wird sie das Licht fahren, bevor eine Umbesetzungsprobe für „My Fair Lady“ auf dem Programm steht. Darauf folgt die Vorstellungsregie. AnnaLisa Canton ist ein Multitalent. Als die RUNDSCHAU mit ihr spricht, wenige Tage vor Silvester, bereitet sie sich gerade auf ihre Rolle in „Das Traumfresserchen“ vor. Auch bei der Vorstellung musste kurzfristig umbesetzt werden wegen Krankheit im Ensemble. Wie bei My Fair Lady einen Gast zu verpflichten, sei bei „Das Traumfresserchen“ kaum möglich, erklärt AnnaLisa Canton. Schließlich gibt es das Stück nur am Staatstheater. Also springt sie ein. Silvester, sagt sie, sei auch für sie ein besonderer Abend. „Das Publikum ist sehr ausgelassen.“ Für sie selbst wird der Abend kaum lang. „Nach der Vorstellung werde ich vielleicht noch ein Glas trinken und dann nach Hause gehen“, sagt sie. Schließlich stehen am Neujahrstag Konzert und Stück noch einmal auf dem Spielplan.

 Inspizient Martin Eitner wird nach der Vorstellung im Staatstheater feiern. Die Kulisse stimme perfekt, sagt er.
Inspizient Martin Eitner wird nach der Vorstellung im Staatstheater feiern. Die Kulisse stimme perfekt, sagt er. FOTO: Staatstheater Cottbus / Marilies Kross

„Silvester ist ein Arbeitstag wie jeder andere“, sagt Inga Broede. Sie ist die Leiterin des Besucherservice und rechnet mit einem einigermaßen ruhigen Abend. „Eigentlich ist das eher ein entspannter Abend“, erklärt sie. Die meisten Zuschauer haben ihre Karten schon, die wenigsten holen sie erst kurz vor der Vorstellung ab. Stressig, sagt Inga Broede, wird es für sie vor allem bei Ausfällen von Stücken. Inga Broede wird zu Silvester sowohl die Kasse fürs Konzert als auch die für die Abendvorstellung besetzen. Jeweils eine Stunde vor Veranstaltung öffnet sie, der Abend ist zu Ende, wenn das Stück begonnen hat und die Kasse stimmt, erklärt sie.

 Gabriela Zachow und ihren Kollegen stehen am Silvesterabend bis zu 70 Umzüge bevor.
Gabriela Zachow und ihren Kollegen stehen am Silvesterabend bis zu 70 Umzüge bevor. FOTO: Staatstheater Cottbus / Marlies Kross

Länger wird der Silvesterabend im Theater für Axel Lucke. Er ist Stellvertretender Chefmaskenbildner. „Wir geben den Darstellern das Gesicht“, erklärt er, auch nach 31 Jahren am Staatstheater noch mit einer Portion Stolz. Er sei bis zum Schluss dabei, sagt er, danach gehe es zur Familie. Lucke sieht den Einsatz zu Silvester pragmatisch. „Arbeit ist Arbeit“, sagt er. Man gehe eben nicht ans Theater, wenn man erwarte, an Feiertagen, Wochenenden und Abenden frei zu haben.

Frei hat auch Gabriela Zachow nicht – sie arbeitet seit 1998 am Staatstheater als Ankleiderin, ist für die Kostüme der Darsteller zuständig. Bei My Fair Lady kümmert sie sich um den Damenchor. „Das sind 17 Leute.“ Mit dem ersten Ankleiden der Darsteller fängt ihr Abend erst an – rund 65 bis 70 Umzüge stehen bei „My Fair Lady“ auf dem Programm. Viel Zeit, an den anstehenden Jahreswechsel zu denken, bleibt da kaum, wobei: Die eine oder andere Papiergirlande werde sich hinter die Kulissen verirren und ein kleines bisschen Feierstimmung auch dort versprühen.

„Für die Besucher ist der Abend schon etwas Festliches“, sagt Inga Broede. Ganz vorbei geht das auch nicht an denen, die das Konzert- oder Theatererlebnis zum Jahreswechsel überhaupt erst möglich machen.