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| 11:01 Uhr

Ortsteile
Die Anfänge eines Bürgervereins

FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Ulrich Günther blickt zurück auf spannende Zeiten in Sielow.

Mit einem öffentlichen Tanzabend am Samstag und dem traditionellen Sommerfest auf dem Sportplatz am Sonntag (15 Uhr) feiert der Bürgerverein Sielow an diesem Wochenende seinen 20. Geburtstag. Wie immer bei derartigen Jubiläen erinnert man gern an die Anfänge des langen Weges. So blickt auch der erste Vorsitzende des BV Sielow, Ulrich Günther, auf die zwei Jahrzehnte ehrenamtlicher Arbeit zurück.

Herr Günther, ist man in Sielow im Jahr 1998 mit der Gründung des Vereins nur der damaligen Mode gefolgt, in den Ortsteilen solche Vereine zu gründen?

Günther: Nein, unsere Beweggründe waren völlig andere. Unser damaliger Ortsvorsteher Horst Pruskil war genau wie ich der Meinung, dass es ein Gremium geben muss, das den Ortsbeirat unterstützt. Fünf Jahre nach der Wende waren vergangen und die Stadtverwaltung kam mit immer neuen Verordnungen und Gesetzesänderungen um die Ecke. Ich erinnere da an die Friedhofssatzung, das Abwasserproblem oder auch die damals neue Hundesteuer. Da wollten wir gemeinsam mit einigen engagierten Bürgen und unseren Vereinen gegenhalten.

Waren die Bürger und Vereine davon angetan, dass es nun einen Verein gibt, der sich um die Belange kümmern will?

Günther: Doch, das kann man schon sagen. Ob Schuldirektor Haufe, Wolfram Hotzler vom Agrarbetrieb, die Jugend, die Feuerwehr, oder auch Jörg Masnik, als Vertreter des sorbischen Trachtenvereins, um nur einige zu nennen, waren spontan mit uns im Boot. So waren wir einer der ersten Bürgervereine dieser Stadt, der so kompakt und engagiert auftrat. Beim Eintrag in das Vereinsregister waren wir dann schon 45 interessierte Sielower.

Hat sich der BVS generell als Dach der im Ortsteil agierenden Vereine und Einrichtungen verstanden?

Günther: Das wollten wir, doch sind wir auch auf taube Ohren gestoßen. Wir wollten mit unserer Mitwirkung beispielsweise Termine zugunsten aller abstimmen und ordnen. Das ist uns leider über viele Jahre nur bedingt gelungen.

Wenn Sie heute auf die Gründerjahre zurück blicken, was ist haften geblieben. Womit hat der Bürgerverein seine Einwohner zufrieden und glücklich machen können?

Günther: Sielows 700-Jahrfeier im Jahr 2000 war sicher der Höhepunkt. Wir haben einen großartigen Umzug durchs Dorf veranstaltet, mit tollen Bildern. Ich erinnere mich, dass Fuhrunternehmer Krautzig seinen Lkw nicht nur gereinigt, sondern auch frisch gespritzt hat. Elektriker Voß fuhr mit einem klapprigen Dienstrad aus den 50-er Jahren im Umzug mit und die Arztpraxis Krähe hat mit ihrem handgezogenen Krankenwagen für absolute Heiterkeit gesorgt. Schön war es damals, weil alle mit viel Liebe und Leidenschaft dieses Fest unterstützt haben. Später waren es die Bauernmärkte, die das Volk zusammengebracht haben oder auch die Talkrunden im Gasthof, bei denen wir Weltklasseathleten zu Gast hatten.

Sie haben 2006 den Vorsitz niedergelegt, warum eigentlich?

Günther: Ich war ja damals zeitgleich Ortsbeirats-Vorsitzender. Diese Doppelfunktion brachte mich hier und da in einen Zweispalt, darum hielt ich es für günstig, den Vorsitz im Bürgerverein abzugeben.

Bernd Rosumeck, später Jens Brose wurden ihre Nachfolger. Welchen Eindruck haben Sie von derer Arbeit?

Günther: Schön, dass es auch später willige Leute im Dorf gab, die unseren Weg weitergegangen sind. Und die auch vieles bewegt haben. Ich denke an den Rodelberg, der sich mehr und mehr zu einem gesellschaftlichen Zentrum mausert. Treckertreffen, Drachenfest oder auch das Weihnachtsbaumverbrennen im Januar sind inzwischen feste Bestandteile des Dorflebens. Zu diesen Terminen trifft sich halb Sielow am Rodelberg um beisammen zu sein, sich auszutauschen und ein wenig zu feiern. Damit bin ich zufrieden und ich sage ausdrücklich, dass mir was fehlen würde, wenn es den Bürgerverein nicht mehr geben würde.

Das Gespräch mit Ulrich Günther führte Georg Zielonkowski