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| 19:36 Uhr

Interessengemeinschaft Bauernhaus
„Sie war ein hilfsbereites, uneigennütziges Burger Original“

 Ramona Möbus schenkte der Interessengemeinschaft Bauernhaus den Original-Taufschein von Annemarie Schulz.
Ramona Möbus schenkte der Interessengemeinschaft Bauernhaus den Original-Taufschein von Annemarie Schulz. FOTO: Marion Hirche
Burg . Mitglieder der IG Bauerhaus in Burg luden zum Gespräch über das Leben von Annemarie  Schulz ein. Von Marion Hirche

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Bauernhaus luden am Wochenende  zu einer besonderen Veranstaltung in das Annemarie-Schulz-Haus auf dem Burger Schlossberghof ein. Bei vielen Rundgängen werden sie immer wieder nach der Namensgeberin für ihr Gebäude gefragt. Um mehr über das Leben der Annemarie Schulz zu erfahren, organisierten sie diese Gesprächsrunde und setzten dabei vor allem auf die Männer und Frauen, die die 1990 Verstorbene noch kannten.

Roland Kobel von den Gastgebern informierte zur Eröffnung  über Annemarie Schulz: „Sie wurde am 22. Februar 1927 geboren. Sie wohnte  im Burger Nordweg in dem 1726 von ihren Vorfahren erbauten Wohnstallhaus. Sie war überall mit ihrer Sanitätstasche unterwegs, unterstützte die Fußballer, kein Spiel wurde ohne sie angepfiffen, kümmerte sich um die Feuerwehr Burg/Kauper. Sie trug immer Männerkleidung. Nach dem Tod ihrer Eltern lebte sie mit ihren Hunden allein auf dem Hof. Sie war eine Respektsperson, aber auch ein hilfsbereites, uneigennütziges Burger Original“.

Seinem mit allerlei Fragen gespickten Vortrag folgte ein Film über den Abbau dieses ältesten Burger Hauses, das heute noch erhalten ist. 2005 sollte das Gebäude, dass damals in Händen der Familie Möbus war, abgerissen werden. „Da haben wir uns zusammengefunden, um dieses historische Objekt aus dem Jahr 1726 zu erhalten. Haben alles Stück für Stück abgetragen und zunächst eingelagert. Damals wussten wir noch nicht, dass das Haus hier auf dem Schlossberghof wieder aufgebaut werden kann“, erinnerte Petra  Schulz von der Interessengemeinschaft.

Danach kamen die interessierten Gäste zu Wort. Der bekannte Burger Fotograf Ingmar Steffen steuerte unzählige  Fotos über den Wiederaufbau des Wohnstallhauses bei, das 2015 am  jetzigen Standort wieder eröffnet wurde.  Ramona Möbus von der letzten Eigentümerfamilie überreichte dem Verein die originale Taufurkunde von Annemarie Schulz. Friedel Nowy erzählte, dass Annemarie Schulz auch im Gesangsverein „Harmonie“ aktiv war: „Sie hat bei uns  die Organisation gemacht. 1956 war ich 16 Jahre alt, da war Annemarie schon bei uns. Sie hat mich nach der Probe immer mit nach Hause genommen, weil ich noch so jung war.  Leider ist unser Gesangsverein Mitte der 70er Jahre  eingeschlafen. Ab 1975 haben wir nur noch Ausflüge zusammen gemacht“.

Zu den Antworten des Abends gehörten auch die Sterbejahre der Eltern der bei Dr. Jakubik angestellten Krankenschwester: Mutter Marie war 1976 und  Vater Herrmann 1979 verstorben.

Berichtet wurde von der vornehmen Tante aus Berlin. Sie und ihr Mann Emil hatten auf dem Schulzgehöft als Schneiderleute nach der Flucht gelebt. Zum Thema Flucht konnte auch Ursula Mager etwas Interessantes beigetragen: „Wir wurden hier nach unserer Flucht 1945 bei Familie Schulz sehr freundlich aufgenommen. Ich weiß noch genau wie es im Haus aussah. Vieles von dem ist hier in dem Gebäude jetzt wieder zu finden. Die Kammer, die wir zur Verfügung hatten, war hier, wo jetzt die Toiletten sind. Als wir dann ausgezogen sind, haben wir von Schulzes sogar ein Fahrrad geschenkt bekommen“.

Erika Werner aus Werben berichtet, dass Annemarie Schulz immer mit der Rot-Kreuz-Tasche unterwegs war. Ramona Möbus klärte auch die Frage nach Geschwistern von Annemarie auf: „Sie wuchs tatsächlich allein bei den Eltern auf, ein älterer Bruder war kurz nach der Geburt gestorben.“ Siegbert Budischin aus Müschen berichtete über die aktive Rolle von Annemarie Schulz in der Burger Kirche.

Karin Jakubik wusste, dass Annemarie die zuverlässigste Mitarbeiterin  ihrer Schwiegereltern in der Arzt-Praxis war. Über den oft direkten Umgang mit Patienten erzählte  Marie-Luise Pachael: „Ich war bei Jakubiks, weil ich vermutlich schwanger war. Annemarie rief dann für alle deutlich im Wartezimmer: ,Annemarie deine Mutter sucht dich. Hättest du doch sagen können, dass du schwanger bist.’ Dann wussten es alle“.

Die Rede war auch von den beiden Hunden auf dem Hof, die die resolute Person immer mit Schokolade fütterten.

Die Burger Jugend konnte ebenfalls zur Faktenerhellung beitragen. „Die Annemarie Schulz war die Cousine meiner Großtante und ich habe hier ein Fotoalbum mitgebracht. Da ist zum  Beispiel ein Foto vom Haus aus den 40ger Jahren, das damals ein beliebtes Postkartenmotiv war, und das ist ein Bild von der zweijährigen Annemarie in wendischer Tracht“. Oliver Lehmann wusste zu berichten, dass Annemarie Schulz noch als 70-Jährige die Gesundheitsprüfung für zukünftige Führerscheinbesitzer durchführte.

Bei Leberwurst- und Schmalzstullen, Bier und Apfelsaft wurde noch lange gefachsimpelt.