ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

„Sie sollen der Lüge entgegentreten“

Cottbus.. Elf „Stolpersteine“ sind seit vergangenen Donnerstag vor den Häusern von Cottbuser Juden eingelassen, die während der Nazi-Diktatur ermordet wurden. Darauf stehen Namen und Lebensdaten. Mindestens elf weitere Steine sollen am 12. F. Muscheid

Juli 2007 folgen, kündigte Gudrun Breitschuh-Wiehe (B90/ Die Grünen) von jener Arbeitsgruppe an, die die Schicksale von mehr als vierzig Cottbuser Juden ermittelt hat. Denn neben 26 Spendern gebe es bereits weitere Anfragen, sagte die Politikerin auf der Feierstunde am Donnerstagabend im Rathaus mit Spendern, Stadtverordneten und Vertretern der jüdischen Gemeinde in Cottbus. Sowie mit Ulrich Hammerschmidt.
Der 78-Jährige ist der jüngste und einzig noch lebende Sohn des 1944 ermordeten Hermann Hammerschmidt, renommierter Cottbuser Anwalt. Bevor Sohn Ulrich 1994 nach Cottbus zurückzog, hatte er als Physiker in Rostock gearbeitet. „Ich bin auch davor mehrmals im Jahr hergekommen - meine Mutter Elisabeth lebte ja noch hier“ , sagte er nach seiner Rede. Während der Nazi-Dikatur galt er wie seine beiden Brüder als Mischling 1. Grades, leistete selbst Zwangsarbeit unter Tage. „An Cottbus habe ich gute und schlimme Erinnerungen“ , sagt Hammerschmidt. „Wie sie meinen Vater getötet haben, daran darf ich gar nicht denken.“ Auch vor den Gästen ging er darauf nicht ein. Vergegenwärtige aber, wie zum Beispiel Onkel Walter an medizinischen Versuchen in Sachsenhausen starb. Schilderte die Erniedrigungen seines Vaters, der unermüdlich das Unrecht an Juden bekämpfte.
Steffen Krestin vom Stadtmuseum verdeutlichte, wie in zwölf Jahren eine Jahrhunderte alte jüdische Kultur in Cottbus vernichtet wurde. Dieses Erbe dürfe nicht ausgeklammert werden, so Karin Kühl (Die Linke/PDS), stellvertretende Stadtverordneten-Vorsitzende, und hieß die 1998 gegründeten jüdischen Gemeinde willkommen. Für Ulrich Hammerschmidt ist die Wirkung der Stolpersteine noch eine große Frage, aber: „Sie sind angebracht.“ Der Festgemeinde sagte er: „Mögen diese Steine dazu beitragen, dass die, die den Holocaust heute schon wieder leugnen, in ihren Lügen endgültig zu Fall kommen.“