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| 02:33 Uhr

"Sie reagieren aufeinander und miteinander"

In einer Wohnung in der Spremberger Straße in Cottbus hingen während der "Living Room Gallery" Werke von Justus von Karger und Human Flash Boy.
In einer Wohnung in der Spremberger Straße in Cottbus hingen während der "Living Room Gallery" Werke von Justus von Karger und Human Flash Boy. FOTO: Popken
Aufregende Tage liegen hinter den Organisatoren der zweiten "Living Room Gallery" in Cottbus. Mehr als 700 Kunstfreunde haben sich Kunstwerke in zwei Wohnungen angeschaut, Graffiti-Künstler beim Arbeiten beobachtet und mit Malern und Zeichnern über ihre Werke sprechen können. Lasse Popken, Cottbuser Student aus Kiel, der diese besondere Kunstschau mit Freunden organisiert, freute sich riesig über das große Interesse.

Lasse Popken, ich habe diesmal in viele Gesichter von Porträts geschaut. Täuscht dieser Eindruck?
Es waren tatsächlich viele Porträts vertreten. Jedoch war das kein abgesprochenes Konzept, sondern ein Zufall der mitgebrachten Kunst. Als die Künstler vor Ort ihre Arbeiten miteinander aufhängten, entstand ein wunderschönes Gesamtkonzept. Die meisten kannten sich vorher nicht und mussten aufeinander und miteinander reagieren, was sehr spannend war.

Die Besucher hatten ein bisschen mehr zu suchen und zu laufen als im Vorjahr. Ist dieses Konzept aufgegangen?
Dass wir zwei Wohnungen in diesem Jahr bespielt haben, gab auch die Chance zwei verschiedene Welten aufzumachen. Und das hat man, glaub ich, auch gemerkt und wurde sogar lobend erwähnt.

Ihr nehmt keinen Eintritt aber Spenden für neue Brunnen. Wie viele Spenden für eure Organisation "Viva con Agua" sind denn zusammengekommen?
Die genaue Zahl der Spendeneinnahmen ist uns noch nicht bekannt. Bis jetzt waren wir noch mit dem Aufräumen beschäftigt. Jedoch wissen wir bereits, dass es voraussichtlich doppelt so viel wie im Vorjahr ist. Und da lagen die Spendensummen bei knapp 200 Euro. Insgesamt stecken ja auch etwa 70 ehrenamtliche Helfer hinter diesem Projekt - ohne sie ist so ein Ereignis gar nicht möglich. Ich bin dem gesamten Team wirklich sehr dankbar.

Sie haben Ihr Studium in Cottbus fast geschafft und ziehen dann weiter. Lohnt es sich, die Ausstellungsform für die Stadt Cottbus zu halten?
Mir kam bis jetzt nur positives Feedback entgegen. Und was mich besonders freute, war die Alterspanne. Wir hatten von kleineren Kindern bis zum älteren Ehepaar alle Generationen als Gäste in den Wohnungen - und ihre Begeisterung war groß.

Wie erklären Sie sich das?
Die Chance, nicht nur Kunst zu sehen, sondern auch gleich mit allen Künstlern persönlich ins Gespräch zu kommen, ist ein klarer Konzepterfolg. So können sich die Besucher mit der Kunst noch tiefer identifizieren. Und solch ein Erlebnis vergisst man auch nicht so schnell. Das ungezwungene Umfeld in einer Wohnung hilft zudem irgendwie beim Fallenlassen. Besonders faszinierend fand ich, dass das Publikum auch miteinander agierte und sich einander völlig Fremde plötzlich gemeinsam über Kunst unterhielten. Insgesamt war das für mich, für die Künstler und alle Helfer ein gelungenes Kunstereignis. Die Stimmung im Team war trotz des großen Stresses großartig.

Musik und Party gab es anschließend auch noch. . .
Die Konzerte waren dann noch mal ein super Abschluss, wo alle feiern konnten. Um Mitternacht war der ganze Spuk dann aber schon vorbei, und alle gingen mit einem fetten Grinsen davon.

Sich die Wohnung für zwölf Stunden mit Kunst füllen zu lassen, das können sich einige Cottbuser gut vorstellen. Bekommen Sie während der Ausstellung Wohnungen für die nächste "Living Room Gallery" angeboten?
Wohnungsangebote bekomme ich tatsächlich. Jedoch muss ein weiteres Projekt erst abgewartet werden. Als nächstes würde ich gern eine Open Air Galerie wagen. Dafür entwicklen wir gerade erste Vorstellungen.

Mit Lasse Popken

sprach Annett Igel-Allzeit

Viva con Agua - Leben mit Wasser - ist von Benjamin Adrion, Ex-Profifußballer des FC St. Pauli, gegründet worden. Gruppen der Initiative gibt es in vielen deutschen und europäischen Städten. Sie sammelt Geld zum Beispiel für Brunnen in Äthiopien, Nepal, Indien.