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| 02:34 Uhr

Sie erlebte das Wunder von Mühlberg

Polizei-Pressesprecherin Ines Filohn (m.) beim Hochwassereinsatz 2013.
Polizei-Pressesprecherin Ines Filohn (m.) beim Hochwassereinsatz 2013. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Cottbus/Mühlberg. Als Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd, am Freitagabend die Einsatzmedaille "Hochwasser 2013" entgegennahm, sind ihr viele Bilder durch den Kopf gegangen. Annett Igel-Allzeit

Durchweichte Deiche, die vielen Helfer, die nicht auf die Uhr schauen, die alte Frau, die ihr Haus selbst nicht verlassen will, aber um die Rettung ihrer Kaninchen bittet. Rund 17 000 Helfer sollen die Medaille, gestiftet von Ministerpräsident Dietmar Woidke, in den nächsten Monaten überreicht bekommen. Ines Filohn gehörte zu den ersten Hundert. Die Flut 2013 war nicht ihre Erste. "Am schlimmsten war die Flut 2002. Das Wunder von Mühlberg wurde da geprägt, als der erste Brandenburger Ort nach der sächsischen Grenze von den Fluten der Elbe verschont blieb. Nach den Fluten 2006 und 2010 wurde es 2013 noch einmal besonders dramatisch, weil alle Flüsse Hochwasser führten. Und während in Sachsen Dauerregen Dämme brechen ließ, blieb es in Mühlberg trocken, als würde der dort oben die Hand über Mühlberg halten - der Deich hielt", erinnert sich Ines Filohn.

Sie hat den Kontakt zu den Medien gehalten - zu lokalen Sendern ebenso wie zu ausländischen Journalisten. Aber auch den Bürgern, die da unruhig in Sporthallen saßen, fühlte sie sich verpflichtet. Und die Katze zu suchen oder die vergessenen Medikamente zu holen, fuhr sie mit Betroffenen noch einmal nach Hause. "Die jungen Leute verkraften das immer noch als Abenteuer. Ältere Menschen sind oft aufgewühlt, sie fühlen sich an Krieg und Vertreibung erinnert", sagt Ines Filohn. So war es auch bei der weit über 70-Jährigen mit dem Korb voller Kaninchen 2002: Sie war einst aus Schlesien in die Lausitz gekommen und wollte nicht noch einmal weg - aber die Tiere sollten überleben. Nicht nur mit Journalisten, sondern auch mit den Betroffenen in den Notquartieren fuhr sie schnell mal zum Damm. "Es beruhigt sie doch, wenn sie sehen, wie sehr sich die Helfer bemühen." Zu ihrem Helfersyndrom habe sie als Polizistin ein Gefahrenbewusstsein. Beim nächsten Hochwasser sei sie wieder dabei. "Eine Medaille hätte ich nicht gebraucht. Brandenburg hat entlang seiner Flüsse für den Hochwasserschutz inzwischen viel getan. Aber ein Deich, der sich selbst entwässert, ist kostenintensiv. Mühlberg steht im alten Bett der Elbe - das weiß man heute. Es ist zweckmäßig, solche Fehler nicht zu wiederholen."