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Sexueller Missbrauch im Garten

Anwalt Lars-Peter Reimers mit seinem Mandanten vor dem Amtsgericht Cottbus.
Anwalt Lars-Peter Reimers mit seinem Mandanten vor dem Amtsgericht Cottbus. FOTO: Wendler
Cottbus. Eigentlich wollte der Angeklagte am Donnerstag vor dem Amtsgericht Cottbus gar nichts zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Mädchens sagen. Nach einem Rechtsgespräch des Richters mit Verteidigung, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und einem langen Gespräch des 50-Jährigen allein mit seinen drei Verteidigern sah die Sache anders aus. Simone Wendler / sim

Für eine in Aussicht gestellte Bewährungsstrafe zwischen sechs und acht Monaten gestand er die letzte von fünf angeklagten ähnlichen Taten. Die anderen vier Vorwürfe der Anklage wurden vorläufig eingestellt. Auf das Strafmaß hätten sie keinen großen Einfluss gehabt. Das Geständnis ersparte jedoch dem inzwischen elfjährigen Opfer, vor Gericht aussagen zu müssen.

Die Familie des angeklagten Zollbeamten und die Familie des missbrauchten Kindes waren eng befreundete Gartennachbarn in Forst. In seiner Gartenlaube, gestand der Mann, habe er der Nachbarstochter unter den Slip in den nackten Intimbereich gefasst. Entdeckt wurde der Missbrauch, als er sich auch an der älteren Schwester vergreifen wollte, die sofort ihre Mutter alarmierte. Danach kam heraus, dass er sich an dem jüngeren Mädchen der Nachbarn bereits vergangen hatte.

Richter Christian Grauer machte dem Angeklagten ausdrücklich klar, dass Pädophilie nicht heilbar sei. "Wenn diese Neigung da ist, müssen Sie eine Strategie entwickeln, damit Sie bei einer erneuten Gelegenheit nicht wieder zum Täter werden", so der Richter.

Der Angeklagte hatte auf Nachfrage erklärt, dass er ein Dreivierteljahr in Behandlung bei einem Psychologen gewesen sei: "Der hat gesagt, es gebe keine Anzeichen, dass ich auf Kinder stehe." Die Eltern des Mädchens sagten aus, der von ihnen zur Rede gestellte Gartennachbar habe ihnen gegenüber gesagt, er wisse nicht, warum er das getan habe. Vor Gericht sagte er nichts zu seinen Motiven.

Das Amtsgericht verurteilte ihn zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Das entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten nur sechs Monate gefordert, weil die Tat am untersten Rand der Strafbarkeit gelegen habe. Das sah Richter Christian Grauer jedoch anders.

Außerdem muss der Zollbeamte 300 Euro zugunsten des von ihm missbrauchten Mädchens zahlen. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig, weil Anklage und Verteidigung noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel verzichteten.

Das betroffene Mädchen hat nach Auskunft der Eltern das Geschehen inzwischen gut überwunden. Vor der Entdeckung des Missbrauchs hatte sich das Kind nach Aussage der Mutter zurückgezogen, wollte nicht mehr in den Garten und nässte nachts ein.

Wie es beruflich für den zurzeit vom Dienst freigestellten Zollbeamten weitergeht, ist offen. Sein Dienstherr muss nun entscheiden, ob das Urteil auch dienstrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

Zum Thema:
2005 entstand an der Berliner Charité ein Projekt, das Männern mit sexueller Orientierung auf Kinder (Pädophilie) hilft, nicht zum Täter zu werden. Das anerkannte Projekt hat inzwischen Nachahmung an zehn Standorten in Deutschland gefunden. Die Betroffenen sollen in der speziellen Betreuung lernen, Strategien zu entwickeln, die ihnen helfen, diese Neigung so zu kontrollieren, dass sie sich nicht an Kindern vergehen. (sim)