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| 13:55 Uhr

Wildtiere
Luchs im Tagebau Welzow gesichtet

Ein Naturfotofgraf aus Spremberg  hat den Luchs im Rekultivierungsfeld des Tagebaus Welzow-Süd abgelichtet.
Ein Naturfotofgraf aus Spremberg hat den Luchs im Rekultivierungsfeld des Tagebaus Welzow-Süd abgelichtet. FOTO: Uwe Dittmann
Spree-Neiße. Ein Naturfotograf aus Spremberg hat den in Deutschland fast ausgestorbenes Luchs bei Welzow fotografiert. Die Entdeckung ist für Artenschützer eine Sensation. Denn der Lausitzer Luchs hat eine lange Wanderschaft hinter sich.

Eigentlich ist der Spremberger Naturfotograf Uwe Dittmann auf das Aufspüren und Ablichten von Wölfen in der Region spezialisiert. Als er aber davon hörte, dass vereinzelt ein Luchs im Tagebau Welzow Süd gesichtet worden sei, wurde er hellhörig. „Zunächst habe ich mir kaum Gedanken gemacht“, gibt er zu. „Der Luchs ist ein derat heimliches Tier, dass man ihn kaum zu Gesicht bekommen kann.“ Dann legte sich Dittmann trotzdem auf die Lauer. Und hatte den scheuen Luchs nach weniger als 24 Stunden tatsächlich vor der Linse.

„Er kam in der Dämmerung“, erinnert sich der Fotograf. „Lief von hinten an mir vorbei und setzte sich dann hin, um mich in Ruhe zu inspizieren.“ Dittmann konnte eine umfangreiche Fotoserie schießen – und löste damit bei Artenschützern in mehreren Bundesländern Jubel aus. Er lieferte den bisher einzigen Luchsnachweis für die Lausitz und konnte helfen, das Schicksal eines im Harz beheimateten Tieres nachzuvollziehen. Ole Anders vom Luchs­projekt Harz konnte das Tier anhand seiner orangeroten Ohrmarke identifizieren. Sie wurde dem Luchs im März 2016 in der Nähe von Hörden im Harz gesetzt. Dort konnte der nur 14 Kilogramm wiegende Kater an einem Rehriss gefangen und markiert werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Luchs noch ein Jährling, befand sich also im zweiten Lebensjahr. Im Umfeld von Hörden wurde dieser Luchs kurz nach der Markierung noch wiederholt gesichtet und galt seitdem als verschollen. André Pfeiffer, Wolfsbeauftragter des Landkreises, stellte die Verbindung zwischen Welzow und dem Harz her. „Die Freude dort war riesig, als der Luchs nach zwei Jahren wieder gesichtet wurde.“

Die Freude ist verständlich. Nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung leben nur noch 65 Exemplare des Landraubtieres in Deutschland. Der Luchs wird seit Jahrhunderten verfolgt, besonders wegen seines kostbaren Fells gejagt.

Nachdem die Art zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitestgehend aus West- und Mitteleuropa verschwunden war, wanderte sie ab etwa 1950 aus angrenzenden Siedlungsgebieten wieder ein, wurde auch gezielt wieder angesiedelt. Heute sind Luchse unter anderem in den Alpen, im Jura, in den Vogesen und den Mittelgebirgen beheimatet, Der Luchs gilt in Deutschland nach wie vor als stark gefährdet.

Für Uwe Dittmann war die Begegnung mit dem eleganten Raubtier kostbar und unvergesslich. „Es war eine Begegnung, wie sie ganz typisch ist. Man begegnet sich, man sieht sich an, man geht wieder auseinander.“ Bei seinen regelmäßigen Streifzügen kommt er oft mit Wildtieren in Kontakt. „Mir stand schon mal ein Wolf auf acht Metern gegenüber“, sagt der Naturfreund. Passiert sei dabei nichts. „Viel gefährlicher und angriffslustiger als Wölfe sind Wildsauen. Vor denen sollte man wirklich Respekt haben.“ Immer wieder käme es vor, das Jagdhunde von Wildschweinen tödlich verletzt werden. „Eine Bache diskutiert nicht lange.“ Vor einer Begegnung mit Luchsen sollte sich niemand fürchten. Sie sind ausgesprochen scheue Einzelgänger, hören eine Maus auf 50 Meter Entfernung. Menschen weichen sie in der Regel aus.

(hil)