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Sensationeller Pilzfund zwischen Drebkau und Cottbus

FOTO: Hannelore Grogorick
Update | Cottbus. Als eine mykologische Sensation bezeichnet der Drebkauer Pilzsachverständige Lutz Helbig den Fund von Pilzen der Art „Boletellus projectellus“. Die Falsche Rotkappe wuchs im Wald zwischen Drebkau und Cottbus. Hannelore Gogorick

"Die Nordamerikaner erobern die Niederlausitz", verkündet Lutz Helbig. Er strahlt dabei übers Gesicht. "So etwas passiert einem nur einmal im Leben. Ich habe Erpelpelle, wenn ich denke, wie selten der Pilz ist." Seit 35 Jahren ist der 59-jährige Drebkauer Pilzsachverständiger. Er gehört zum Vorstand des Brandenburgischen Landesverbandes der Pilzsachverständigen e.V. sowie zur Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Deutschlandkartierung für Pilze arbeitet er mit an dem Überblick, wo was wächst. In Brandenburg, so erzählt er, sind rund 6000 vorkommende Pilzarten bekannt.

Als nun jüngst eine Familie aus Drebkau ihm dieser Tage ihren Fundpilz zur Artenbestimmung auf den Tisch legte, bekam Helbig sofort das berühmte Bauchkribbeln. "Ich wusste sofort: Ich habe was Besonders vor mir." Zur Sicherheit telefonierte er mit seinem "Pilzkollegen" Dr. Martin Schmidt aus Falkensee. Jetzt ist er sich ganz sicher: Der Fund: Boletellus projectellus, auch genannt Großsporiger Röhrling sowie Falsche Rotkappe.

Pilz steht auf der Roten Liste

Dieser aus Nordamerika stammende Pilz steht auf der Roten Liste und ist sehr selten. Erst im Jahr 2007 konnte er erstmals in Europa, und zwar in Litauen, nachgewiesen werden. In Deutschland wurde er erstmals im Jahr 2014 bei Alt Schadow entdeckt. Ein zweites Vorkommen wurde am Stausee Spremberg registriert, nun welche bei Drebkau. "Nur drei Fundstellen in Deutschland, und alle bei uns in der Lausitz", strahlt der Pilzsachverständige voller Stolz. Am Fundort entdeckte er dann etwa 200 Fruchtkörper. "Wir haben hier offenbar beste Bedingungen für diesen Pilz" sagt Helbig. "Er wächst unter Kiefern, lebt mit ihnen in Symbiose." Jetzt werde weiter beobachtet, wo er sich weiter ansiedelt.

Natürlich könnte manch Waldbesucher schon ein Exemplar in seinem Korb nach Hause getragen haben ohne zu wissen, welche Rarität er da hat. "Die Sammler könnten ihn für einen Steinpilz oder eine Marone gehalten haben", sagt Helbig. Vielleicht nur ein Kenner wie er bekommt beim Anblick solch einen Fundes auf Anhieb Freudentränen in die Augen.

Ob der "neue" Pilz genießbar ist oder etwa giftig, das könne freilich nicht von der Theorie bewiesen werden. "Das wird wirklich erst bekannt, wenn bei einem Menschen nach dem Verzehr Unverträglichkeitssymptome auftreten", gibt Helbig zu.

Seine rund zehn Pilze nutzt Lutz Helbig jetzt für die Wissenschaft. Morphologisch-anatomische Untersuchungen werden an Exsikkatmaterial der Pilze vorgenommen. Dazu werden Teile vor dem Trocknen tiefgefroren und wieder aufgetaut. Auch für das DNA-Screening sind sie nutzbar.

Pilzlehrwanderung
Zur 13. Drebkauer Pilzlehrwanderung lädt der Sachverständige Lutz Helbig am 14. Oktober ein. Treff ist um 9 Uhr an der Lindenstraße 2 in Drebkau. Für die Teilnahme bezahlen Erwachsenen fünf Euro, Kinder die Hälfte. Die gemeinsam gesammelten Pilze sollen anschließend auch gemeinsam verzehrt werden. "Hier sind schon Helden vom Hof gegangen. Die haben tapfer auch Pilze mitgegessen, die ihnen völlig unbekannt waren", sagt Helbig schmunzeln. Bei Wanderungen in wettermäßig guten Pilzjahren wären bei einer Wanderung schon bis zu 150 verschiedene Arten entdeckt, in der Pfanne seien bis zu 35 Arten gelandet.

Grenze: Ein Kilogramm Pilze
Lutz Helbig erinnert alle allzu eifrigen Sammler an das Waldgesetz. Das begrenzt die Sammelmenge auf ein Kilogramm Pilze pro Person. "Das entspricht einem mittelgroßen Spankorb", sagt Helbig. Naturschutz-Frevlern drohe ein Bußgeld, das bis in den vierstelligen Eurobereich gehen kann.