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Seniorenzentrum mit Tradition

Gertraud Conrad (r.) fühlt sich in der Obhut von Claudia Tzschentke wohl.
Gertraud Conrad (r.) fühlt sich in der Obhut von Claudia Tzschentke wohl. FOTO: Ulrike Elsner
Cottbus. Im Riedelstift in der Bautzener Straße ist gestern das Jubiläum "120 Jahre Riedelsche Stiftungen" gefeiert worden. Aus diesem Anlass hat sich am Vormittag eine Gruppe von Bewohnern zum Südfriedhof begeben, um am Grab des Stifters Wilhelm Riedel ein Blumengebinde niederzulegen. Ulrike Elsner

Für Gertraud Conrad war das eine wichtige Geste. Die 88-Jährige schätzt die Menschlichkeit des Mannes, "der schon vor mehr als hundert Jahren für Frauen mit Kindern eine Unterkunft und für alte Leute ein Zuhause geschaffen hat".

Im Jahr 1993 hat der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) das damalige Feierabendheim Riedelstift in der Spremberger Vorstadt übernommen. "Wir beschäftigen heute rund hundert Mitarbeiter, sind Ausbildungsbetrieb und sehen uns dem Anspruch der Riedelschen Stiftungen weiter eng verbunden", betont Michaela Lorenz, Geschäftsführerin des ASB Cottbus. Der ASB führt das Haus mit der ältesten Pflegetradition in Cottbus fort und hat es zu einem modernen Seniorenzentrum mit vielfältigen Hilfeleistungen und einem großen Serviceangebot für Ältere entwickelt.

"Eine der größten Herausforderungen war dabei die Sanierung bei laufendem Betrieb", erinnert sich die langjährige Geschäftsführerin Christiane Ceglarek. Angefangen hatte es nach der Neugründung des ASB-Ortsverbandes am 15. Juni 1990 mit einer Sozialstation, einem Fahrdienst für Behinderte sowie Essen auf Rädern. Heute verfügt das Seniorenzentrum über 67 stationäre Pflegeplätze, vier Plätze für Kurzzeitpflege und zwölf Tagespflegeplätze, berichtet Michaela Lorenz. Hinzu kommen mit dem Haus Auguste und dem Haus Bellevue insgesamt 45 barrierefreie Wohnungen, ein ambulanter Pflegedienst, der rund hundert Patienten zu Hause betreut, sowie ein Hausnotruf, über den jederzeit der Bereitschaftsdienst der Sozialstation gerufen werden kann.

Seit 1990 habe sich "eine Entwicklung vollzogen, über die die Stadt Cottbus sehr froh sein kann", betonte Fachbereichsleiterin Maren Dieckmann. Der anhaltende Run auf betreutes Wohnen zeige, dass Menschen bis ins hohe Alter selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben möchten und gleichzeitig, wenn es nötig ist, Hilfe in der Nähe finden.

Gertraud Conrad nutzt zweimal in der Woche das Angebot der Tagespflege. "Ich kann nur Gutes berichten", sagt die 88-Jährige. "Doris Miethke und ihre Kolleginnen bringen mir ein Heilkissen, wenn ich es brauche, und sie bringen mir Trost und Freude." Alle sind freundlich und hilfsbereit. Mitarbeiterin Claudia Tzschentke gibt das Kompliment zurück: "Wir sind hier wie eine große Familie."

Zum Thema:
Wilhelm Riedel wurde 1892 in Cottbus geboren. Er gründete vor 120 Jahren die Riedelschen Stiftungen. Dazu erwarb er die Grundstücke Bellevuestraße 44/ 45, heute Bautzener Straße, und erbaute dort das "Heim für vaterlose Weisen", in das 1897 arme Witwen mit mehreren Kindern einzogen. Später folgten weitere Stiftungen, wie das Altenheim "Riedelstift für achtbare Arme", die "Aussteuerstiftung" oder der "Sparverein für Kinder".