| 13:18 Uhr

Unfallstatistik in Cottbus und Spree-Neiße
Gefährlich: Senioren am Steuer

Cottbus. Trotz gesunkener Unfallzahlen ist die Zahl der älteren Unfallverursacher deutlich gestiegen.

Die gute Nachricht zuerst: Die Straßen in Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis sind im vergangenen Jahr sicherer geworden: Die Zahl ist um 116 auf 6653 Unfälle im Jahr gesunken. Der Rückgang war im Landkreis etwas deutlicher (minus 62) als im Stadtgebiet (minus 54). Erfreulich: Auch die Zahl der bei Unfällen verletzten Menschen ist spürbar gesunken. 2017 kamen bei 593 Unfällen 714 Personen zu Schaden. Das sind 9,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Kreis wurden dabei 379 Menschen verletzt (minus 30). im Stadtgebiet waren es 335 Menschen (minus 43). Im Vergleich mit den landesweiten Zahlen stehen Cottbus und der Kreis deutlich besser da: In Brandenburg sind sowohl die Unfallzahlen als auch die Zahlen der verletzten Personen im vergangenen Jahr gestiegen.

FOTO: LR

„Trotzdem können wir nicht zufrieden sein“, sagt Bettina Groß, Leiterin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße. Grund: Die Zahl der getöteten Personen liegt in ihrem Zuständigkeitsbereich weiterhin bei zwölf. Fünf Menschen kamen im Stadtverkehr ums Leben, sieben starben auf Straßen im Landkreis. Bettina Groß: „Wir sind gespannt, ob die neusten technischen Ausstattungen, die jetzt in PKW Pflicht sind, die Zahlen senken können.“ Sie spielt an auch den automatischen Notruf, der bei Unfällen künftig von den Autos selbst abgesetzt wird.

Ziel müsse sein, die Zahl der Toten zu reduzieren, so Bettina Groß. Neben technischen Neuerungen setzt sie auf Kontrollen und Prävention. Noch aber liegen sowohl die Polizeiinspektion als auch Brandenburg über dem Bundesdurchschnitt, bezogen auf die Zahl der Verkehrstoten pro eine Million Einwohner. Im Bundesdurchschnitt sterben 38 Menschen pro Million Einwohner, in Brandenburg sind es 59. Cottbus kommt auf einen Wert von 50, der Landkreis auf 60.

Einen weiteren Schwerpunkt will die Polizei künftig auf die Prävention im Bereich Senioren setzen. Gerade bei den Verkehrsteilnehmern, die älter sind als 65, hat die Zahl der Unfälle im vergangenen Jahr deutlich zugenommen (plus 6,7 Prozent). So haben 2016 genau 986 Senioren einen Unfall verursacht, im vergangenen Jahr waren es bereits 1033. Bettina Groß: „Wir merken, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, die sehr lange mobil bleiben wollen und vielleicht gar nicht merken, dass ihr Gehör, ihre Sehschärfe oder ihr Reaktionsvermögen nachgelassen haben.“

Die Polizei bemüht sich um enge Kontakte zu den hiesigen Seniorenbeiräten, will Verkehrsteilnehmerschulungen und einen Verkehrssicherheitstag anbieten.

Bei den jungen Verkehrsteilnehmern im Alter zwischen 18 und 24 ist die Zahl der Unfallverursacher um 3,4 Prozent auf 404 zurückgegangen. „Eine erfreuliche Entwicklung“, so Bettina Groß.

Nicht alle Unfälle lassen sich jedoch ohne Weiteres vermeiden. Allein 1543 Unfälle im Bereich der Polizeiinspektion gingen im vergangenen Jahr auf das Konto von Zusammenstößen mit Rehen, Wildschweinen und anderen Wildtieren – 1,9 Prozent mehr als 2016. Bettina Groß: „Wir haben sehr viel Wild in der Region und merken, dass alle Vergrämungsmaßnahmen immer nur kurz- und mittelfristig helfen.“ Ein Problem, über das mit den zuständigen Jägern gesprochen werden müsse.

Positiv bewerten die Polizisten den deutlichen Rückgang an Alkoholfahrten um 17,3 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden 81 Promille-Fahrer erwischt, die Unfälle verursacht haben. Im Vorjahr waren es noch 98. Auch bei den Folgenlosen Alkoholfahrten gab es einen Rückgang von 279 auf 202. Gestiegen ist die zahl der Drogenunfälle (von 4 auf 6). Die Zahl der folgenlosen Drogenfahrten ist dagegen von 48 auf 35 gesunken.

Auch bei Unfällen durch zu hohe Geschwindigkeit, Nichtbeachtung der Vorfahrt und zu geringen Abstand gab es in Stadt und Landkreis spürbare Rückgänge.

(hil)
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