Von Silke Halpick

Von wegen, den Weihnachtsmann gibt es nicht: In Gablenz bei Neuhausen kommen seit zehn Jahren regelmäßig Mitte Dezember Pakete von einem Unbekannten an, die  an die jeweils zwei Dorfältesten verteilt werden sollen. Wer dahinter steckt, weiß niemand.

Aus Sicht der Ortsvorsteherin Christina Krüger soll das Geheimnis auch weiterhin gewahrt bleiben. „Das ist eine so schöne Tradition“, begründet sie. Keinesfalls wolle sie riskieren, dass der anonyme Spender abgeschreckt wird und seine Tätigkeit einstellt. Deshalb sind für sie Nachforschungen jeglicher Art tabu. Sie selbst fungiert lediglich als Überbringerin der Geschenke, die sie per Post zugestellt bekommt.

Neugierig ist hingegen Heinz Thomalsky. Mit seinen 89 Jahren hat er in diesem Jahr erstmals ein solches Paket überreicht bekommen. „Ich habe es gleich bei der Seniorenweihnachtsfeier aufgemacht, damit jeder sehen kann, was drin ist“, sagt er. Zutage fördert er das Buch „Über Topflappen freut sich jeder“  von Renate Bergmann. Außerdem gibt es Pfefferkuchen, Sekt, Kaffee, Likör und Süßigkeiten. Wert des Inhaltes: 40 bis 50 Euro, wie Thomalsky einschätzt.

Der Rentner war „ganz überrascht“ von dem Geschenk. Von dieser Gablenzer Tradition wusste er vorher überhaupt nichts, obwohl er eigentlich „schon  ewig“ hier lebt, wie er sagt. „Ich möchte mich beim Absender herzlich bedanken und ihn zu einer Tasse Kaffee bei mir einladen“, betont er. Heinz Thomalsky wohnt mit seiner Familie am Dorfrand von Gablenz. Sein Hof ist nicht zu übersehen. Die Kinder hatten ihm zu seinem 89. Geburtstag ein Holzschild geschenkt, auf dem „Dorfältester“ steht. Das hängt jetzt auch am Zaun.

„Auf dem Paket stand eine Cottbuser Adresse als Absender“, erzählt der ehemalige Polizist. Allerdings ist diese fiktiv, wie auch der großzügige Spender in seinem Begleitbrief einräumt. Der Grund: Die Post stellt keine Pakete ohne Absenderangabe zu. Als langjähriger RUNDSCHAU-Leser kam Heinz Thomalsky schnell auf die Idee, die erstaunliche Geschichte öffentlich zu machen und so möglicherweise auch den Kontakt zum Geschenkegeber zu finden. „Nach zehn Jahren dürfte es an der Zeit sein, das Geheimnis zu lüften“, findet er.

Ob der Spender das überhaupt will, ist fraglich. „Wir wissen nicht einmal, ob es eine Frau oder ein Mann ist“, sagt Krüger. Aber ganz offensichtlich hat der Unbekannte immer ein Auge auf das Dorf mit 158 Einwohnern zirka 15 Kilometer südwestlich von Cottbus. Die Wahl von Christina Krüger vor drei Jahren zur neuen Ortsvorsteherin ist ihm jedenfalls nicht verborgen geblieben. Seit rund zwei Jahren erhält sie die Pakete. „Ich wurde aber von meiner Vorgängerin eingeweiht“, sagt sie.

Warum sich der Spender so viel Mühe macht, erklärt er in einem beiliegenden Brief an die Beschenkten. „Gerade in einer Zeit, in der Menschen immer egoistischer werden, in einer Zeit, in der Menschen dem schnöden Mammon mehr Zuwendung schenken als den Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe, ist es mir ein Bedürfnis, dem etwas entgegenzustellen“, heißt es darin. Vor allem die älteren Bürger werden in dieser Zeit „oft vergessen“. Deshalb sollen die Pakete auch an die beiden jeweils ältesten Einwohner von Gablenz überreicht werden.

Um nachzuweisen, dass die Geschenke tatsächlich bei den Betreffenden ankommen, wird die Übergabe im Amtsblatt der Gemeinde Neuhausen jedes Jahr veröffentlicht. Das soll auch diesmal erfolgen. Ortsvorsteherin Christina Krüger glaubt nicht daran, dass sich der Spender offenbart. Wenn es nach ihr geht, kann alles so weiterlaufen wie bisher. Auch der Unbekannte kündigt in seinem Schreiben an, so lange er gesund ist und die finanziellen Möglichkeiten habe, die Tradition beibehalten zu wollen.