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| 01:38 Uhr

„Seelengang“ begrüßt Gäste

„Seelengang“ nennt Ronne Noack von der Kunstfabrik (Mitte) seine Installation.
„Seelengang“ nennt Ronne Noack von der Kunstfabrik (Mitte) seine Installation. FOTO: Elsner
Eine Ausstellung unter dem Titel „Die Art zu sterben“ ist am Donnerstag in den alten Räumen der Brandenburgischen Kunstsammlungen in der Sprem eröffnet worden. Gezeigt werden dort im Rahmen der 1. Brandenburgischen Hospizwoche Installationen, Malerei, Grafik, Fotografie, Skulpturen und Textilobjekte. Von Ulrike Elsner

„Seelengang“ nennt Ronne Noack seine Installation, die den Besucher im Eingangsbereich der Ausstellung begrüßt. Mit recht lebendig wirkenden roten Schuhen in seiner Installation „Erde zu Erde“ hat Eberhard Krüger seine Erfahrungen mit russischer Trauerkultur verarbeitet. Statt Blumen brächten die Hinterbliebenen Wodka und Essen ans Grab, sagt der Künstler aus Komptendorf. Eine Scheibe Brot mit Schinken steht für den sehr menschlichen Umgang mit dem Tod, den Krüger mit deutscher Bürokratie konfrontiert.
Florentine und Florentinchen nennt Bernd Voigt sein Foto aus der Reihe „Die Lausitz in Infrarot“ , die einen abgestorbenen alten Baum bei Straupitz zeigt, der sich in seiner ganzen Schönheit über junges Holz erhebt. „Werden und Vergehen“ ist das Thema von Klaus Herrmanns Metamorphosen. Porträts von Kindern, die nicht mehr leben, seien bewusst im letzten Raum in der ersten Etage angeordnet, sagt Anette Lehmann-Westphal von der Kunstfabrik. Nämlich dort, wo am Abend das schönste Licht einfällt. Wer den Raum verlässt, dessen Blick fällt unweigerlich auf ein Großbild von Anke Kalleske: Ein Löwenzahn entlässt seine Kinder in die Welt.
Die Handschriften der Künstler und anderer Kreativer der Kunstfabrik sind vielfältig. Mutig, provokant und manchmal humorvoll vertreten sie sehr unterschiedliche Positionen zum Thema Tod, Trauer und Sterben. Ein Tabu scheint es dabei nicht zu geben.
„Nichts gehört so unabdingbar zum Leben wie der Tod“ , sagt Anette Lehmann-Westphal. Doch die Menschen mieden das Thema meist. „Dabei hat das Wissen um den Tod eines zur Folge: Der Wert des Lebens wird uns erst richtig bewusst“ , sagt die Künstlerin.
Er freue sich, dass mit der Ausstellung in den seit dem Umzug des Kunstmuseums Dieselkraftwerk leer stehenden Räumen Leben eingezogen sei, sagte Bürgermeister Holger Kelch (CDU). Die Stadt habe ihre Immobilie kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Der Ambulante Hospizdienst der Malteser arbeitet nach den Worten ihres Leiters Michael Doll seit zwölf Jahren in Cottbus. „Wir wollen die Themen Tod und Sterben aus der Tabuzone heraus in die Gesellschaft holen“ , sagt er. Dazu könne die Ausstellung beitragen. Außerdem komme ein Teil des Erlöses verkaufter Kunstwerke dem ambulanten Hospizdienst zugute.

Service Öffnungszeiten
 Die Ausstellung „Die Art zu sterben“ in den Räumen der ehemaligen Brandenburgischen Kunstsammlungen in der Spremberger Straße 1 läuft bis zum 8. August und ist laut Kunstfabrik montags bis freitags jeweils von 16.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Sonderführungen konnen unter Telefon 0355 20151 angemeldet werden.