Von René Wappler

Ein Forscher der Hochschule Kaiserslautern untersucht alle Folgen der Fernsehserie „Star Trek“ darauf, wie treffsicher sie technische Erfindungen vorhersieht. Dr. Hubert Zitt wird am Mittwoch, 22. Mai, um 20 Uhr den Kuppelsaal des Cottbuser Planetariums besuchen. Dafür hat er einen Vortrag vorbereitet: „Wie aus technischen Visionen Realität wurde“.

Der Dozent für Informatik erinnert sich daran, dass er in seiner Jugend mit einem Funkgerät durch die Gegend lief. Nie hätte er damals gedacht, dass er eines Tages einen Mini-Computer in der Form eines Telefons besitzen würde. Dabei schaute er schon als Kind begeistert die ersten Folgen der Serie Star Trek. Sie prophezeiten Erfindungen für das Jahr 2200, die jetzt schon zum Alltag gehören. Berührungsempfindliche Bildschirme – auch als Touchscreen bezeichnet – tauchten in der Serie auf, als an ihren Einsatz in der Realität noch nicht zu denken war.

Hubert Zitt sagt: „Die Serie zeigt uns eine Möglichkeit unserer Zukunft auf, in der Technik sinnvoll genutzt wird.“ Aber so werde es vermutlich nicht kommen.

„Schon unsere Jugend kann ja nicht gut mit der Technik umgehen, die sie umgibt“, stellt der Forscher fest. „Es ist doch nicht vernünftig, dass der Mensch neun Stunden am Tag auf einen Bildschirm schaut, dass er sogar seinen Schlaf dafür unterbricht.“ Vielleicht schreite die technische Evolution schneller voran als die soziologische, mutmaßt Hubert Zitt.

„Star Trek“-Forscher über die Technik der Zukunft

Dabei genießt er selbst die Chancen, die ihm das Internet bietet. Unterwegs über das Mobiltelefon erreichbar zu sein, das sei schon ein Luxus. „Und überhaupt: Wer hätte denn vor 50 Jahren angenommen, dass wir unser Telefon zugleich als Taschenlampe nutzen können?“

Die Serie „Star Trek“ gilt für ihn als der Klassiker, wenn es um die Frage geht, wie sich Technik in der Zukunft entwickeln wird. „Die Autoren mussten darauf achten, dass es für alles, was sie zeigen, auch eine Theorie zur Funktionsweise gibt“, sagt er. „Physiker, Ärzte und Ingenieure haben an den Folgen mitgearbeitet und die Drehbücher darauf untersucht, ob die darin enthaltenen Visionen in der Zukunft aus wissenschaftlicher Sicht möglich wären.“

Eine ähnliche Strategie verfolgte der Regisseur Steven Spielberg, als er im Jahr 2002 seinen Science-Fiction-Film „Minority Report“ drehte. Wie die Zeitung „Washington Post“ berichtete, ließ er sich von 15 Fachleuten dazu beraten, wie eine plausible Zukunft des Jahres 2054 aussehen könnte.

Dabei sahen sie Trends vorher, die – ähnlich wie bei Star Trek – schon viel früher eingetreten sind. Personalisierte Werbung, autonom fahrende Autos und das Entsperren von Geräten durch Gesichtserkennung zählen zu den Details, mit denen der Film „Minority Report“ seine Geschichte erzählt.

Rasanter Fortschritt ist eine Gefahr für „Star Trek“

Inzwischen schreitet der technische Fortschritt so schnell voran, dass es den Schöpfern von Filmen und Serien zunehmend schwer fällt, eine glaubwürdige Zukunftsvision zu entwerfen.

Denn was heute noch als unglaubliche Erfindung erscheint, kann in wenigen Jahren zur Marktreife gelangen. Das erklärt, warum so viele Science-Fiction-Werke schon kurz nach ihrem Erscheinen hoffnungslos veraltet wirken.

Diese Gefahr droht auch den neuen Folgen der Serie „Star Trek“, wie Hubert Zitt zu bedenken gibt. „Ohnehin kommen sie in meinen Augen mit der Geschichte und den Darstellern nicht an die früheren Staffeln der Next Generation heran“, sagt er.

Zur Veranstaltung mit Hubert Zitt im Cottbuser Planetarium erklärt der Leiter des Hauses, Gerd Thiele: „Im Vortrag werden die Visionen von Star Trek in seriöser und gleichzeitig witziger Art und Weise mit dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik verglichen.“ Die Eintrittskarten kosten 9,50 Euro, ermäßigt 6,50 Euro und können unter Telefon 0355 713109 oder auf der Internetadresse www.planetarium-Cottbus.de reserviert werden.