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Forschung
Lausitzer Zukunft auf dem Wasser

Die schwimmenden Häuser auf dem Geierswalder See müssen Wellen, Wind und einer hohen Strahlenbelastung standhalten.
Die schwimmenden Häuser auf dem Geierswalder See müssen Wellen, Wind und einer hohen Strahlenbelastung standhalten. FOTO: Matthias Hiekel
Cottbus. Mit innovativen Ideen soll die Region zu einem Zentrum für Schwimmende Architektur werden. Von Andrea Hilscher

Kaum haben amerikanische Wissenschaftler entdeckt, dass der Meeresspiegel weltweit doppelt so schnell steigt wie bisher angenommen, hat die BTU mit ihrer Ringvorlesung „Wassergespräch Lausitz“ die passende Antwort parat: Schwimmende Häuser mit Know-how aus der Region könnten zum Problemlöser werden.  

Einer, der sich seit Jahren mit den Chancen und Schwierigkeiten der Wasserarchitektur beschäftigt, ist Dr. Peter Strangfeld, Vorsitzender der Instituts für Schwimmende Bauten an der BTU Cottbus-Senftenberg. Vor gut besuchten Rängen gab er am Dienstagabend auf dem Zentralcampus einen Abriss der aktuellen Forschungsvorhaben, auch im Hinblick auf die Nutzung des künftigen Ostsees. „Weltweit gibt es seit tausenden Jahren schwimmende Bauten“, so der Wissenschaftler. Mit steigenden Meerespegeln und einer wachsenden Weltbevölkerung werde der Bedarf an Wohnflächen auf dem Wasser künftig stark ansteigen. „In zahlreichen Ländern – aber nicht unbedingt in der Lausitz.“

Warum Peter Strangfeld trotzdem große Hoffnungen für die Region an sein Forschungsfeld knüpft? „Wir entwickeln hier das Know-how, das überall in der Welt nachgefragt wird. Jüngstes Beispiel: In Vietnam sollte die BTU Vorschläge entwickeln, wie die bei Touristen beliebten schwimmenden Märkte und Häuser in der Halong-Bucht so umgestaltet werden können, dass Hygiene- und Umweltstandards besser als bisher eingehalten werden können.

Doch man muss gar nicht bis nach Asien schauen, auch in Deutschland wird fieberhaft nach bezahlbaren und ökologiosch vertretbaren Lösungen für das Wohnen auf dem Wasser gesucht. Peter Strangfeld: „Im Hamburger Hafen und auch in Berlin wird an neuen Wohnformen gearbeitet.“ Wo die Immobilienpreise in den Himmel schießen, lohnt sich ein Ausweichen aufs Wasser – trotz hoher Bau- und Wartungskosten für Pontons, Infrastruktur und Wohngebäude. In der Lausitz mit ihren niedrigen Bodenpreisen seien die schwimmenden Häuser vor allem für touristische Nutzungen attraktiv, zudem liefern sie den Forschern der BTU wichtige neue Erkenntnisse. Das Haus auf dem Partwitzer See musste in der Vergangenheit einigen Stürmen standhalten, aus Sicherheitsgründen wurden die Bewohner zeitweise evakuiert. Peter Strangfeld: „In künstlich geschaffenen Seen bilden sich weitaus höhere Wellen als in gewachsenen Strukturen. Darauf müssen wir uns einstellen.“ Am Geierswalder See erforschen die Wissenschaftler den hohen Eisdruck, dem Pontons und Halterungen gewachsen sein müssen. Eine Idee: Erdwärme zu nutzen, um das Wasser rund um die Halte-Dalben eisfrei zu halten. Eine Messstation auf der ehemaligen Tauchschule auf dem Gräbendorfer See liefert Klimadaten, die Einfluss auf künftige Neukonstruktionen haben.