| 02:33 Uhr

Anne Frank-Kita
"Schwimmen da dann Haie drin?"

Jette Lahr und Jette Schmied haben am Projekt "Ostsee" der Kita "Anne Frank" teilgenommen und viel über das Thema Rekultivierung gelernt.
Jette Lahr und Jette Schmied haben am Projekt "Ostsee" der Kita "Anne Frank" teilgenommen und viel über das Thema Rekultivierung gelernt. FOTO: Studentenwerk Frankfurt (Oder)
Cottbus. Dick einpacken mussten sich Jette Lahr und Jette Schmied beim Ausflug an den noch wenig seeigen Cottbuser Ostsee. In Regenhosen, Gummistiefeln und wetterfesten Jacken lernen sie, was Rekultivierung bedeutet – immerhin anhand eines der größten Rekultivierungsprojekte in der Lausitz. Daniel Schauff

Dort, wo jetzt noch Insekten durch die Gräser hüpfen und eine Menge Grün die Erde bedeckt, wird bald ein See entstehen. "Und die Tiere? Was passiert mit denen?", war eine der großen Sorgen der Kinder aus der Anne Frank-Kita des Studentenwerks Frankfurt (Oder), zu denen auch die beiden Jettes bis vor Kurzem noch gehörten. "Wohin sollen die? Und was passiert mit den Bäumen?"

Im Rahmen des Projekts "Der Ostsee - Rekultivierung mit Kindern erleben" stehen bei Erziehern und Kindern Fragen rund um den künftig größten Lausitzer See im Mittelpunkt zahlreicher Exkursionen, meist nach Schlichow, wie Kita-Leiterin Ilka Kummer berichtet, manchmal aber auch an andere Punkte rund um das ehemalige Tagebau-Loch. Jeder Besuch wird vor- und nachbereitet, auch Fragen nach der Wahrscheinlichkeit, später auf Haie im Ostsee zu treffen. Oft, sagt Ilka Kummer, lade die Kita auch Experten ein, die mit den Kindern bestimmte Themen rund um die Rekultivierungspläne besprechen. Vor allem der Naturschutz, sagt die Kita-Leiterin, liege den Kindern am Herzen, besonders Flora und Fauna am noch trockenen See und deren Zukunft.

Mit dem Projekt hat sich die für den Kitastar beworben, eine deutschlandweite Preisausschreibung der Stuttgarter "Element-i Bildungsstiftung". Prämiert werden Kita-Konzepte, die Kindern neue Lernthemen und Erfahrungsräume näherbringen. Dabei spielt laut Bildungsstiftung auch die Vernetzung der Kita mit Kommunen, Unternehmen und Vereinen eine wichtige Rolle. Die Teilnahme hat sich gelohnt. Die Cottbuser BTU-Kita hat den ersten Preis abgeräumt - den Kitastar in Gold und 5000 Euro Preisgeld.

Was damit geschehen soll, weiß Ilka Kummer noch nicht so recht - will aber auch nicht allein entscheiden. Die Kinder, sagt sie, sollten mit überlegen. Ein Fest mit den Unterstützern des Projekts sei allerdings schon gesetzt, so die Kita-Leiterin.

Alle Kindergartenkinder hätten seit Anfang 2016 den Ostsee besucht und im Rahmen des Projekts über das riesige Rekultivierungsprojekt am Cottbuser Stadtrand gelernt. Schluss ist noch nicht - das Projekt geht weiter, sagt Ilka Kummer. Viele Kita-Kinder seien bereits weiter in die Schule gezogen, so auch die beiden Jettes. Dafür kämen neue Kita-Kinder nach. Selbst die Krippenkinder, sagt die Kita-Leiterin, würden schon langsam mit dem Thema Ostsee vertraut gemacht, bevor sie mit dem Kindergartenalter so richtig loslegten.

Aus Sicht der preisverleihenden Bildungsstiftung ist das Kita-Projekt auch deshalb so besonders, weil es nicht zu belehrend wirkt. Die Besuche vor Ort seien nicht nur Lernveranstaltungen, sondern biete den Kindern auch vielfältige Möglichkeiten zu spielen. Außerdem stelle das Ostsee-Projekt die eigene Region und Lebenswirklichkeit der Kinder mit ihren Besonderheiten in den Fokus. Das bestätigt Ilka Kummer. Viele Eltern der Kita-Kinder arbeiteten selbst im Tagebau oder in der Forschung zum Thema an der Cottbuser Universität. Da sei es nicht verwunderlich, dass die meisten Kita-Kinder auch ein offenes Ohr und großes Interesse für die mögliche Zukunft eines Tagebaus zeigten.

Zum Thema:
Nach Angaben des Studentenwerks Frankfurt (Oder) bietet die Kita "Anne Frank" 125 Kindern Platz. Derzeit sind die jüngsten Kinder acht Wochen alt, die ältesten beginnen mit der Grundschule im kommenden Jahr. Betreut werden in der Kita "Anne Frank" Kinder von Studierenden und Hochschulangehörigen sowie weitere Kinder aus Stadt und Region. Den Angaben zufolge betreut das Kita-Personal derzeit Kinder aus insgesamt 23 Nationen. Geöffnet ist die Einrichtung auf dem BTU-Campus ganztägig von 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr.