"Ihr müsst die Beine immer ganz gerade strecken bei der Schlussbewegung der Schwimmzüge", fordert die Trainerin ihre jungen Schützlinge auf. Auch etwas lautere Töne, die oft den nötigen Ernst mit sich tragen, nehmen ihr die Kinder nicht übel. Wissen sie doch ganz genau, dass ihre "Schwimm-Oma" ja eigentlich eine ganz Liebe ist. Und deshalb kann sie auch mit dem liebevollen Kosenamen ganz gut umgehen. "Mir kommt es zugute, dass ich eine gelernte Kindergärtnerin bin, und ganz gut weiß mit den jungen Menschen umzugehen. Ich fordere nicht nur, ich kann die Kinder auch mal in den Arm nehmen und trösten, wenn es gar nicht recht klappen will mit der Koordination", sagt die 76-Jährige ein wenig philosophisch.
Schon im Frühjahr dieses Jahres hatte Gerda Elze die meisten Mitglieder ihrer jetzigen Trainingsgruppe unter ihren Fittichen, als diese in der "Seepferdchen-Gruppe" gerade das Schwimmen erlernten.
Gerda Elze ist schon knapp sechs Jahrzehnte in den Schwimmvereinen der Stadt Cottbus zu Hause. "Fortschritt", Einheit", "Dynamo" und jetzt der Polizeisportverein PSV waren ihre Vereine seit 1949. "Wobei - die schönste Zeit war, als wir in de Schwimmhalle im Bildungszentrum trainiert haben. Auch den Olympiateilnehmer Benjamin Starke hatte ich unter meinen Fittichen", berichtet sie mit hörbarem Stolz in der Stimme.
Petra Petrov, die einzige hauptamtliche Schwimm-Trainerin des PSV, ist zufrieden, dass Gerda Elze auch im hohen Alter noch immer ihre vier Stunden pro Woche mit dem Nachwuchs arbeitet. Sie sagt: "Wir haben zwar auch ein knappes Dutzend junge Leute, die wir als Übungsleiter-Helfer dabei haben, aber Gerda ist unersetzlich." Wohl wahr, immerhin hat sie in all den Jahren schon rund 5000 Kindern das Schwimmen beigebracht. Und jede Woche werden es mehr.
Den Weg von ihrer Wohnung in der Ottilienstraße zur Schwimmhalle bewältigt sie stets mit dem Fahrrad - egal bei welchem Wetter. Und dies wird wohl auch noch lange so sein. Denn die vitale Rentnerin hat kürzlich mal so ganz nebenbei mit ihrem typischen spitzbübischen Lächeln darauf verwiesen, dass ihr Vater ja 100 Jahre alt geworden ist: "Da habt ihr mich noch ziemlich lange auf dem Hals!"