| 02:39 Uhr

Schwerelos im Kanzler-Airbus

Der ehemalige Kanzler-Airbus A310-304 VIP hebt seit zwei Jahren für wissenschaftliche Experimente in der Schwerelosigkeit ab.
Der ehemalige Kanzler-Airbus A310-304 VIP hebt seit zwei Jahren für wissenschaftliche Experimente in der Schwerelosigkeit ab. FOTO: DLR
Cottbus. Arbeiten in der Schwerelosigkeit – diesen Traum erfüllen sich gerade Forscher der BTU Cottbus-Senftenberg. Sie drehen dieser Tage im Airbus A310 "Zero-G" ihre Runden über Frankreich und absolvieren in den wenigen Sekunden der Schwerelosigkeit Experimente zum Wärmetransport in künstlichen Kraftfeldern. Daniel Steiger

Das BTU-Team um Projektleiter Martin Meier, Marcel Jongmanns, Markus Helbig und Vilko Ostmann reiste bereits Anfang September nach Bordeaux, um zwei eigens mit aufwendiger Technik bestückte Experimente für die Parabelflüge vorzubereiten. "Dass wir bei der diesjährigen Parabelflugkampagne insgesamt vier Flüge zur Verfügung haben, ist für uns ein großer Vorteil", freut sich Prof. Christoph Egbers.

Denn so könnten die Wissenschaftler in je zwei Flügen mit circa 60 Parabeln Vergleichswerte zu zwei unterschiedlichen Versuchsaufbauten sammeln. Beide Experimente sollen Aufschluss geben, wie sich der Wärmetransport optimieren lässt. Das ist zum einen für die strömungsmechanische Grundlagenforschung interessant, liefert aber auch Erkenntnisse für die Entwicklung effizienterer Wärmetauscher in unterschiedlichsten Bereichen.

Es ist die 30. Parabelflugkampag ne des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Lehrstuhl Aerodynamik und Strömungslehre von Prof. Egbers konnte sich zum siebten Mal einen Platz für die Durchführung von Experimenten im freien Fall sichern.

Der Airbus, mit dem die BTU-Forscher in der Luft sind, hat schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich: Er wurde am 24. Juni 1989 vom Flugzeughersteller Airbus an die DDR-Fluggesellschaft "Interflug" übergeben und bis 1991 als Linienflugzeug auch von Regierungsmitgliedern genutzt. Am 27. August 1991 ging das Flugzeug ins Eigentum der bundesdeutschen Luftwaffe über und war als VIP-Maschine "Konrad Adenauer" von 1993 bis 2011 für Reisen und Staatsbesuche von Bundeskanzlern und Bundesministern im Einsatz. Im Jahr 2015 baute die Lufthansa die Maschine zum Parabelflugzeug um.