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Schwere Suche nach dem richtigen Weg

Der Lkw-Verkehr belastet besonders die Gallinchener. Täglich rollen rund 1000 Lkw und 15 000 Pkw durch den Ortsteil im Süden.
Der Lkw-Verkehr belastet besonders die Gallinchener. Täglich rollen rund 1000 Lkw und 15 000 Pkw durch den Ortsteil im Süden. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die Stadt Cottbus legt ein Lkw-Leitsystem vor. Der Schwerverkehr soll auf Hauptrouten geführt werden. Doch für echte Problemzonen wie in Gallinchen gibt es keine Alternative. Dafür liegt ein Vorschlag für einen ruhigen Altmarkt vor. Peggy Kompalla

Die Experten des Dresdner Ingenieurbüros für Verkehrsanlagen und -systeme (Ivas) erwarten für Cottbus keine weitere Zunahme des Schwerlastverkehrs - mit Ausnahme auf der A 15. Die Autobahn ist bereits eine Entlastungsstraße auf der Ost-West-Route. Die Ingenieure haben den Verkehr analysiert und für die Stadt ein Lkw-Leitsystem vorgelegt. Das Konzept wurde am Dienstag erstmals im Umweltausschuss vorgestellt. Wie sich zeigte, gibt es Diskussionsbedarf. Unstrittig ist dagegen, dass das Verkehrsnetz in Cottbus Lücken aufweist.

Frank Zimmermann von Ivas erklärte den Grundgedanken: "Insgesamt soll mit dem Vorrangnetz eine Konzentration des Lkw-Verkehrs auf gut ausgebaute Hauptachsen erfolgen." Essenziell ist dabei die Ortsumfahrung im Osten, von der bislang nur der erste Abschnitt fertiggestellt ist. Der zweite bis zur A 15 wird geplant, der dritte von der A 15 zur B 97 steht in den Sternen. Das ist nicht nur für die Gallinchener im Süden problematisch, sondern auch für Dissenchen und Merzdorf. Laut Konzept sollten die Gewerbegebiete im Osten von Cottbus über die Ortsumfahrung angesteuert werden. Dabei sei eine Entlastung der zentralen Achse über die Dissenchener Straße, die Merzdorfer Bahnhofstraße und der künftigen Seestraße nötig - insbesondere mit Blick auf den Ostsee und den wachsenden Freizeitverkehr. Das ist laut Ivas am besten über die Werner-von-Siemens-Straße möglich. Allerdings fehlt der Trasse ein ganzes Stück bis zum Kreisverkehr Haasower Straße und damit die Verbindung zur Ortsumfahrung. Mit dem Lückenschluss und dem dritten Bauabschnitt der Ortsumfahrung wäre es dann möglich ein generelles Lkw-Durchfahrtsverbot durch die Innenstadt zu erlassen. Das wäre eine echte Entlastung.

Das Verkehrsaufkommen vom TIP-Gelände könne derzeit noch gut über die bestehende Route Nordring und Pappelallee abgefertigt werden. Bei weiterer Zunahme des Schwerlastverkehrs sei jedoch eine Anbindung zur A 15 außerhalb der Stadt ideal. Teil einer solchen Verbindung ist demnach die geplante Ortsumfahrung von Hänchen. Für den Anschluss des Verkehrs von Süden wird eine Verlagerung der Einfahrtsroute von der Madlower Haupt-, Dresdener- und Straße der Jugend auf die Thiemstraße vorgeschlagen. Im Wissen um das Krankenhaus als direkten Anlieger und den schlechten Zustand dieser Strecke erwarten die Ivas-Fachleute Debatten.

"Für Gallinchen gibt es keine Alternativen", gestand Frank Zimmermann. Damit ist auch künftig mit keiner Verringerung der Belastung zu rechnen. "Die bringt erst der dritte Bauabschnitt der Ortsumfahrung." Als kleine Abhilfe empfehlen die Experten eine Anpassung der Ampeln, sodass sich der Durchfahrtsverkehr bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h verstetigt.

Bei der Analyse der direkten Innenstadt kommen die Fachleute zu dem Schluss, dass ein Durchgangsverkehr nicht nötig ist, da die Gebiete in allen vier Himmelsrichtungen gut von außen erreichbar seien. Durchfahrtsverbote an der Berliner- und Jahnstraße (siehe Grafik) würden den Altmarkt autofrei halten - bis auf den Lieferverkehr. Andreas Rothe (SPD) gefällt der Vorschlag. Er sagte in Erinnerung an die Durchsetzung des Parkverbots auf dem Altmarkt: "Manchmal braucht es Mut." Er könne sich einen Test einen Sommer lang vorstellen. Wolfgang Bialas (CDU) warnte: "Das gab es schon einmal und das wurde wieder aufgegeben, weil sich der Verkehr nur in die Klosterstraße verlagerte." Das vorgelegte Konzept erweist sich als gutes Diskussionspapier.