| 02:33 Uhr

Schulterschluss zwischen Spree und Zentralafrika

Eine dreiköpfige Delegation aus Bayanga im Südwesten Zentralafrikas wurde von den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung Neuhausen und von Schülern der Grundschule Laubsdorf empfangen.
Eine dreiköpfige Delegation aus Bayanga im Südwesten Zentralafrikas wurde von den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung Neuhausen und von Schülern der Grundschule Laubsdorf empfangen. FOTO: Marion Hirche/jul1
Neuhausen. Die Gemeinde Neuhausen strebt mit Bayanga in Zentralafrika einen Partnerschaftsvertrag an. Bürgermeister Dieter Perko ist sicher: "Wir haben Vieles gemeinsam." jul1

Die Gemeinde Neuhausen ist derzeit Gastgeber einer dreiköpfigen Delegation aus Bayanga in Zentralafrika. Bayangas Bürgermeister Justin-Dieudonne Mobanza und Neuhausens Bürgermeister Dieter Perko werden am Dienstag eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnen. Neben Mobanza gehören auch der Delegationsleiter Patrice N'Gaipere und der Vertreter der nationalen Minderheit der Pygmänen, Richard Moundja, der Delegation an.

"Wir sind vor drei Jahren angesprochen worden, ob wir Interesse an einer Partnerschaft mit Bayanga hätten. Da war ich erst erstaunt, dann habe ich versprochen, das zu prüfen, denn es klang interessant", erklärte Dieter Perko bei der Begrüßung der dreiköpfigen Delegation. Die Gemeindevertreter stimmten damals dem Vorhaben zu. Seitdem haben sich die Neuhausener auf diese Partnerschaft vorbereitet und sich unter anderem in einem zweitägigen Kurs mit den Landesgepflogenheiten in Zentralafrika vertraut gemacht. "Da habe ich gelernt, dass man sich dort mit der Stirn begrüßt", erklärte Dieter Perko. Ganz offensichtlich haben sich die Gäste aber auch auf ihren Aufenthalt in Deutschland vorbereitet - bei der Ankunft schüttelten die Bürgermeister kräftig die Hände.

Für die Neuhausener ist diese Partnerschaft spannend: "Wir haben Vieles gemeinsam: ähnliche Territoriumsgröße, ähnliche Einwohnerzahl und wir haben Minderheiten in unserem Gebiet", erklärt Perko. Dabei gab es Hürden zu überwinden.

Da Zentralafrika in Deutschland keine Botschaft hat, waren nur mit Unterstützung der Kameruner Botschaft und der Umweltorganisation WWE Visa für die Gäste aus Bayanga zu bekommen.

Beim Empfang am Montag hatten die Lausitzer auch schon konkrete Vorstellungen über den Austausch mit Bayanga, einem Gebiet mit bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, wie Perko weiß. Kämpfe zwischen Christen und Muslimen seien an der Tagesordnung. Die dort lebenden Pygmäen gelten als nationale Minderheit. "Es ist also für Gesprächsstoff gesorgt", ist Perko überzeugt. "Da die Menschen sehr arm sind, werden wir sie bestimmt auch materiell unterstützen." In Bayanga gibt es aber auch ein Schutzgebiet für Tiere. Dort leben beispielsweise Waldelefanten und Flachlandgorilla.

Fünftklässler der Laubsdorfer Grundschule übernahmen am Montag die musikalische Begrüßung. Unter Leitung ihrer Musiklehrerin Heike Jäger trommelten sie unter anderem ihren bekannten Titel "Ob Schwarz oder weiß, wir sind alle gleich". Dabei erinnerten sich die Schüler an das Afrika-Projekt in ihrer Schule, das sie vor fünf Jahren als Erstklässler erlebten.

Auf dem Besuchsprogramm stehen bis Donnerstag Besuche in der Grundschule und in der Kita, in der Kirche Komptendorf, aber auch bei Landwirten in Koppatz, im Don-Bosco-Haus sowie im Museum in Dissen und im Spreewald.

Höhepunkt des Aufenthalts wird allerdings die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages in Neuhausen sein, zu der auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erwartet wird. Schon am ersten Tag betonte der Bürgermeister von Bayanga: "Wir fühlen uns hier sehr wohl."