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Therapiehund in Rente
Schulhund Crissans Altenteil

Gudrun Obst und Therapiehund  Crissan waren im Arbeitsleben ein perfektes Team. Und das sind sie heute noch. Jetzt aber sind die Mußestunden im Wohnzimmer häufiger geworden.
Gudrun Obst und Therapiehund Crissan waren im Arbeitsleben ein perfektes Team. Und das sind sie heute noch. Jetzt aber sind die Mußestunden im Wohnzimmer häufiger geworden. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Ex-Schulleiterin gibt Auskunft über den Alltag mit dem vierbeinigen Freund ihrer Schüler. Von Ulrike Elsner

Wo Gudrun Obst mit Crissan auftaucht, fliegen dem Golden-Retriever-Rüden die Sympathien nur so zu. Crissan hält mehrstündige Bildungsausschuss-Sitzungen durch, ohne einen Mucks von sich zu geben. Wenn Fremde Kontakt zu ihm aufnehmen, bleibt er freundlich und gelassen. Dieses Tier ruht in sich – eine Fähigkeit, um die ihn mancher Mensch beneidet.

Crissan ist ein Therapiehund, und er war viele Jahre lang ein Schulhund. „Jetzt sind wir beide im Ruhestand“, sagt Gudrun Obst mit Schalk im Blick und bringt ihr Gegenüber damit fast immer zum Schmunzeln.  Beide sind jetzt fast gleich alt, wenn es stimmt, dass ein Hundejahr sieben Menschenjahren entspricht. „Deutlich wird das auf jeden Fall an den gestiegenen Arzt- und Tierarztrechnungen“, sagt die langjährige Leiterin der Spreeschule, einer Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“. Gudrun Obst ist 67 Jahre alt.

Bis zu ihrem Ruhestand war sie mehr als 20 Jahre lang Direktorin der Spreeschule. Seit 2008 immer in Begleitung von Crissan. Vor ihm war Wime Gudrun Obsts Therapiehund. Nach dessen Tod hatten die Kinder immer wieder gefragt: „Wer macht jetzt mit uns Hundestunden?“ Der Schulleiterin war ganz schnell klar, dass es weitergehen musste.

Bei Margarete Weiler, einer anerkannten Kinderpsychotherapeutin im norddänischen Nors/Thisted  hat die Cottbuserin Crissan gefunden und dort auch mit ihm die Ausbildung absolviert. „Eine Top-Ausbildung“, sagt sie über das Institut für tiergestützte Therapie und Pädagogik Wikkegaard.

Was es mit den  berühmten Hundestunden auf sich hat, die sie mit Crissan noch ab und zu unter anderem in den Klassen ihrer Enkel in Braunschweig und  Erfurt abhält, beschreibt die pensionierte Sonderpädagogin so: „Im ersten Teil üben wir die Kommandos Sitz, Platz und Fuß. Im zweiten Teil wird ein theoretisches Thema behandelt wie Körpersprache, Anatomie des Hundes oder Hunderassen. Im dritten Teil darf mit dem Hund gespielt und gekuschelt werden.“

Die tägliche Arbeit mit den Kindern wäre für den betagten Vierbeiner  mittlerweile eine zu große Belastung. „Aber wenn ich die Hundeschultasche nehme, springt er noch immer auf“, sagt Gudrun Obst. Warum? „Weil es ihm Spaß macht, weil ich das möchte und weil er ein Leckerli erwartet.“

Gerade behinderten Kindern und Erwachsenen, aber auch psychisch oder chronisch Kranken bringe ein Therapiehund vielfältigen Nutzen.  Dazu gehören die Steigerung von Motivation und Selbstwertgefühl, die Förderung der motorischen und geistigen Fähigkeiten, die Verbesserung von Sprache und Kommunikation sowie der Abbau von Stress und Ängsten.

Auch wenn er  jetzt Rentner ist, ist Crissan mit Frauchen häufig unterwegs. „Wir haben nie Langeweile“, sagt Gudrun Obst. „Im Gegenteil, wie bei vielen Rentnern ist unsere Zeit oftmals knapp. Wir sind zwar nicht mehr im Amt, aber im Ehrenamt. Wir arbeiten beide im Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Cottbus.“ Doch sie genießen auch ihr Rentnerleben, schlafen früh eine Stunde länger als früher. „Crissan hat schnell gelernt, mir die Latschen erst um sieben zu bringen“, berichtet die Cottbuserin. „Nach dem Morgenspaziergang besteht er weiter darauf, die Zeitung nach oben zu tragen. Natürlich der Belohnung wegen.“