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| 15:34 Uhr

Humboldt-Gymnasium
„Schule ohne Rassismus“ wird in Stein gemeißelt

Die Stein-Idee hatten die Schüler der Gruppe „Schule ohne Rassismus“.
Die Stein-Idee hatten die Schüler der Gruppe „Schule ohne Rassismus“. FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Schon zwei Mal wurde den Schülern des Humboldt-Gymnasiums das Schild „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ gestohlen. Um den Dieben die Arbeit zu erschweren, wollen sie die Botschaft nun in schweren Stein eingravieren. Von Julian Münz

Nein, es war kein zu nahe gekommener Himmelskörper, der am Freitagvormittag über dem Pausenhof des Humboldt-Gymnasiums im Cottbuser Stadtteil Schmellwitz schwebte. Zwei große Kräne machten sich dort daran zu schaffen, einen 15 Tonnen schweren Findling auf das Schulgelände zu stellen. Verantwortlich für das Spektakel war die Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die ihre Botschaft in das schwere Stück meißeln und sich damit gegen rechte Straftaten wehren möchte.

Bevor aber mit den Feinarbeiten begonnen werden kann, musste der Stein zunächst einmal auf eine von Bäumen umgebene Grünfläche am Schulgelände gehievt werden. Wahrlich keine leichte Aufgabe für die freiwilligen Arbeitskräfte, die mit mehreren Fahrzeugen angerückt waren – schließlich sollte der Fünfzehntonner senkrecht stehen, um auf dessen flacher Seite das schulische Engagement gegen Rassismus eingravieren zu können. Erst nach mehr als eineinhalb Stunden konnte der Stein dann endlich – wenn auch noch auf wackligem Untergrund - am vorhergesehenen Ort platziert werden.

Doch so ungewöhnlich die Aktion erscheint, so bedenklich ist auch deren Hintergrund. Denn mit dem Eingravieren der Inschrift wehren sich die Schüler des Humboldt-Gymnasiums gegen Straftaten aus dem rechten Umfeld. 2011 hatte sich an der Europaschule eine Gruppe gebildet, die sich für Toleranz und Zivilcourage im Schulleben einsetzte und dafür den europaweit vergebenen Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhielt. Mit einer Plakette, die gut sichtbar am Schulgebäude angebracht wurde, präsentierte das Gymnasium seine Errungenschaft. Doch die Freude währte nur kurz: Unbekannte Täter stahlen das Schild im Jahr 2014 und hinterließen darüber hinaus rechte Propaganda auf dem Schulhof. Und das von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), dem Paten des Projekts, übergebene Ersatzschild wurde nach kurzer Zeit ebenfalls entwendet.

Doch in dieser Sache zurückstecken wollten die 22 Schüler der Projektgruppe natürlich nicht - und überlegten daher, wie man weitere Diebstahlversuche verhindern kann. Was Standhaftes brauche man, war man sich innerhalb der Projektgruppe einig und kam dabei auf die Idee, den Titel in einen Findling einzumeißeln. Mithilfe des Elternbeirats des Gymnasiums und der Leag, die den Stein zur Verfügung stellte, konnte das Projekt jetzt in die Tat umgesetzt werden. Das Eingravieren des Titels will die Gruppe ebenfalls bis zum Frühjahr durchführen.

Mit dem in Stein festgehaltenen Titel kann sich die Schule dann zumindest vor weiteren Diebstählen sicher fühlen: „Den Stein mit Farbbeuteln zu bewerfen oder zu sprengen, ist schon noch möglich“, so die Projektleiterin und Lehrerin Luisa Schmidt, „aber wer den Stein dann noch klaut – Hut ab.“