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Schulstreit
Große Pause für Kolkwitz

Kolkwitz/Cottbus/Burg. Trotz der Absage an die Gesamtschule hält die Gemeinde Kolkwitz am Projekt fest und spricht von Hinhaltetaktik. Von Peggy Kompalla

Die Nachricht hat eingeschlagen in Kolkwitz. Bei Bürgermeister Fritz Handrow (CDU) liegt auch Tage nach der Entscheidung aus Potsdam Bitterkeit auf der Zunge. „Seit vier Jahre kämpfen wir für die Gesamtschule und seither werden immer neue Hindernisgründe dafür gefunden“, beklagt er. Die Gemeinde habe alle mit Argumenten widerlegen können. Brandenburgs dienstältester Bürgermeister hält nicht hinterm Berg: „Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass da etwas im Hintergrund abläuft.“

Das Land Brandenburg habe schlicht kein Interesse an einer weiteren Schule. Deshalb werde die Gemeinde seit Jahren von Potsdam hingehalten. Aber auch in Forst: „Wer macht hier Tempo?“, fragt Fritz Handrow. „Die Beschlussvorlagen liegen seit zwei Jahren bei der Kreisverwaltung. Dort geht es offenbar zu wie im Spukschloss im Spessart.“ Dieser Vorwurf richtet sich direkt an Hermann Kostrewa (SPD), dem ersten Beigeordneten des Landkreises Spree-Neiße und Chef des Bildungsdezernats. Das SPD-geführte Brandenburger Bildungsministerium begründete seine Ablehnung der Gesamtschule zum nächsten Schuljahr unter anderem mit einer nicht angemessenen Eile.

Fritz Handrow beharrt darauf: „Mit den Kindern aus Drebkau und Kolkwitz können wir die Gesamtschule mit vier siebenten Klassen beginnen.“ Entsprechende Zahlen habe die Gemeinde vorgelegt. „Doch plötzlich hieß es vom Kreis, dass die Schule fünfzügig sein soll“, sagt Handrow. „Warum? Darauf gibt es bislang keine Antwort.“

Die Kolkwitzer Schulpläne verstimmen die Nachbarn – nicht nur in Cottbus, sondern auch in Burg. Die Cottbuser Bildungsdezernentin Maren Diekmann (parteilos) freut sich vor allem über die Zustimmung für eine neue Oberschule in Schmellwitz. „Damit können weitere und dringend benötigte Kapazitäten an der Oberschule einschließlich der geplanten Förderklassen geschaffen werden.“ Diplomatisch heißt es von ihr weiter, dass die Stadt wie in den zurückliegenden Jahren bereit sei, über gemeinsame Ansätze in der Schulentwicklungsplanung mit Spree-Neiße zu reden. „Das ist über viele Jahre bewährte Praxis.“

Die Burger Amtsdirektorin Petra Krautz (parteilos) erklärt: „Natürlich sind wir froh über die Entscheidung des Bildungsministeriums. Doch wir wissen auch, dass der Landkreis das Projekt Gesamtschule Kolkwitz damit nicht ad acta legen wird. Dennoch haben wir nach wie vor unsere Zweifel an den prognostizierten Schülerzahlen, zumal sich auch Drebkau und Welzow ablehnend zeigen.“ Das Amt werde weiter in seinen Schulstandort investieren. Das Schulzentrum in Burg mit Grund- und Oberschule ist auf die Schüler aus dem Umland angewiesen. Die Schule verlor selbst im Jahr 2010 ihre gymnasiale Oberstufe und damit den Status als Gesamtschule.

Den Burger Schulstandort wollte Kolkwitz gemeinsam mit Drebkau stärken, betont Fritz Handrow. Doch die Spreewälder konnten vor zwei Jahren nicht von einem gemeinsamen Schulverband überzeugt werden. „So hätten wir zwei Oberschul-Züge in Burg sichern können“, erklärt der Bürgermeister und schiebt nach: „Auf diese Weise hätten wir die wenigsten Probleme.“

Mit dem Nein aus Potsdam ist für Fritz Handrow, der in acht Wochen in den Ruhestand geht, der Kampf für eine Gesamtschule in Kolkwitz nicht beendet. „Die Kinder aus Drebkau und Kolkwitz waren jahrelang nur Füllkörper für andere Schulen, um dort Lücken zu schließen. So können wir unsere Jugend nicht behandeln.“ Zudem stehe der Kreistagsbeschluss vom Dezember, der sich für die Gesamtschule Kolkwitz ausspricht. Die Nein-Stimmen kamen geschlossen von der SPD-Fraktion, die sich zwar für eine Gesamtschule  im Landkreis, aber eben nicht in Kolkwitz aussprach.

Mit dem Kreistagsbeschluss im Rücken ist für die Kolkwitzer klar, dass es für das Schuljahr 2019/20 einen neuen Anlauf für die Gesamtschule geben wird. Das betont Fritz Handrow. Sein Nachfolger im Amt, Karsten Schreiber (SPD), habe im Wahlkampf seine Unterstützung für das Projekt versichert. Gerd Bzdak von der Kolkwitzer Elterninitiative erinnert Staatssekretär Thomas Drescher im Brandenburger Bildungsministerium in einem offenen Brief an alte Versprechen: „Unsere Gesamtschule soll nach dem Willen der Eltern eine berufspraktische Orientierung erhalten. Sicher deshalb haben 47 ansässige Unternehmen und über 70 Vereine ihre Unterstützung bereits im Jahr 2015 signalisiert. Insofern bitte ich Sie, ihre Versprechen in die Tat umzusetzen und mitzuhelfen, damit die Bildungschancengleichheit unserer Kinder wenigstens 2019 realisiert wird.“

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