Mit einem Zuwachs von vier neuen Schülern und einem Lehrer würde die Förderschule für Geistigbehinderte im Spremberger Wiesenweg von der Schließung in Kolkwitz profitieren. Doch das reicht längst nicht, um die Sorgen der Spremberger Sonderpädagogen um den Erhalt ihrer Einrichtung zu zerstreuen. Es fehle an jüngeren Schülern, man habe derzeit nicht ausreichend Potenzial, um eine Schuleingangsklasse zu bilden, erklärte Birgit Neudecker den Ausschuss-Mitgliedern. Wenn man es genau betrachte, laufe es auch hier auf absehbare Zeit auf eine Schulschließung hinaus.
Die Lage sehe allerdings für die Förderschule in Guben nicht viel besser, sondern sogar noch „desaströser“ aus, erklärte Ausschuss-Mitglied Dr. Dietmar Rittel (GUB-SPN). Einzig die Förderschule für Geistigbehinderte in Forst habe noch stabile Schülerzahlen, weil sie als Einzige eine Internatsunterbringung anbieten kann - interessant für Eltern, die ihren Kindern die weite Taxi-Anfahrt zur Schule in Spremberg oder Guben nicht mehr zumuten möchten.
Dass es mit zunehmend weniger jüngeren Schülern und zunehmend mehr älteren, die erst spät von den allgemeinen Förderschulen herüberwechseln, schwer werden würde und über neue Strukturen nachgedacht werden muss, war für die Spremberger Sonderpädagogen absehbar. Birgit Neudecker schilderte am Donnerstagabend die vielen Versuche, zu einer Kooperation mit einer anderen Grundschule in Spremberg zu kommen.
Es habe dabei sogar gute Anfänge mit gemeinsamen Unterrichtsstunden gegeben - so zum Beispiel an der Kollerbergschule - aber letztlich hätte es weder von der Stadt, noch vom Kreis und zum Teil auch von der beteiligten Lehrerschaft der anderen Schulen keine sehr große Unterstützung gegeben.
Nach wie vor ist Birgit Neudecker der Meinung, dass von einer Kooperation zwischen Grundschule und Geistigbehindertenschule beide Seiten profitieren können - die Förderschule habe dabei das sonderpädagogische Potenzial einzubringen und die Chance, durch gemeinsames Lernen mit behinderten Kindern früh Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.
Die Leiterin des Schulverwaltungsamtes, Irene Richter, betonte, dass von etwaigen weiteren Schließungen bei den Förderschulen im Landkreis bislang noch keine Rede sein könne: „Wir vom Kreis sind nach wie vor daran interessiert und bleiben mit allen Mitteln dabei, dass die Förderschulen an den Standorten, wo wir sie heute haben, bestehen bleiben können.“ Allerdings könne man zum Beispiel, was mögliche Kooperationen mit anderen Schulen betrifft, im Moment keinen Lösungsvorschlag anbieten.
Dietmar Rittel regte für den Fall, dass die Lage der Förderschulen für Geistigbehinderte sich zuspitzen sollte, schlimmsten Fall nicht an eine komplette Aufgabe von Standorten zu denken, sondern über einen Hauptstandort Forst mit Dependancen in Guben und Spremberg nachzudenken. Er halte es für falsch so gute räumliche und pädagogische Bedingungen, wie sie für die Förderschüler in Guben und Spremberg geschaffen worden seien, einfach aufzugeben.