ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:12 Uhr

Knifflige Aufgaben aus dem Straßenverkehr
Schülerlotsen stellen sich der Prüfung

 Der Schülerlotsenwettbewerb fand am Sonnabend in Cottbus statt.
Der Schülerlotsenwettbewerb fand am Sonnabend in Cottbus statt. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Beim brandenburgischen Wettbewerb haben erstmals drei Mädchen gewonnen, die eine gemeinsame Schulklasse besuchen. Sie stammen aus Cottbus. Insgesamt nahmen 22 Mädchen und Jungen teil. Von Rene Wappler

Francis Kindt liegt reglos auf der Wiese. Zwei Mädchen leisten Erste Hilfe am Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes. Seine Kollegin Diana Schulze fragt: „Atmet er?“

Die elfjährige Sarah sagt: „Ja.“

Diana Schulze hakt nach: „Was machen wir jetzt?“

Leonie, ebenfalls elf Jahre alt, schlägt vor: „Stabile Seitenlage.“

Die Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes nickt.

Prüfung in sechs Kategorien

Sonnabend, kurz nach 10 Uhr. 22 Kinder aus dem ganzen Land Brandenburg stellen sich auf dem Gelände von Cottbusverkehr in Neu Schmellwitz dem Wettbewerb der Schülerlotsen. In sechs Kategorien treten sie an. So schätzen sie das Tempo von Autos und Motorrädern. Auch die Erste Hilfe zählt zu den Gebieten, auf denen sie sich auskennen sollten.

Der Cottbuser Ordnungsdezernent Thomas Bergner sagt: „Seitdem es die Schülerlotsen in der Stadt gibt, hat sich kein Schulwegunfall mehr ereignet, wo sie im Einsatz waren.“ Derzeit kümmern sie sich an zwei Standorten um die Sicherheit ihrer Mitschüler. So stehen sie in der Drebkauer Straße und in der Muskauer Straße.

Der Vorsitzende der Verkehrswacht, Manuel Helbig, erklärt: „Wir prüfen derzeit, ob sich in Sielow und in Neu Schmellwitz weitere Schülerlotsendienste einrichten lassen.“

Gefährliche Wege

Als Stadtteilmanagerin arbeitet Karin Kühl in Schmellwitz. „Wir halten den Übergang an der Marjana-Domaskojc-Straße für recht gefährlich“, sagt sie. „Deshalb plädieren wir dafür, an der benachbarten Schule einen Lotsendienst einzurichten.“

An der Zufahrt zum Gelände von Cottbusverkehr betreut Wilfried Mohaupt die Kinder, die am Wettbewerb der Schülerlotsen teilnehmen. Er betrieb einst eine Fahrschule. An diesem Sonnabend lässt er die Kinder schätzen, wie schnell ein Auto und ein Motorrad an ihnen vorbeifahren. Aus gutem Grund haben die Prüfer diese beiden Fahrzeuge ausgesucht. Denn da ein Motorrad mehr Krach macht, schätzen viele Leute sein Tempo höher ein als das eines Autos.

„So, bitte hierher“, ruft Wilfried Mohaupt den Schülern zu. Sie stellen sich an den Straßenrand. In den Händen halten sie Stift und Zettel. Bevor das Auto aus einer Entfernung von knapp 100 Metern startet, fragt ein Junge: „Die fahren aber gleich schnell?“

Wilfried Mohaupt erwidert: „Genau das sollt ihr ja schätzen.“

Das Auto fährt los, an den Schülern vorbei, und der frühere Fahrlehrer sagt: „So, jetzt schreibt ihr eure Geheimzahl auf, möglichst verdeckt, damit sie die anderen nicht sehen können.“

Ein Mädchen schätzt das Tempo des Autos auf 45 km/h. Ein Junge geht wiederum von 50 km/h aus. Er liegt richtig, wie sich später bei der Auflösung herausstellen wird.

Bewusst Fehler eingebaut

Jährlich werden im Land Brandenburg ungefähr 200 neue Schülerlotsen ausgebildet. Das berichtet der Präsident der Landesverkehrswacht, Rainer Genilke. Insgesamt gibt es 550 Schülerlotsen im Land, 86 von ihnen in Cottbus.

Als Mitglied der Verkehrswacht ist der elfjährige Joel aus Cottbus beim Wettbewerb im Einsatz. Gemeinsam mit dem zehnjährigen Jan soll er die Aufgaben eines Schülerlotsen simulieren und dabei bewusst Fehler einbauen. Der Cottbuser Vorsitzende der Verkehrswacht, Manuel Helbig, erklärt den Teilnehmern: „Ihr müsst herausfinden, was sie falsch machen.“

Erst später werden Joel und Jan das Rätsel auflösen. So tragen sie Westen mit der Aufschrift „Feuerwehr Cottbus“, obwohl „Verkehrshelfer“ korrekt wäre. Die Kellen halten sie in der linken Hand, was ebenfalls als Fehler gilt. Außerdem fahren die Autos auf der falschen Seite.

Überraschendes Ergebnis

Zwei Stunden lang dauert die Prüfung, zu der sich die Kinder auf dem Gelände von Cottbusverkehr eingefunden haben. Gegen Mittag erfahren sie, wer in diesem Jahr am besten abgeschnitten hat. Die ersten drei Plätze gehen an Mädchen aus Cottbus, die alle in der gleichen Klasse der sportbetonten Grundschule lernen und elf Jahre alt sind. Als Siegerin kürt der Veranstalter Floriane Herfurth. Den zweiten Rang erklimmt Carlotta Peters. Auf dem dritten Platz findet sich Sarah Marie Wiezorrek ein.

Manuel Helbig von der Verkehrswacht sagt zum Ergebnis: „Das hatten wir auch noch nicht, drei Mädchen aus einer Klasse.“ Damit steht fest, dass der Wettbewerb der Schülerlotsen im nächsten Jahr erneut in Cottbus stattfinden wird. Denn als Austragungsort gilt stets die Stadt, aus der die die Sieger stammen.