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Schüler präsentieren ihre Statistik zu Geisterradlern

André Schwella zeigt den Siebtklässlern der Fontane-Schule die Schablone für das Piktogramm gegen Geisterradler.
André Schwella zeigt den Siebtklässlern der Fontane-Schule die Schablone für das Piktogramm gegen Geisterradler. FOTO: Katrin Lück
Cottbus. Schüler der Theodor-Fontane-Gesamtschule unterstützen die Polizei und das Cottbuser Ordnungsamt in Aktionen gegen Geisterradler. Bei neuen Zählungen am Bahnhofsberg lag die Geisterradler-Quote bei 31 Prozent. Annett Igel-Allzeit

Im Frühjahr, wenn die neue Fahrradsaison beginnt, soll das Piktogramm vom Gespenst, das in die falsche Richtung saust, wieder auf mehrere Radwege in und um Cottbus gesprüht werden. "Wenn 31 Prozent der Fahrradfahrer auf einem Radweg in die falsche Richtung unterwegs sind, ist das auch für uns erschreckend hoch", sagt Manuel Helbig von der Cottbuser Straßenverkehrsbehörde, "zumal diese Quote ja im Vergleich zu unserer ersten Untersuchung gestiegen ist." Überraschend für die Schüler war, dass an diesem kalten Novembertage, an dem sie mit der Polizei zusammen Geisterradler zählten, noch nicht einmal Fahrradwetter war. "Es waren also Radler unterwegs, die tagtäglich fahren", sagt Katrin Lück, die Klassenlehrerin der 7 b. Polizeioberkommissar André Schwella und seine Kollegen hatten mit den Mädchen und Jungen beiderseits des Bahnhofsberges auch Geisterradler gestoppt und sie nach dem Grund ihres Falschfahrens gefragt. Mal sprachen die Gestoppten von Bequemlichkeit, mal von Unwissenheit. Ein älterer Herr gab an, sich wegen der Baustelle am Stadtring für die falsche Seite entschieden zu haben. Dass ein Radler wütend weitersauste, eine Radlerin schimpfte "Als ob wir keine anderen Probleme hätten", wunderte die 14- und 13-Jährigen. Immerhin blieb den Geisterradlern durch ihre Aktion das Bußgeld von 20 Euro erspart, wenn sie den Schülern Rede und Antwort standen.

Nach der Zählung haben die Siebtklässler Plakate entwickelt, Vorträge gehalten, eine Power-Point-Präsentation gezeigt. Eine Gruppe hat sogar einen Dialog zum Problem geführt, lobte Katrin Lück. Alle Ergebnisse hat Manuel Helbig mit ins Rathaus genommen. "Um auf das Problem der Geisterradler weiterhin aufmerksam zu machen, werden wir mit den Schülern im Frühjahr wieder an der Bahnhofsbrücke den Geist auf den Radweg sprühen." Und es werde weitere Kontrollen der Stadt und des Ordnungsamtes geben, kündigt Manuel Helbig an. "Die Kids haben wir gebeten, die Wirkung des Symbols und der Kontrollen danach erneut zu untersuchen."

André Schwella und seinen Kollegen hat die Zusammenarbeit mit den Schülern durchaus Spaß gemacht - auch wenn immer mal wieder um etwas mehr Disziplin gebeten werden musste. "Aber die Altersgruppe ist gut geeignet für diese Aufgabe. Meist begegnen uns die Schüler ja in der 3. oder 4. Klasse, wenn sie ihre Fahrradprüfungen ablegen wollen. In Klasse 9 haben sie andere Probleme und sind nicht mehr so zugänglich, aber Siebtklässler sind selbst schon viel mit dem Fahrrad unterwegs und hören noch gut zu. Deshalb wollen wir das Projekt auch anderen Schulen anbieten. Nebenbei frischen wir bei den Kindern die Verkehrsregeln auf", so Schwella.

Und fächerübergreifend sei das Projekt allemal, so Katrin Lück: "In Mathematik stecken wir gerade mitten im Prozentrechnen. Aus den fleißig gezählten Fällen eine Quote errechnen zu müssen, war eine gute Übung." Davon will sie auch Kollegen berichten. Gefreut hat sich die Lehrerin, dass die Schüler kreativ wurden und Fußgänger ansprachen. Falschgeher - Passanten, die mit Hund auf dem Radweg liefen - gab es nämlich im Zählzeitraum auch.

Schulen, die Interesse am Projekt haben, können sich in der Präventionsabteilung der Polizeidirektion Süd in Cottbus melden. Schwella und Helbig hoffen auf weitere Schwerpunkte - in Bezug auf Geisterradler und andere Straßenverkehrsprobleme. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub stellt fest, dass viele Radfahrer selbst Unfälle verursachen. Unfallursache Nummer eins in diesen Fällen sei seit Jahren die Nutzung der falschen Straßenseite. Als Manuel Helbig 2014 nach einer Statistik für Cottbus feststellte, dass 20 Prozent der Unfälle mit Radfahrern auf das Konto von Geisterradlern gehen, startete er mit der Polizei die Aktion. Auch im Spree-Neiße-Kreis wurde das Piktogramm auf Radwege gesprüht.

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