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Kunst & Kultur
Kunstvolle Tage in Cottbus

Am Stand des Mia-Mädchen-Projekts wurde aus alten Dingen Neues. Auch das kann Kunst sein.
Am Stand des Mia-Mädchen-Projekts wurde aus alten Dingen Neues. Auch das kann Kunst sein. FOTO: Isabel Damme
Cottbus. Ein Wochenende voller Musik, Tanz, Malerei und anderen kreativen Kunstformen liegt hinter Cottbus. Von Isabel Damme

In der Kammerbühne präsentierten 54 junge Künstler und Künstlergruppen ihre Talente bei den 22. Cottbuser Schüler-Kunst-Tagen (SKT) und träumten vom begehrten Pegasus Preis.

Pegasus-Verleihung in der Kammerbühne FOTO:

Gemeinsam mit Bianca Noack vom Juks e.V. und Nadine Tiedge, Theaterpädagogin am Staatstheater, arbeiteten junge Leute die vergangenen vier Monate daran, das Beste aus 22 Jahren „SKT” mit neuen Ideen zu einem Theater-Musik-Tanz-Kunst-Festival zu verstricken. Nach der langen Arbeit zeigt sich Nadine Tiedge sehr zufrieden. „Viele junge Menschen kommen zusammen und entdecken über die Kunst einen Austausch und vielleicht sogar neue Freundschaften.“

Am Abend kommen die Dragonflies mit breitem Grinsen von der Bühne. Die Tanzgruppe, bestehend aus Ellen Hoffmann (12), Lorelei Krautz (11), Marietta Schwietzer (10) und Florentine Krautz (7) präsentierte ihre monatelang erarbeitete Choreografie zum Titel „Just Like Fire“ von P!nk. „Ich bin immer noch ein bisschen aufgeregt“, gesteht Florentine, die jüngste Tänzerin. Die Freundinnen übten seit Oktober mit Mutti Josefine Krautz im Wohnzimmer. Zu Beginn war es eine fixe Idee: „Wir tanzen alle sehr gern und wollten mal gemeinsam eine eigene Choreo ausprobieren“, erklärt Lorelei. Die Anmeldung für die Schüler-Kunst-Tage kam erst später. Geschminkt wie die Hauptfiguren aus Alice im Wunderland, entführten die jungen Tänzerinnen ihr Publikum in eine zauberhafte Welt. Als am selben Abend die Bewertung der Jury kommt, sind sie glücklich. „Jetzt können wir mit einem ruhigen Gefühl schlafen, ohne ständig Vermutungen über unsere Leistung anzustellen“, sagt Ellen Hoffmann.

Die 18-jährige Lisa Nguyen reflektiert über ihren Auftritt. „Es geht immer irgendwo noch ein bisschen besser“, erklärt die Tänzerin. Lisa tanzt seit knapp zwei Jahren im Tanzhaus Senftenberg. Sie liebt es, wenn sie über das Parkett tanzen darf. „Dabei kann man immer wieder in eine andere Rolle schlüpfen und alles aus sich rauslassen.“

Die sechsköpfige Tanzgruppe „Junique“ will mit der Verbindung von modernem und folkloristischem Tanzstile etwas Neues schaffen. Inspiriert vom Titel „Nancy Malligan” von Ed Sheeran zeigen die Mädchen ihrem Publikum tanzend die Liebesgeschichte seiner Großeltern. „Wir haben jeder einige Ideen für die Choreografie entwickelt“, erklärt Celine Dubian (18). Gemeinsam mit Annbritt Kießling (13), Tabea Schötz (18), Hanka Zöllner (19), Sina Guttke (13) und Eva Heimann (12) wird einmal wöchentlich im Reha-Zentrum Burg trainiert. Tanzlehrerin Franziska Zöllner ist stolz auf ihre Mädchen. „Wir dachten sehr lange, dass die SKT im Mai wären. Als es dann auf einmal im März im Kalender stand, mussten wir uns sputen.“ Für Hanka Zöllner war der Tag gleich doppelt besonders, denn sie feierte ihren 19. Geburtstag auf der Bühne. Dass sie müde vom Reinfeiern ist, hat ihr während der Show niemand angesehen. „Das ist mal was ganz anderes als Geburtstagskaffee zuhause.“

Die größte Gruppe des Wettbewerbs ist der Steenbeck–Pop-Chor, bestehend aus 37 Schülern im Alter von 10 bis 18 Jahren. Der 21-jährige Chorleiter Felix Theuner ist überglücklich nach dem Auftritt. „Sie haben sich alle selbst übertroffen.“ Obwohl er die Songs aus Rock- und Pop-Musik schon tausendmal gehört hat, bekam er Gänsehaut. Die Gruppe musiziert seit zwei Jahren. „In den letzten Wochen haben wir viele Mittagspausen für Zusatzproben geopfert“, erzählt Anneke Nowka (14). Durch die Proben haben sich viele neue Freundschaften außerhalb des Klassenverbandes gebildet. „Musikerherzen schlagen übereinander, egal wie alt sie sind“, erklärt Elise Wolf.

Neben den zahlreichen Musik-, Tanz- und Theateraufführungen wurden auch 22 Bilder ausgestellt. Die zehnjährige Annie Broschinski präsentiert stolz ihr Acryl mit dem Titel „Lets Sing and Dance“. Auf dem Bild sieht man ihre Fantasiefiguren Funny und Bonette, denen sie bisher viele Gemälde gewidmet hat. Die Schülerin malt, seitdem sie einen Stift in der Hand halten kann. „Ich bin glücklich, wenn ich mein Bild hier in der Ausstellung hängen sehe, habe aber auch ein wenig Angst vor der Bewertung.“ In der Jury für Tanz und bildende Kunst sitzt der Leiter des Cottbuser Ballettensemble, Dirk Neumann. Seine Entscheidung basiert am Ende nicht auf einer Punktzahl, sondern ist zu 50% eine Bauchentscheidung. „Die Technik und auch die Hintergründe fließen mit ein.“ Für ihn ist es wichtig, dass den Kindern direkt nach ihrem Auftritt ein kurzes Feedback gegeben wird. „Sie sollen hier nicht nur präsentieren, sondern in erster Linie auch etwas Lernen. Wenn man weiß wo die eigenen Fehler liegen, ist das die beste Hilfestellung.“

Alle Besucher des Festivals konnten bei zahlreichen Mitmach-Aktionen und Workshops selbst aktiv werden. So organisierte beispielsweise das Mia-Mädchenprojekt eine Upcycling-Station. Aus benutzten Alltagsgegenständen konnte hier moderner Schmuck hergestellt werden. „Wir wollen mit unserem Projekt den Kunstbegriff erweitern“, erklärt Marleen Berg. Die Stifte des klassischen Kunstbegriffes wurden so bearbeitet, dass etwas völlig Neues entsteht – Ohrringe beispielsweise.

Sebastian Schiller hatte als Moderator das Vergnügen, alle Beiträge zu bestaunen. „Dieses Jahr ist die Qualität an Beiträgen unglaublich gut. Man kann die Energie der Schüler förmlich spüren.“ Er selbst gründete im Jahr 2004 eine eigene Band und war in der vielfältigen Jugendkulturszene unterwegs. „Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass die Jugendkultur ausgestorben ist.“ Er sah, wie sich viele Bands und Kunstgruppen auflösten. Während des Festivals sah er, wie die Schüler wieder aktiv wurden. „Zu sehen, wie die Kinder Spaß an ihrer Kultur haben, dass ist am besten.“

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