ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:19 Uhr

Kundgebung in der Cottbuser Innenstadt
Schüler-Demo für Klimaschutz

 Im Cottbuser Stadtzentrum haben am Freitag ungefähr 200 Schüler für den Klimaschutz demonstriert. Ihnen schlossen sich auch Erwachsene an.
Im Cottbuser Stadtzentrum haben am Freitag ungefähr 200 Schüler für den Klimaschutz demonstriert. Ihnen schlossen sich auch Erwachsene an. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Ungefähr 200 Jugendliche haben sich in Cottbus der Aktion „Fridays for future“ angeschlossen.

Rainer Thiele erinnert sich an die Tage seiner Jugend. Mit seinem Fahrrad steht er um 13 Uhr am Freitag neben dem Eingang des Buchladens. Er schaut hinüber zu den Schülern, die sich mit ihren Plakaten vor dem Stadtbrunnen versammeln. „Papa? Was ist ein Baum?“, steht auf dem Transparent eines Mädchens. Drei Jugendliche halten ein Plakat mit der Aufschrift „Sinn statt Konsum“ in die Höhe. In englischer Sprache warnt ein weiterer Schriftzug „There is no planet B“.

Rainer Thiele hat nach eigenem Bekunden 40 Jahre lang in der Braunkohle gearbeitet. Jetzt, mit 67 Jahren, ist er Rentner. Für ihn gehört es nun mal zur Jugend, „ein bisschen revolutionär“ zu sein. Zugleich fragt er sich, ob sich der Klimawandel durch Schulschwänzen und Kundgebungen dieser Art aufhalten lässt.

Ebenfalls seit Langem dem Schulalter entwachsen ist Erhard Wünsch. Der 75-jährige Cottbuser zählt zu den Menschen, die stehenbleiben und den Demonstranten zusehen. „Ich sympathisiere mit ihnen, weil Mutter Erde immer mehr ausgebeutet wird“, sagt er. „Die jungen Leute wollen völlig zu Recht noch einen Platz zum Leben in der Welt haben, wenn sie erwachsen sind.“

Auf die Bühne tritt Mira, eine Schülerin vom Niedersorbischen Gymnasium. „Cottbus ist nun endlich und erstmals auch ein Teil des Protests“, ruft sie. „Lasst uns gemeinsam für den Planeten demonstrieren.“ Zu einer richtigen Demo gehören nach ihren Worten nun mal auch Parolen. Also skandiert sie: „Say it loud, say it clear, Klimaschutz jetzt und hier.“

Ein weiterer Redner begibt sich ans Mikrofon. Der 16-jährige Konstantin vom Max-Steenbeck-Gymnasium sagt: „Über Jahrzehnte hinweg haben Politiker versprochen, die Probleme anzugehen, aber diese Versprechen am Ende nicht gehalten.“ Den geplanten Kohleausstieg im Jahr 2038 bezeichnet er als „eine Farce“. Spätestens im 2030 müsse es so weit sein, sagt Konstantin unter dem Beifall der Jugendlichen. Die Konzerne hätten zugleich „die Verantwortung für den vorzeitigen Kohleausstieg“ zu tragen, fordert er.

Mit einer kurzen Ansprache wendet sich die 15-jährige Lili ans Publikum, die ebenfalls am Max-Steenbeck-Gymnasium lernt. Sie bezieht sich auf Zuschauer vom Cottbuser Bürgertreff „Mühle“, der dem Verein „Zukunft Heimat“ nahesteht. „Sie haben hier nichts zu suchen“, ruft sie ihnen unter dem Applaus der Schüler zu.

Anderen Gästen gegenüber zeigen sich die Jugendlichen aufgeschlossen. Eine Gruppe Erwachsener gesellt sich zu ihnen. Auf ihrem Plakat steht: „Es geht auch mit Kohlekraft, aber das ist dann halt dreckig.“ Der 43-jährige Peter Schmatloch erläutert: „Wir unterstützen den Protest der Schüler.“ Die 52-jährige Sabine Ziege fürchtet, dass die Jugendlichen nicht genug Gehör finden: „Die Politik lässt sich von Branchen der Wirtschaft bedrängen, nur um sie am Leben zu erhalten.“ Zur Gruppe gehört auch der 31-jährige Ben Smalla. „Normalerweise hätte man schon vor 20 Jahren mit diesem Protest anfangen können“, sagt er. „Es wird Zeit, dass gesellschaftlicher Druck von unten kommt.“

Auf diesen Druck hofft auch der Schüler Niklas, der sich auf die Bühne begibt. „Noch nie zuvor hat es eine Spezies geschafft, das Gleichgewicht der Natur aus der Fassung zu bringen“, sagt er. „Wir wollen unsere Macht für die Umwelt nutzen.“

Das ist der Moment, in dem beim Rentner Rainer Thiele das Verständnis für revolutionäre Neigungen an seine Grenzen stößt. „Das Leben war doch schon immer von Klimakatas­trophen bedroht“, sagt er, allerdings zu weit entfernt vom Redner, als dass dieser ihn hören könnte. Rainer Thiele trägt sich mit einem anderen Vorschlag, der in seinen Augen mehr bewirkt als eine Demonstration im Cottbuser Stadtzentrum: „Bäume pflanzen.“