ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:50 Uhr

Schorbus
Schorbus hat auch ohne Schule seinen berühmten Lehrer wieder

Zur Einweihung der Büste kamen am Sonnabend sieben Nachfahren von Christian Schwela aus der ganzen Welt nach Schorbus
Zur Einweihung der Büste kamen am Sonnabend sieben Nachfahren von Christian Schwela aus der ganzen Welt nach Schorbus FOTO: Marion Hirche
Schorbus . Büste von Christian Schwela wurde am Sonnabend am alten Ambulatorium eingeweiht.

Der Drebkauer Ortsteil Schorbus hat auch ohne Schule seinen berühmten Lehrer wieder. Am Sonnabend wurde auf dem gerade frisch begrünten Platz an der Dorf­eiche am alten Ambulatorium eine Büste von Christian Schwela eingeweiht. Von 1866 bis 1910 war der Vater des bekannten wendischen Pfarrers Gotthold Schwela Lehrer in Schorbus. Mit 74 Jahren verließ er den heutigen Drebkauer Ortsteil, arbeitete bis zu seinem Tod im Januar 1922 in Cottbus. In den 44 Jahren seiner Lehrerschaft in Schorbus bewegte Kito Swjela, wie er in seiner wendischen Muttersprache heißt, so viel wie kein anderer. Er schaffte es, dass die Schüler nach drei Jahren strengen Verbots der wendischen Sprache in der Schule, wieder anfingen, in ihrer Muttersprache zu kommunizieren.

Kito selbst unterrichtete in Wendisch. Nicht nur dadurch, sondern auch durch seinen unermüdlichen Einsatz als Redakteur für den „Bramborski Casnik“ wurde er zu einem der wichtigsten Säulen der sorbisch-wendischen Sprache und Kultur. Noch heute gibt es diese Zeitung. Heute heißt sie „Nowy Casnik“ und ist mit 170 Jahren die älteste Zeitung unserer Region.

In der 2016 erschienen Chronik von Schorbus erfährt der Leser, dass Christian Schwela auch den Obstbaumanbau und die Rosenzucht in Schorbus salonfähig machte. Geschrieben wurde das Buch von Regina und Dietmar Schulze. Die beiden Schorbuser veröffentlichten ihre Chronik im 790. Jahr der Ersterwähnung von Schorbus 2016. Damals regten sie eine Würdigung des langjährigen Schorbusser Lehrers an. Beim damaligen Ortsbeirat, Paul Köhne, Frank Schätz und Klaus Sobek, fanden sie offene Ohren. Förderer des Projekts wurden mehrere sorbische Institutionen, auch Privatpersonen. „Es ist schon etwas Außergewöhnliches, wenn ein Sorbe hier im Dorf, wo nicht mehr so oft an die slawischen Wurzeln des Ortes erinnert wird, so gewürdigt wird. Das ist das schon ein besonderer Moment. Es ist wichtig, dass man sich an die Wurzeln erinnert und wenn das wie hier von den Leuten selbst kommt, ist das umso bedeutungsvoller“, sagte der stellvertretende Domwina-Geschäftsführer Marcus Koinzer in seinem Grußwort bei der Denkmalseinweihung. Dr. Hartmut S. Leipner, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der wendischen Sprache in der Kirche, erwähnte die 38 Lieder von Christian Schwela, die im Gesangsbuch verzeichnet sind, betonte aber auch seine Bedeutung als Mitbegründer der „Masica Serbska“ 1880, der Gesellschaft zur Förderung sorbischer Wissenschaft und der Verbreitung von Kenntnissen über die Sorben und ihrer Kultur.

Der Drebkauer Bürgermeister Paul Köhne bedankte sich beim Ehepaar Schulze für ihre Initiative. Nach der Enthüllung der Beton-Büste durch Schulzes, erklärte der Schöpfer der Büste, der bekannte Cottbuser Bildhauer Hans-Georg Wagner, dass die Arbeit daran für ihn eine willkommene Herausforderung war: „Seit mehr als einem Jahrzehnt hatte ich mich mit dem Thema Porträt nicht mehr befasst. Mit dem Material Beton habe ich noch nie gearbeitet. Außer einem Foto, auf dem Christian Schwela ein grimmiger Alter ist, gab es kein Bildmaterial von ihm. Also habe ich viel gelesen und hab mich ihm so genähert. Ich habe eine Wachsbüste gemacht, dann eine kleine aus Bronze und habe mit Kollegen darüber gesprochen. Erst dann habe ich den Kopf aus Holz angefertigt, aus Eichenholz, aus Holz von einem Baum, unter dem ich schon als Kind gespielt habe. Und dann musste ich warten, denn der Kopf wurde in der Uckermark gegossen. Das war ein neues Gefühl für mich. Das Denkmal gehört nun Ihnen und ich bedanke mich für diesen spannenden Auftrag.“

Die besondere Bedeutung dieser Büste wurde auch durch die Anwesenheit von sieben Nachfahren von Christian Schwela, unter ihnen zwei Urenkel, unterstrichen. Dr. Dietrich Schwela, Urenkel von KIto Swjela, war begeistert: „Das ist eine große Ehre für meinen Urgroßvater. Ich finde diese Würdigung sehr bemerkenswert.“ Der aus Essen angereiste 77-jährige Physiker hatte fast ein Jahrzehnt lang für die WHO gearbeitet und ist auch jetzt noch als Botschafter und Berater im Kampf gegen Luftverschmutzung unterwegs. Demnächst geht es diesbezüglich nach Malaysia. Die Muttersprache seines Urgroßvaters beherrscht er nicht mehr.

Mit einem Gottesdienst in der Schorbuser Kirche wurde die Einweihung des Denkmals abgerundet.