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Schnittstelle zwischen Stadt und Land

Seit neun Jahren steht die Schule in Kahren leer: Ein Student hat sich in seiner Masterarbeit mit der städtischen Immobilie beschäftigt und für das Objekt die Idee entwickelt, dort altersgerechtes Wohnen zu ermöglichen.
Seit neun Jahren steht die Schule in Kahren leer: Ein Student hat sich in seiner Masterarbeit mit der städtischen Immobilie beschäftigt und für das Objekt die Idee entwickelt, dort altersgerechtes Wohnen zu ermöglichen. FOTO: Peggy Kompalla
Kahren. Kahren liegt im Grünen. Aber ruhig ist es deshalb nicht. Die Einwohner werden von Schwerlastern geplagt. Trotzdem traut sich der Ort viel mehr zu. Die Kahrener wären gern eine Schnittstelle zwischen Stadt und Land, die auch für umliegende Orte zum Anlaufpunkt werden kann. Peggy Kompalla

Die Kahrener leben eine starke Gemeinschaft. Das zeigt sich auf den ersten Blick beim Ortsteilgespräch am Donnerstagabend. Bis auf den letzten Stuhl ist der Raum im Bürgerzentrum gefüllt. Alt- und Neu-Kahrener sind da, viele Alte, aber auch Junge. Die Mischung stimmt, und die Kahrener trauen sich und ihrem Ort viel mehr zu als bislang. Das erklären sie den beiden Stadtplanern von Cima, die im Auftrag der Stadt Cottbus die Entwicklungskonzepte für die zwölf ländlichen Ortsteile erstellen.

"Die Chance ist doch unsere Lage", betont ein Kahrener. "Die ersten Ansätze sind schon da, und mit Blick auf das Jahr 2030 könnten wir für umliegende Ortsteile aber auch Dörfer in Spree-Neiße ein Anlaufpunkt werden." Das Zeug dazu habe Kahren, schließlich gibt es Bürgerzentrum, Feuerwehr, Park, Kita, gute Nahversorgung, Dienstleister und Handwerker, einen historischen Dorfkern mit Kirche, mehrere Gasthäuser, aktive Vereine.

Um eine wirklich bedeutende Schnittstelle zu werden, müssten allerdings auch Probleme gelöst werden. Da wäre zu allererst die Infrastruktur: Radwege fehlen, die Straßen sind marode und die Bushaltestellen überholt, der Anschluss an den Stadtverkehr lässt zu wünschen übrig. Gleichzeitig wird das Dorf von Schwerlastern geplagt, die lieber über die Landstraße und durch Dörfer rumpeln, anstatt auf der Autobahn die Maut zu zahlen. Die geplante Ortsumfahrung von Cottbus würde das Problem mit einem Schlag lösen. Doch seit Jahren warten die Kahrener vergeblich auf den Baustart.

Dann ist da noch die seit neun Jahren leerstehende Schule - mitten im Ort, direkt am Park. Die mittlerweile angegraute Immobilie ist ein permanenter Stich ins Herz der Einwohner. Ortsvorsteher Jürgen Lehmann bringt etwas Hoffnung: "Ein Student hat sich in seiner Masterarbeit mit der Schule beschäftigt und für den Komplex die Idee von Tagespflege und altersgerechtem Wohnen entwickelt." Zur Umsetzung wäre ein Privatinvestor nötig. Das Konzept würde passen. Denn bis zum Jahr 2035 wird sich die Zahl der Über-65-Jährigen in Kahren verdoppeln, die der Über-70-Jährigen sogar verdreifachen.

Die Merzdorfer treffen sich am heutigen Samstag um 19 Uhr im Feuerwehrhaus zum Ortsteilgespräch. Die Diskussionsrunde für Saspow beginnt am morgigen Sonntag um 9 Uhr im Humboldt-Gymnasium.

Engagierte Gemeinschaft: Bis auf den letzten Stuhl war der Raum im Bürgerhaus beim Ortsteilgespräch besetzt.
Engagierte Gemeinschaft: Bis auf den letzten Stuhl war der Raum im Bürgerhaus beim Ortsteilgespräch besetzt. FOTO: Peggy Kompalla