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Schmuckstücke in der Schillerstraße

Diese Postkarte zeigt die beschriebenen Gebäude in der damaligen Weststraße, heute Schillerstraße.
Diese Postkarte zeigt die beschriebenen Gebäude in der damaligen Weststraße, heute Schillerstraße. FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Die Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch erkundet die Historie der Schillerstraße 55 bis 57. Sie kommentiert eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Dora Liersch / dli9

Bereits am 20. März wurde in der RUNDSCHAU-Serie "Cottbus früher & heute" ein Teilstück der Schillerstraße vorgestellt. Als um die vorletzte Jahrhundertwende die heutige Ansichtskarte von dem Cottbuser Verlag Albert Nitschke herauskam, der auch die Fotografie dazu lieferte, standen die Häuser der Schillerstraße 53 und 54, die damals noch Weststraße hieß und andere Hausnummern trugen, noch nicht. Die damalige Weststraße 47, eigentlich zwei Grundstücke breit, erwarb der Tuchfabrikant Heinrich Starcke. Er war damals 49 Jahre alt und bereits Rentner. Er wollte für sich und seine kinderreiche Familie für die Zukunft vorsorgen. Im Juni und Juli 1895 beantragte der Cottbuser Bauunternehmer, Architekt und Maurermeister Ewald Schulz die Baugenehmigung für ein villenartiges Wohnhaus, einen Stall und eine Veranda für den Bauherren Heinrich Starcke.

Das Haus ist sechs Achsen breit, zweigeschossig mit ausgebautem Mansardterrassendach, das von einem Ziergitter geschmückt ist. Die Südseite des Grundstücks blieb für die Toreinfahrt und den Bau des Remisen/Stallgebäudes vorbehalten. Der Hauseingang selbst befindet sich auf der Südseite des Hauses, nicht an der sonst üblichen Straßenseite. Ein etwas vorgesetzter Treppenturm mit Dachhaube markiert die Eingangssituation.

Man konnte also mit einer Kutsche direkt auf das Grundstück fahren und vor der Eingangstür halten. Das Haus ist in seinem Äußeren geprägt vom späten Historismus mit seiner Kleinteiligkeit. Auch im Innern ist noch vieles aus der Bauzeit erhalten. Der Vorgartenzaun stammt noch aus der Bauzeit. Die Frau von Heinrich Starcke, Elisabeth, erlebte den Bau des Hauses nicht mehr, sie verstarb bereits im Januar 1895. Aber auch Heinrich Starcke war nicht mehr viel Zeit vergönnt, er verstarb im November 1902. Sieben Kinder überlebten die Eltern Starcke. Sie und ihre Nachfahren wurden die Erben des Hauses. Aus dieser Familie ging auch der Lungenarzt Dr. Otto Starcke hervor, der im Sommer 1920 sich mit seiner Arztpraxis im elterlichen Hause selbstständig machte. Viele Jahrzehnte als Lungenarzt tätig, betreute er noch Anfang der 1940er Jahre heimlich einen jüdischen Patienten. Dr. Otto Starke verstarb 1962. Zuvor hatte er die Praxisräume an die Fachärztin für innere Krankheiten Frau Dr. Dorothea Marckwort weiter gegeben. Später befand sich in der Schillerstraße 55 die Mütterberatung und nach 1990 die Gemeinschaftspraxis mit Dialysestation von Dr. D. Müller und Dr. W. Dschietzig. Es folgten die DBV-Winterthur Versicherungen und die Impulsa Physiotherapie GbR. Das Haus ist inzwischen vorbildlich saniert und ein Schmuckstück am Schillerplatz.

Das anschließende Nachbarhaus, Schillerstraße 56 ist, wie auch die Nummer 57, einst Weststraße 48 und 48a nur wenig später in den Jahren 1896 und 1897 erbaut worden. Beide Häuser ließ der Bäckermeister Wilhelm Bogula errichten. Das Baugeschäft von Wilhelm Bubner führte auch beide Häuser aus. Sie haben in der Grundstruktur einen ähnlichen Aufbau. Beide Gebäude sind vier Achsen breit, haben einen betonten Mittelresalit und die kombinierte Haustür und Tordurchfahrt befinden sich jeweils links.

Während die Nummer 56, heute ockerfarbig, nur drei Vollgeschosse und das ausgebaute Dachgeschoss hat, auch viel einfacher gestaltet ist, macht die Nummer 57 einen vornehmen Eindruck. Es hat vier Vollgeschosse, komplett ausgebautes Dachgeschoss mit abschließender Attika. Der Mittelresalit wird durch zwei Balkone betont. Rundbogenfenster in den Mitteletagen und die Verwendung von gelblichem Klinkermauerwerk, dunkelgrün lasierten Klinkerleisten und auffallenden Putzspiegeln betonen die Hausfassade.

Der Bäckermeister verkaufte beide Häuser schon bald nach der Fertigstellung. 1901 ist der Rentier Hermann Kuhn der Eigentümer des Hauses Nummer 56 und 1903 bereits der Zimmerpolier Friedrich Albin, in dessen Familie das Haus auch 1940 noch ist. Später wird es kirchliches Eigentum und im Hof wird ein Gemeindehaus gebaut, das speziell von Pfarrer Halle und seiner Gemeinde genutzt wurde.

Als der evangelische Kindergarten in der Schulstraße wegen des Baues der Stadthalle weichen musste, fand er in der Schillerstraße 56 ein Unterkommen. Heute nennt sich der Kindergarten "Klostersternchen".

Die Schillerstraße 57 war 1901 im Besitz von Schuhmachermeister Wilhelm Rocher und zwei Jahre später Eigentum vom Tuchhändler Ferdinand Bünger. 1911 ist der Privatier Paul Mund, später sind seine Erben die Hauseigentümer. Sie verkaufen um 1930 das attraktive Haus an Willi Britz. Er ist Mitinhaber der Firma Britz & Co, Cottbus, Kaffeegroßrösterei und Spezialgeschäft, Berliner Straße 148. Bei dem Namen Britz fällt den älteren Cottbusern bestimmt das Kaffee- und Konfitürengeschäft in der Spremberger Straße 37 ein.

Im Hause Schillerstraße 57 befindet sich heute das "Humanistische Jugendwerk Cottbus e.V.", der Jugendclub Cottbus und der Jugendtreff Humi.

Alle Teile der Serie zum Nachlesen gibt es hier: www.lr-online.de/

historischelausitz

Auch heute sind die Häuser nach wie vor echte Hingucker.
Auch heute sind die Häuser nach wie vor echte Hingucker. FOTO: Dora Liersch/dli1