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| 10:09 Uhr

27. Januar in der Lausitz
Schmetterlinge und Gesänge zum Gedenken an den Holocaust

 Mit dem erschütternden Schicksal jüdischer Kinder während des Holocaust haben sich Fünft- und Sechstklässler der Bewegten Grundschule in Cottbus in den zurückliegenden Wochen auseinandergesetzt. 150 Schmetterlinge erinnern nun an die Verbrechen der deutschen Vergangenheit.
Mit dem erschütternden Schicksal jüdischer Kinder während des Holocaust haben sich Fünft- und Sechstklässler der Bewegten Grundschule in Cottbus in den zurückliegenden Wochen auseinandergesetzt. 150 Schmetterlinge erinnern nun an die Verbrechen der deutschen Vergangenheit. FOTO: Michael Helbig
Cottbus/Dresden/Potsdam. Heute vor 74 Jahren hat die Rote Armee das NS-Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit. In zahlreichen Veranstaltungen wird deshalb heute an das Morden und das Grauen des Holocausts erinnert – besonders in Cottbus.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat angesichts des Holocaust-Gedenktages dazu aufgerufen, Rechtsextremismus wie Rechtspopulismus entgegenzutreten. „Rechtspopulisten wollen unsere Gesellschaft spalten. Sie säen Hass und grenzen andere Menschen aufgrund von Herkunft oder Religion aus“, sagte Woidke am Freitag. „Wir sollten nie vergessen, wohin das führen kann.“

In der Oranienburger Gedenkstätte Sachsenhausen wird an diesem Sonntag mit einer zentralen Veranstaltung der 6300 jüdischen Männer gedacht, die nach dem Novemberpogrom 1938 in das damalige Konzentrationslager verschleppt wurden. Beim Gedenken mit Kranzniederlegung an der ehemaligen Vernichtungsstätte „Station Z“ will Landtagspräsidentin Britta Stark gemeinsam mit Schülern an die NS-Opfer erinnern.

Auch in der Lausitz gibt es zahlreiche Gedenkveranstaltungen. So etwa in Weißwasser oder in Senftenberg, wo Knut Elstermann über sein Buch „Gerdas Schweigen“ sprechen wird.

Gedenken vs. Demo in Cottbus

In Cottbus wird die Erinnerung an der Synagoge überschattet von der parallel stattfindenden Demo des fremdenfeindlichen Vereins „Zukunft Heimat“. Cottbuser Chöre und Vereine haben aufgerufen, sich ab 14.45 Uhr rund um die Synagoge den Demonstranten entgegenzustellen. Auch die Grünen haben dafür ihren Neujahrsempfang verschoben. „Wir stehen geschlossen gegen Rechts“, so der Landesvorsitzende Clemens Rostock.

Bereits am Freitag haben Schüler der Bewegten Grundschule in Cottbus ihren Beitrag zu Erinnerung an den Holocaust gezeigt. Auf einer Glaswand an der Fassade der Grundschule wurden 150 von den Schülern bemalte Keramik-Schmetterlinge angebracht. Dieses internationale „Butterfly-Project“ diene dazu, auf künstlerische Weise an das Thema Holocaust heranzuführen. Jeder Schmetterling symbolisiere das Leben eines Kindes, das im Holocaust getötet wurde. Zur Einweihung der Installation waren auch Nachfahren des aus Cottbus stammenden Holocaust-Überlebenden Max Schindler aus den USA angereist.

Theaterstück in Brandenburg/Havel

In der Gedenkstätte Brandenburg/Havel soll am Sonntag am ehemaligen Standort der Gaskammer mit Kränzen an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Morde erinnert werden. Anschließend wird das Theaterstück „Komm schöner Tod“ aufgeführt, das die Euthanasie-Morde der Nationalsozialisten in Beziehung mit ethischen Fragen zu Behinderung und Medizin setzt.

In der Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald geht es unterdessen im einem Vortrag um die Verfolgung der „Zeugen Jehovas“ durch die Nationalsozialisten.

Im ehemaligen Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück in Fürstenberg/Havel stehen die Kinderhäftlinge im Mittelpunkt. Rund 900 Kinder im Alter von zwei bis 16 Jahren aus vielen Ländern waren dort inhaftiert. Außerdem wurden dort mehr als 560 Kinder geboren. Im Zentrum einer Lesung stehen Erinnerungen von Kinderhäftlingen und Müttern, die in dem KZ ihre Babys zur Welt bringen mussten. Anschließend sollen am Ufer des Schwedtsees Blumen niedergelegt werden.

Gedenkfeier im Landtag

Auch in Sachsen gibt es zahlreiche Veranstaltungen. Zur zentralen Gedenkfeier kommen um 10 Uhr Parlament und Staatsregierung im Dresdner Landtag zusammen.

Zu Beginn werden Landtagspräsident Matthias Rößler und Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu den rund 300 erwarteten Gästen sprechen. Die Gedenkrede hält in diesem Jahr der Freiburger Historiker Ulrich Herbert. Auch in Leipzig, Plauen, Görlitz und Chemnitz finden Holocaust-Gedenken statt.

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, „jeder Form des Rassismus und Antisemitismus“ entschieden entgegenzutreten.

(bob)