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Schmellwitzer Bürgerverein
Wohl des Stadtteils stets im Blick

Vor sechs Jahren hat Michael Tietz (42) den Vorstandsposten des Schmellwitzer Bürgervereins von Gottfried Schierack (78) übernommen.
Vor sechs Jahren hat Michael Tietz (42) den Vorstandsposten des Schmellwitzer Bürgervereins von Gottfried Schierack (78) übernommen. FOTO: privat
Cottbus . Schmellwitzer Bürgerverein feiert 20 Jahre ehrenamtliche Stadtteilarbeit. Von Stephan Meyer

Seit 20 Jahren hat der Schmellwitzer Bürgerverein ein offenes Ohr für die Anliegen seiner Nachbarn und gibt wichtige Impulse an die Stadtverwaltung weiter. Aus diesem Anlass feierten die engagierten Schmellwitzer am Mittwoch in der Zuschka 25 ihr Vereinsjubiläum und blickten auf die vergangenen Jahre zurück.

„Die Arbeit im Schmellwitzer Bürgerverein war nie ein Kaffeeklatsch, sondern fortlaufende, harte, ehrenamtliche Arbeit“, sagt der ehemalige Vereinsvorsitzende Gottfried Schierack. Bei der Gründung sei es schwer gewesen, einen Vorstand zu finden, erinnert sich der 78-Jährige. „Alle waren damals berufstätig und hatten wenig Zeit. Außerdem hatte keiner ein vergleichbare Funktion vorher inne gehabt.“ Da er damals wusste, dass er demnächst in den Vorruhestand gehen würde, übernahm er 1997 diese, für ihn vollkommen neue, Aufgabe.

„Wir waren nicht immer einer Meinung und das war auch gut so“, bewertet Schierack die Debatten innerhalb des Bürgervereins. Doch die Mitglieder hätten stets das Wohl des Stadtteils im Auge gehabt. Der Verein sei bei allen Angelegenheiten, die Schmellwitz betrafen, ständig dabei gewesen. „Die Stadt hat immer viel Wert auf unsere Meinung gelegt und das hat uns stolz gemacht“, erzählt der ehemalige Ingenieur. Stadtteilplatz sowie Stadtteilzentrum würden ohne die Stellungsnahmen des Vereins heute ganz anders aussehen. Den Rückbau von Schmellwitz konnten jedoch auch sie nicht verhindern. „Wir haben aber dazu beigetragen, dass der Rückbau gemäßigter vonstattenging“, so Schierack.

2011 beschloss er, den Platz im Vorstand für jüngere Schmellwitzer frei zu machen. Der Verein hatte in Michael Tietz einen würdigen Nachfolger gefunden. Als er 1997 nach Schmellwitz zog, habe der Stadtteil für ihn ein Jammerbild abgegeben. Deshalb faszinierte ihn der Verein, dessen Mitglieder großen Willen zeigten, den Stadtteil nach vorne zu bringen. Und das, obwohl damals in Schmellwitz Endzeitstimmung geherrscht habe.

„Überall war nur Rückbau und Abriss geplant“, sagt der 42-Jährige über jene Zeit. „In die Fußstapfen des vorherigen Vorstands zu treten, war nicht einfach“, gibt er heute zu. Tietz versuchte, mit dem Verein an alte Projekte anzuknüpfen und neue zu erschließen. Insbesondere die Stadtteilfeste hätten dazu beigetragen, eine positive Stimmung in Schmellwitz halten zu können. Zu den weiteren erfolgreichen Unternehmungen des Vereins zählen unter anderem die Stadtteilzeitung, die Einbindung in soziale Maßnahmen und das Projekt „Schmellwitz – mein Zuhause“, das die Benennung Schmellwitzer Straßennamen untersucht und geschichtlich aufbereitet.

Für nächstes Jahr haben die Schmellwitzer nach wie vor den Wiederaufbau der maroden Holzbrücke am Neu-Schmellwitzer Fließ auf der Agenda. Überraschenderweise sei die Sanierung der einstigen Buga-Brücke nun doch nicht mehr im Haushaltsplan der Stadt vorgesehen. Doch der Fokus der Vereinsarbeit liegt nicht nur auf Neu-Schmellwitz. „Wir versuchen, auch auf Alt-Schmellwitz zu schauen, unterstützen die Anwohner der Karlstraße bei ihrem Fest und haben unter anderem auch die Vogelsiedlung im Blick“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Die teils sehr unterschiedlichen Belange der Bürger zu vertreten, sei eine große Herausforderung.

Damit Schmellwitz attraktiver wird, setzt Tietz seine Hoffnung in junge Erwachsene, die preiswerten Wohnraum suchen, sowie in Geflüchtete, die sich im Stadtteil niederlassen. Ein längerfristiges Ansinnen des Vereinsvorstands ist die Wiederbelebung der Rückbauflächen. „Dort kann ich mir zum Beispiel kleine Mehrfamilienhäuser oder Eigenheime vorstellen.“ Tietz wünscht sich eine gute soziale Durchmischung für Schmellwitz. Zu einer Belebung des Stadtteils könne auch der zukünftige Cottbuser Ostsee beitragen. „Da wird es noch einiges an Entwicklung geben.“