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| 02:33 Uhr

Schlichower fürchten um das spätbarocke Gutshaus

Das Schlichower Gutshaus ist in privater Hand, die Einwohner müssen dem Verfall zusehen.
Das Schlichower Gutshaus ist in privater Hand, die Einwohner müssen dem Verfall zusehen. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Dissenchen-Schlichow. Mit Dissenchen-Schlichow ist am Montag die erste Runde der Cottbuser Ortsteilgespräche gestartet. Knapp 40 Bürger arbeiteten mit einem Beratungsbüro aus Lübeck Stärken und Schwächen ihrer Dörfer heraus. Große Hoffnungen verbinden sie mit dem Ostsee. Doch da sie seit Jahren Visionen entwickeln, erwarten sie von der Stadt nun dringend klare Zusagen. Annett Igel-Allzeit

Die Schlichower müssen zuschauen, wie das Gutshaus zerfällt. Ein kleiner Park habe mal dazugehört, erzählen die älteren Einwohner. Doch das Gut, das 1780 die Gutsherren von Pannwitz im spätbarocken Stil errichten ließen und auf der Cottbuser Denkmalliste steht, ist in Privatbesitz. "Wir kommen nicht ran", sagt Ortsvorsteher Roland Hoffmann. Dabei gibt es einige Ideen für das kleine Schloss mit seinen Nebengebäuden. Die Vorschläge reichten am Montagabend im Schlichower Bürgerhaus vom Hotel über altersgerechtes Wohnen bis hin zum Pflegeheim am Ostsee.

Zusammengewachsen fühlen sich die Schlichower und Dissenchener nicht. Das mussten Martin Hellriegel und Sebastian Bresser, die ins Schlichower Bürgerhaus eingeladen hatten, zur Kenntnis nehmen. Auch wenn inzwischen ein Ortsbeirat mit Roland Hoffmann an der Spitze die Geschicke beider Dörfer lenkt: Unter der Brücke, die beide verbinden soll, teilt die Cottbuser Ortsumgehung B 168n die zwei Ortslagen. Ein Fuß- und Radweg zwischen Dissenchen und Schlichow wird schmerzlich vermisst. Sie pflegen beiderseits Bräuche wie die Fastnachtsumzüge, Sportfeste, das Zampern, haben jeweils einen Friedhof, wollen beide ihre Ortswehr und ihre Sporteinrichtungen mit den Sportlerheimen behalten.

Die Schlichower sind stolz auf den dörflichen Charakter. Deshalb werde nur ein sanfter Tourismus für das "Dorf hinter den Dünen" gewollt. Statt ein Hotel mit mehreren Stockwerken hochzuziehen, sollten Pensionen entstehen. Die großen Gehöfte mit kaum noch landwirtschaftlich genutzten Scheunen oder Bauraum in zweiter Reihe ließen Ferienwohnungen durchaus zu, erläuterten die Schlichower dem Berater Martin Hellriegel. Und als unmittelbarer Anrainer des Ostsees könnte am Ufer eine neue Dorfmitte entstehen. Ideal ist es aus der Sicht Roland Hoffmanns, hier die Seenotrettung zum Beispiel durch die Deutsche Lebens-Retter-Gesellschaft (DLRG) anzusiedeln

Dissenchen dagegen könnte das Logistikzentrum des Ostsees werden. In den Gewerbegebieten ist Platz für Handwerker und Dienstleister - vom Bootsbau bis zum Catering. Aber auch schöner darf der Ort werden: Ein kleiner Anger mit Bänken erinnert noch an die Dorfmitte. Aber, so die Dissenchener, sie müsse aufgewertet werden. Die Jüngeren kritisieren den baulichen Zustand des Jugendklubs. Auch die Sanitäranlagen der Sporthalle, die zur Grundschule gehört, müssten modernisiert werden.

Die Verkehrsanbindung wurde diskutiert. Während mehrere Bürger zufrieden sind mit dem Busfahrplan, wünschen sich die Jüngeren eine bessere Anbindung am Abend, um nach Theater-, Konzert- und Kinobesuchen in Cottbus im Bus heimfahren zu können. Auch vom Ausbau des Straßenbahnnetzes nach Dissenchen oder einer Anbindung der Parkbahn an den Ostsee wird noch geträumt. Den Lärmschutzdamm wollen sie behalten, und die Schlichower Höhe bietet noch viel Raum zum Gestalten.

Martin Hellriegel und Sebastian Bresser sammeln die Ideen. Mit welchen Vorhaben es Dissenchen-Schlichow auf die Prioritätenliste für die Stadt Cottbus schafft, bleibt abzuwarten. Nach den Sommerferien wollen sie zur zweiten Runde der Ortsteilgespräche einladen und im April 2017 ihre Arbeit für alle zwölf Cottbuser Ortsteile abschließen.

Zum Thema:
Über die Internetadresse www.oek-cottbus.de kann das Beratungsbüro CIMA kontaktiert werden. Auch Termine und Fortschritte sind hier einsehbar. Zudem nehmen sie unter der Telefonnummer 0451 389680 Hinweise entgegen. Am heutigen Mittwoch, 20. Januar, sind sie in Groß Gaglow in der Chausseestraße ab 19 Uhr im Bürgerhaus. Am 21. Januar, 19 Uhr, nehmen sie sich im Café und Restaurant "Nordstern" Zeit für die Sielower.