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Schlaglöcher waren ein Spaß im Ikarus

Der Cottbuser Uwe Schmidt hat über die Jahre mehr als 600 Modelle zusammengetragen.
Der Cottbuser Uwe Schmidt hat über die Jahre mehr als 600 Modelle zusammengetragen. FOTO: Ulrike Elsner
Cottbus. Der Ikarus 55 ist ein Schmuckstück in Uwe Schmidts Modellauto-Sammlung. Noch heute erinnert sich der 60-Jährige gern an die Fahrten zur Schule mit einem Bus diesen Typs. Ulrike Elsner

Zu gern ist er auf der hinteren Bank hin- und hergehopst, wenn der Bus die Schlaglöcher der Sielower Landstraße passierte.

Mehr als 600 Modelle hat der Cottbuser zusammengetragen. "Alle Fahrzeuge, die zwischen 1945 und 1990 in den ehemaligen sozialistischen Ländern gebaut wurden", erzählt er. Vertreten sind neben der DDR die UdSSR, die Volksrepubliken Polen und Rumänien, die Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien. Doch es wurden nicht überall Pkw gebaut. Ungarn war statt dessen auf Motorräder, Motorroller und Busse spezialisiert.

"Angefangen hat alles durch einen dummen Zufall", berichtet Uwe Schmidt. Im Jahr 2005 fiel sein Blick in einem Getränkemarkt auf eine Sichtverpackung, die neben Bier ein Modellauto enthielt. Es war ein F8, der Uwe Schmidt an das Fahrzeug erinnerte, das im Sommer 1969 den Trabi der Eltern am Großsee zugeparkt hatte und von Opa Willi, dem muskelbepackten Transportarbeiter aus dem gerade eröffneten Cottbuser Konsument-Warenhaus, nicht ganz fachgerecht beiseite gehoben wurde.

Er musste den F8 einfach haben. Viele weitere Fahrzeuge im Maßstab 1:64 folgten. Bis der Cottbuser im Sommer 2008 wieder ganz zufällig in einem Bautzener Geschäft die viel reizvolleren Fahrzeuge im Maßstab 1:43 entdeckte. "Ich habe gleich einen Einkauf von 340 Euro getätigt", erinnert er sich. Seine heutige Sammlung besteht ausschließlich aus Autos dieses Formats.

Der dritte Abschnitt der Sammlertätigkeit des gelernten Rundfunk- und Fernsehmechanikers und studierten Elektronikers begann im vorigen Frühjahr. "Ich hatte alle Modelle. Es gab nichts mehr zu sammeln", sagt Schmidt. So entstand die Idee, andere an den Ergebnissen seiner Sammelleidenschaft teilhaben zu lassen. 80 Modelle sind noch bis zum 18. März im Ostgang des Lausitz-Parks in fünf Tischvitrinen und einer Standvitrine ausgestellt. Bei der Auswahl standen der Bekanntheitsgrad der Fahrzeuge, ihre Exklusivität und Kuriosität im Vordergrund. So wird unter anderem das Velorex, ein motorisiertes Dreirad gezeigt, das in der ehemaligen Tschechoslowakei von 1950 bis 1973 gebaut wurde. Genauso wie ein Barkas-Wohnmobil oder ein Trabant-Wohnmobil, beides Nachwende-Erfindungen, die keinen Erfolg hatten, weil sie zu spät kamen. Zur DDR-Zeit hätten sie reißenden Absatz gefunden.

Dabei hatte die DDR gerade in den 60er-Jahren jede Menge Potenzial, das leider später dem Mangel zum Opfer fiel. Noch heute hält Uwe Schmidt den Wartburg 311, von 1955 bis 1965 in Eisenach gebaut, für "das schönste Auto der Welt". Vor allem die Campingversion hat es dem Cottbuser angetan. Aber auch der in den 50er-Jahren in der DDR gebaute Bus H6 war sehr erfolgreich.

Uwe Schmidt kennt aber nicht nur die technischen Daten und die Produktionszahlen ganz genau, sondern kann zu fast jedem seiner Modelle eine kleine Geschichte erzählen. So kam Eis-Böttcher Mitte der 60er-Jahre bis Anfang der 70er stets mit einem Skoda 1201 zur Ecke Sielower Landstraße/Kurt-Pavel-Straße (heute Goyatzer Straße), um Eis zu verkaufen. "Sie waren die Einzigen weit und breit, die Waldmeistereis dabei hatten", erinnert sich Uwe Schmidt.