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Schlafmediziner warnt vor Zeitumstellung

Schnee, Eis und eine gestohlene Stunde – am Sonntag wird die Zeitumstellung besonders anstrengend.
Schnee, Eis und eine gestohlene Stunde – am Sonntag wird die Zeitumstellung besonders anstrengend. FOTO: dpa
Cottbus. Zweimal jährlich werden die Uhren umgestellt, zweimal jährlich gerät der Organismus unter Stress. Der Cottbuser Schlafmediziner Dr. Frank Käßner warnt seit Langem vor den negativen Auswirkungen der Umstellung. Er sagt: „Aus ärztlicher Sicht wäre die Rückkehr zur ewigen Winterzeit am sinnvollsten.“ Andrea Hilscher

Cottbus. Am Wochenende ist es wieder soweit: Die Uhren werden von der Sommer- auf die Winterzeit umgestellt. Der Cottbuser Schlafmediziner Dr. Frank Käß- ner beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Auswirkungen der Zeitumstellung auf den menschlichen Organismus, beantwortet in seinem Ambulanten Zentrum für Lungenkrankheiten und Schlafmedizin Cottbus (AZLS) regelmäßig entsprechende Fragen von genervten Patienten.

"Vor allem die Umstellung von der Winterzeit auf die Sommerzeit belastet sehr viele Menschen", so der Mediziner aus Erfahrung. "Die Stunde Schlaf, die uns da plötzlich weggenommen wird, strengt viele Menschen an, die ohnehin schon Probleme haben, tief und ausreichend zu schlafen." Die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit, die uns an diesem Wochenende eine Stunde mehr Schlaf beschert, sei leichter zu verkraften. "Gerade für sogenannte Eulen, also Menschen, die gern lange wach sind und dafür etwas später aufstehen, ist diese Rückkehr zur Winterzeit angenehm", so Käßner.

Für Lerchen - Frühaufsteher, die abends zeitig ins Bett gehen - ist die Umstellung problematischer. "Sie wachen ohnehin schon früh auf und müssen einige Tage lang damit rechnen, deutlich eher als gewohnt munter zu werden." Entsprechend früh würden sie dann abends wieder Sehnsucht nach ihrem Bett bekommen. Tipp des Mediziners: "Sich möglichst zwingen, sich in kleinen Etappen an die neue Zeit heranzutasten." Außerdem sei Sport immer ein gutes Mittel, den Organismus zu entlasten, Stresshormone abzubauen und so einen guten Schlaf zu unterstützen.

Fragt man die Bevölkerung in den von der Zeitumstellung betroffenen Ländern, so plädieren regelmäßig 60 bis 80 Prozent der Einwohner für eine Abschaffung der Zeitumstellung - und für die Einführung der ewigen Sommerzeit. Frank Käßner: "Die Menschen denken, sie können damit den Sommer mit seinen schönen lauen Nächten und dem angenehmen Lebensgefühl konservieren." Doch genau das Gegenteil sei der Fall: Im Winter nämlich verlören die Menschen vor allem das wichtige Morgenlicht. "Genau das aber braucht der Körper, um seine Hormonproduktion in Gang zu bringen", so der Arzt.

In Russland hatte man das Experiment gewagt, war von 2011 bis 2014 bei der ewigen Sommerzeit geblieben. Mit fatalen Konsequenzen: Die Geburtenrate sank, die Zahl der Depressionen stieg, das Bruttoinlandsprodukt sank um umgerechnet zehn Milliarden Rubel. Selbst die Schüler waren weniger aufnahmefähig. Jetzt herrscht in Russland die ewige Winterzeit - und Schlafforscher sind ebenso wie Psychologen und Wirtschaftswissenschaftler gespannt auf die Folgen. Hoffnung, dass auch in Deutschland demnächst wieder eine durchgängige Zeitrechnung eingeführt wird, hat Frank Käßner nicht: "Das müsste EU-weit beschlossen werden. Und wir sehen bei der aktuellen und sehr viel wichtigeren Debatte um das neue Wirtschaftsabkommen, wie schwierig solche Veränderungen sind."

Cottbus kann also sicher sein, dass auch in den kommenden Jahren immer wieder an der Uhr gedreht wird. Die Folge: Vor allem am Montag nach der Umstellung auf die Sommerzeit (geplant für den 26. März 2017) wird es mehr Herzinfarkte und Autounfälle geben, etwa 30 bis 50 Prozent der Cottbuser werden unter Beschwerden leiden. Und Frank Käßner selbst? Er lächelt. "Ich treibe Sport, bin sehr aktiv und genieße die Sommerzeit, weil ich länger draußen sein kann.