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| 11:41 Uhr

Schild & Schwert in Ostritz
Zu wenig Kämpfer für Rechtsrock-Festival

 Auf dem Gelände rund um das Hotel am Neißeblick findet am Wochenende ein Rechtsrockfestival statt.
Auf dem Gelände rund um das Hotel am Neißeblick findet am Wochenende ein Rechtsrockfestival statt. FOTO: dpa / Daniel Schäfer
Ostritz. Im sächsischen Ostritz werden am Wochenende 700 Besucher zu einem rechten Konzert erwartet. Der angekündigte „Kampf der Nibelungen“ aber muss abgesagt werden: Der Veranstalter findet zu wenig Kämpfer.

Am Wochenende wird es wieder einmal eng im sächsischen Ostritz: Zum dritten Mal findet das Festival „Schild und Schwert“ im Hotel am Neißeblick statt. Für den 21. bis 23. Juni hat Thorsten Heise, stellvertretender Vorsitzender der NPD, eine politische Kundgebung unter dem Thema „Sonnenwende Sommerfest – Für die Selbstbestimmung aller freien Völker der Erde“ angemeldet.

Rund 700 Teilnehmer werden nach Veranstalterangaben erwartet, die publikumswirksamen Kämpfe aber müssen abgesagt werden. „Wir haben keine passenden Anpaarungen zusammenbekommen“, so ein Mitglied der Organisationsteams. In den Vorjahren waren immer wieder auch rechte Kampfsportler aus Cottbus, Lübbenau und Lindenau beim „Kampf der Nibelungen“ in Ostritz angetreten.

Am Wochenende werden zehn Bands aus der extremen Rechtsrock-Szene auftreten, dazu wird die sogenannte „Straße der Bewegung“ mit Infoständen rechter Organisationen bestückt. In den vergangenen Jahren hatte das festival Neonazis aus ganz Europa nach Ostritz gelockt.

Um ein Zeichen für Toleranz und Demokratie zu setzen, gibt es am Wochenende mehrere Gegenveranstaltungen. Die Initiatoren des bisher parallel zum Festival stattfindenden Friedensfestes wollen das hundertjährige Jubiläum des Ostritzer Ballspielclubs unterstützen.

Auf dem Markt der Kleinstadt soll Sand aufgeschüttet werden. Mit Liegestühlen und Wasserbassins will die Ostritzer BürgeriInitiative eine Ruhe-Oase schaffen. Außerdem entsteht ein Soccerfeld. Hier soll am Sonnabend ein Fußball-Turnier ausgetragen werden. Daneben wird es Straßenkunst, Musik und Diskussionsrunden, etwa zum Grundgesetz und der Seenotrettung, geben.

Für den Donnerstagabend ist zudem eine szenische Lesung unter dem Titel „Annes Kampf“ geplant. Darin werden Passagen aus Anne Franks Tagebuch und Adolf Hitlers „Mein Kampf“ gegenübergestellt.

Neben den Veranstaltungen der Bürger vor Ort haben die Initiativen „Rechts rockt nicht“ und „Leipzig nimmt Platz“ für den Sonnabend zwei linke Gegenveranstaltungen zum rechtsextremistischen Festival angemeldet. „Rechts rockt nicht“ hat eine Dauerkundgebung gegenüber dem Hotel Neißeblick angemeldet, außerdem eine Demonstration durch Ostritz. Über die Genehmigung der Veranstaltungsorte wird derzeit noch juristisch gerungen, teilen die Veranstalter mit.

Nicht nur das Programm wird verändert. Auch das Sicherheitskonzept wurde angepasst. „Wir werden dieses Mal nicht das gesamte Wochenende die Innenstadt sperren, sondern nur an dem Samstag, wo der vermehrte An- und Abreisetag zu den unterschiedlichen Versammlungen ist“, erläutert Ostritz‘ Bürgermeisterin Marion Prange. In der Stadt gilt dann ein Park- und Halteverbot, damit Rettungswege frei bleiben. Um das durchzusetzen, erhalte Ostritz Verstärkung aus dem Ordnungsamt der Stadt Görlitz.

Der Veranstalter Thorsten Heise trat 2004 in die NPD ein und ist aktuell Landesvorsitzender der Thüringer NPD. Für die Partei ist er in vielerlei Hinsicht aktiv. Er organisiert Veranstaltungen, tritt als Anmelder und Redner bei Demonstrationen auf und treibt eine überregionale und europaweite Vernetzung voran.

(hil/dpa)