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| 18:50 Uhr

Cottbus
Dokumente einer Freundschaft

Museumskuratorin Christina Kliem begutachtet die Schenkung von Dr. Dietrich Schwela.
Museumskuratorin Christina Kliem begutachtet die Schenkung von Dr. Dietrich Schwela. FOTO: LR / Elsner
Cottbus. Enkel von Gotthold Schwela schenkt dem Wendischen Museum Zeitzeugnisse. Von Ulrike Elsner

Dr. Dietrich Schwela, Enkel des bedeutenden Pfarrers und Sprachwissenschaftlers Gotthold Schwela, hat am Mittwoch dem Wendischen Museum rund 50 Briefe des bekannten Malers Fritz Lattke an seinen Vater, den Cottbuser Rechtsanwalt Dr. Martin Schwela, aus den Jahren 1953 bis 1979 übergeben. Zudem erhielt Museumsmitarbeiterin Christina Kliem aus seinen Händen ein Album mit Fotos und Postkarten von Fritz Lattke, darunter einige Originalradierungen. „Diese Dokumente ermöglichen es uns, diese Zeit näher zu beleuchten“, sagte die Kuratorin. Außerdem handle es sich um wertvolle Dokumente der Freundschaft zwischen Fritz Lattke und Bogumil Schwela sowie dessen Sohn Martin Schwela.

Bereits im Herbst 2016 hatte Dr. Dietrich Schwela, der sich als Wissenschaftler weit über das Rentenalter hinaus für den weltweiten Umwelt- und Klimaschutz eingesetzt hat,  ein von Fritz Lattke geschaffenes kleinformatiges Porträt seines Großvaters geschenkt. Anlass für seinen neuerlichen Besuch in Cottbus sind die Feierlichkeiten zum 70. Todestag von Gotthold Schwela. Über die Motive für die Unterstützung des Wendischen Museums sagte  der Mittsiebziger, der in Essen lebt:  „Ich möchte, dass diese Zeitzeugnisse für die sorbische Nachwelt erhalten bleiben.“

Dietrich Schwela weiß: „Fritz Lattke war entsetzlich arm.“ Er erinnere sich daran, dass sein Vater Lattke zahlreiche Care-Pakete geschickt hat. Der Maler, ein ausgesprochener Individualist, hatte Schwierigkeiten, von seinen Bildern zu leben. „1954 wurde er mangels sozialistischer Haltung aus dem Arbeitskreis Sorbischer Künstler ausgeschlossen“, sagt Christina Kliem. 1965 folgte der Ausschluss aus dem Verband Bildender Künstler der DDR. „Er passte mit seiner Malweise einfach nicht ins Bild“, so die Kuratorin.

Im Jahr 1934 war Lattke wegen „defätistischer Haltung“ inhaftiert worden. „Er hatte sich in Bärenbrück geweigert, den Hitlergruß zu zeigen“, sagt Christina Kliem. Außerdem wurde ihm Spionage unterstellt. Auch Lattkes Freund Bogumil Schwela hatte eine klare antifaschistische Haltung. „Mein Großvater hat sich im ,Dritten Reich’ geweigert, auf Deutsch zu predigen und wurde daraufhin nach Rudolstadt versetzt“, berichtet Dr. Dietrich Schwela.

Der Enkel hat seinen Großvater nur einmal getroffen, als Kind im Jahr 1947. Bogumil Schwela durfte nur dieses eine Mal in den Westen reisen.  „Ich habe ihn als gütigen und weisen Menschen von bemerkenswerter geistiger Größe in Erinnerung“, berichtet der Nachfahre.

In der Lausitz fühlt sich der Wissenschaftler aus dem Ruhrgebiet wohl. „Die Landschaft entspricht meinem Schönheitssinn und meinem Gemütszustand“, sagt Dr. Dietrich Schwela. „Es ist eine einsame Landschaft, die mich an die Einsamkeit des Menschen erinnert.“ Außerdem sei es wunderschön, mit dem Kahn auf der Spree zu fahren.

Diese Zeichnung ist ein Geschenk Lattkes an  Martin Schwela.
Diese Zeichnung ist ein Geschenk Lattkes an Martin Schwela. FOTO: LR / Elsner