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| 18:40 Uhr

Kultur
Vom „Mottenmord zu Haasow“

Michael Becker hat in der Kulturscheune Haasow aus seinen Büchern sowie Texte von Erwin Strittmatter gelesen.
Michael Becker hat in der Kulturscheune Haasow aus seinen Büchern sowie Texte von Erwin Strittmatter gelesen. FOTO: Ingrid Hoberg
Haasow. Schauspieler Michael Becker liest und plaudert aus seinem Leben: Die Ortsgruppe Haasow der Volkssolidarität hat den Schauspieler in die Kulturscheune eingeladen. Von Ingrid Hoberg

Vereinzelt taumelt eine Motte durch die herbstlich dekorierte Kulturscheune und lenkt die Zuhörer ab von den Geschichten, die Michael Becker noch lesen will. „Der Hühnermord zu Trebatsch“ ist gerade durch, da gelingt es Zuhörern, erfolgreich auf Mottenjagd zu gehen. „Das wird eine neue Geschichte, die ich beim nächsten Mal erzähle“, sagt Michael Becker unter dem Applaus für den erfolgreichen „Jäger“. Der Titel steht schon fest: „Mottenmord zu Haasow“!

Die Ortsgruppe Haasow der Volkssolidarität hat den vom Cottbuser Staatstheater her bekannten Schauspieler, der ebenso ein passionierter Geschichtenerzähler ist, zum wiederholten Mal eingeladen. Auch wenn er sich von der großen Bühne verabschiedet hat, legt er seine Profession nicht zur Seite, wenn er aus einem seiner Bücher liest oder Texte seines Lieblingsautors Erwin Strittmatter vorträgt. Da wird er wieder zu dem kleinen Bub, der unbedingt an den Weihnachtsmann glauben will oder zum angehenden Melker, der Zielschießen auf Küken macht. Wahres, Schnurren und Anekdoten auf und hinter der Bühne erzählt er ebenso gern – dabei lässt Michael Becker seinen biografischen Hintergrund nicht aus.

Die Zuhörer erkennen vieles aus der eigenen Kindheit und Jugend wieder, erinnern sich mit ihm an ein einfaches, bescheidenes und doch zufriedenes Leben wenige Jahre nach dem Krieg, an Spiele, Gerüche, Gewohnheiten auf dem Lande. Es sind Episoden, die mit viel Lebensweisheit und Humor erzählt werden. Und Michael Becker schwört alle am Ende auf eine nächste Lesung ein, die ganz sicher in den Haasower Veranstaltungsplan aufgenommen wird.

Seit drei Jahren gibt es die Ortsgruppe der Volkssolidarität in Haasow mit 26 Mitgliedern. „Wir stellen jeweils einen Plan für das Jahr auf, sind aber auch offen für spontane Ideen“, sagt Günter Meißner, Vorsitzender der Gruppe. „Bei uns im Dorf ist viel los, die Zusammenarbeit zwischen den Generationen funktioniert“, stellt er fest. So stehen nicht nur das Weinfest und eine Halloweenparty noch für dieses Jahr auf dem Programm. In der Adventszeit gibt es Feiern und Basteln für die Jüngsten wie für die Senioren. „Wir leben das Motto der Volkssolidarität ,Miteinander – Füreinander‘“, unterstreicht Günter Meißner. Dazu gehören auch Ausflüge, die die Schönheit und Besonderheit der Region zeigen. „So kennen nur wenige die Glasfenster in der fast einmaligen Luce-Floreo-Technik in der Hornower Kirche“, nennt er ein Beispiel. „Für das nächste Jahr haben wir schon wieder viele Ideen“, sagt der Ortsgruppen-Vorsitzende.

An diesem Nachmittag gibt es nicht nur viel Applaus für Michael Becker und die Aussicht auf ein Wiedersehen „zu Ostern unter dem Apfelbaum“, wie er sagt. Sigrid Beyer, Gastgeberin der Veranstaltung in der Kulturscheune, verabschiedet den Schauspieler mit einem bunten Herbstblumengebinde und Tütchen mit verschiedenen Blumensamen, die er im Lieberoser Garten, seinem Sommerdomizil, aussäen wird.