| 02:33 Uhr

Schauimkerei und ein Leitbild für den Ort

Die Domowina-Ortsgruppe regte an, die Beschilderung mit den nach wie vor vorhandenen sorbisch/wendischen Hofnamen umzusetzen, und zeigte gleich, wie diese Schilder aussehen könnten.
Die Domowina-Ortsgruppe regte an, die Beschilderung mit den nach wie vor vorhandenen sorbisch/wendischen Hofnamen umzusetzen, und zeigte gleich, wie diese Schilder aussehen könnten. FOTO: Hirche/jul1
Dissen. Am Wochenende wurde der Reigen der traditionellen Jahresauftaktveranstaltungen in den Dörfern des Cottbuser Umlandes eröffnet. Zu den Orten, die den Anfang gemacht haben, gehörte neben Burg, Briesen, Müschen, Schmogrow und Guhrow auch der Spreewaldort Dissen. Marion Hirche / jul1

Die "Woklapnica" ist ein sorbischer/wendischer Brauch, bei dem die Einwohner zusammenkommen, Bilanz ziehen zum abgelaufenen Jahr, Ausblicke für das neue Jahr bekommen und die neuen Einwohner des Ortes begrüßen. Der Begriff "Woklapnica" steht für "Abklopfen".

In Dissen gab Bürgermeister Fred Kaiser einen detaillierten Rechenschaftsbericht mit Unterstützung der Verantwortlichen von Einrichtungen und Vereinen seiner Gemeinde.

Nach der Begrüßung in wendischer Sprache durch Gemeindevertreterin Katja Hoffmann ließ der Bürgermeister zunächst Zahlen sprechen. "Wir haben in Dissen jetzt 613 Einwohner, das sind weniger als 2015", sagte er. Es sind mehr Einwohner gestorben als zugezogen. "Während wir mit zwei Jungstörchen schon den schlechtesten Wert seit Jahren hatten, klappte es auch bei den Menschen nicht. Wir haben erstmals kein Baby registrieren können".

Aber Fred Kaiser wusste auch diese missliche Situation zu umschiffen, indem er feststellte: Es gibt aber Großeltern, die im letzten Jahr Enkel begrüßen konnten." Daraufhin meldete sich Ute Hentschel: "Wir haben Ole bekommen, er ist der vierte Enkel in fünf Jahren, da wisst ihr, was bei uns in der Familie los ist. Ole wohnt in Cottbus, ist aber genau wie die anderen Enkel sehr oft hier bei uns in Dissen."

Uwe und Ute Hentschel bekamen dann genauso wie Sebastian Hänisch, Onkel der kleinen Maria, ein Dissener Begrüßungslätzchen. Dazu kam noch eine Flasche Dissener Begrüßungssekt. Letzteren bekamen auch zwei Mitarbeiterinnen der Kita "Wichtelland". Diese private Einrichtung feierte im vergangenen Jahr zehnjähriges Bestehen, und es werden hier jetzt 46 Kinder betreut.

Die Gemeindevertretung des Ortes sorgte sich um die Straßenbaumaßnahme im Wiesenweg. Neu gestaltet wurde der Friedhofseingang. Zudem wurde eine Fläche für Rasengräber angelegt. Dissen hat den Antrag gestellt, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft "Historische Dorfkerne" zu werden.

Aus diesem Grund wird sich der Ort am 20. Januar auf der Grünen Woche vorstellen. "Dabei werden wir zeigen, dass wir so viele Toreinfahrten haben, wie kaum ein anderes Dorf in Brandenburg", sagte der Bürgermeister. Mit im Gepäck werden da auch der neue Flyer und der neue Imagefilm von Dissen sein. Mit Unterstützung des Burger Wirtschaftsförderers Sven Tischer regte Fred Kaiser die Entwicklung eines Leitbilds für die Gemeinde an. Schon im Juni zur "Brandenburger Landpartie" soll in Dissen eine Bienenweide mit Schauimkerei eröffnet werden.

Pfarrerin Katharina Köhler berichtete von über 2500 Teilnehmern in den Gottesdiensten und lud die Dissener ein, mit ihr 2017 gemeinsam zu predigen. Sie machte auf das Gospelkonzert der Kirchgemeinde am kommenden Sonnabend aufmerksam und verkündete, dass dieses Jahr 70 Jahre Posaunenchor gefeiert werden und dass die Dissener Kirche sich bei der Nacht der offenen Kirchen zu Pfingsten vorstellt.

Susanne Leber vom Dissener Kräutergarten konnte berichten, dass im ersten Dissener Jahr die Pflanzen viel besser als in Burg gewachsen sind und dass immerhin 3000 Besucher den neuen Garten hinter der Kirche besucht haben.

Das Dissener Heimatmuseum mit der Freilichtanlage "Stary lud" zählte 12 000 Neugierige. Günter Jahn von der Domowina-Ortsgruppe konnte über zahlreiche gelungene Aktivitäten berichten und rief die Anwesenden dazu auf, jetzt das Vorhaben "Namensschilder" umzusetzen. Er zeigte Beispiele, wie die aussehen könnten: "In Dissen sind die sorbisch/wendischen Hofnamen noch lebendig und deshalb wollen wir das auch nach außen zeigen". Sven Scherry von der Dissener Jugend sprach unter anderem über einen Ausflug der Jugendgruppe nach Kraków (Krakau) mit einem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz.

Ortswehrführer Stefan Marrack erzählte von der bevorstehenden Kanadafahrt im Juni: "Wir haben im Rahmen des internationalen Folklorefestivals in Drachhausen eine Gruppe aus British Columbia kennengelernt. Im letzten Jahr waren sie bei uns, jetzt fahren wir hin."

Die Sportler freuen sich über erstmals drei Billardmannschaften im Spielbetrieb. Nach der intensiven Berichterstattung folgte ein fröhlicher Abend, obwohl sich keiner der Neu-Dissener in die Dorfgemeinschaft einkaufte.