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Schaffen des Cottbuser Uhrenmachers lebt in Lindenau weiter

Der Cottbuser Uhrmachermeister Karl-Heinz Schlodder wird in Lindenau beigesetzt, wo er als Kind glücklich war.
Der Cottbuser Uhrmachermeister Karl-Heinz Schlodder wird in Lindenau beigesetzt, wo er als Kind glücklich war. FOTO: Catrin Wuerz
Cottbus. "Uhren reparieren, das mache ich, bis ich umfalle." Das hat der Cottbuser Uhrmachermeister Karl-Heinz Schlodder im Sommer 2012 angekündigt. Vor drei Wochen am 15. Dezember ist er im Alter von 67 Jahren gestorben. Rosemarie Hänel vom Heimatverein Lindenau verspricht: "Sein Uhrenmuseum hier im Torhaus in Lindenau werden wir erhalten. Wir wollen es mit seinem Nachlass sogar erweitern." Annett Igel-Allzeit

Rosemarie Hänel erinnert sich noch gut daran, wie Karl-Heinz Schlodder im Jahr 1995 vor ihrer Haustür stand. "Kennst du mich nicht mehr? Das hat er gefragt. Dann schwelgten wir in Kindheitserinnerungen, und er erzählte mir von seinen vielen Uhren."

Karl-Heinz Schlodder, 1949 geboren, ist im Kinderheim aufgewachsen, das sich von 1951 bis Ende 1997 im Schloss Lindenau befand. "Kalle war jemand, der sich an seine Zeit im Kinderheim gern erinnerte. Er bezeichnete Lindenau als seine eigentliche Heimat. Ich war etwas jünger als er, bin mit ihm zur Schule gegangen. Und obwohl wir nicht dieselbe Klasse besuchten, hat er mich irgendwie besonders in Erinnerung behalten."

Mit der Suche nach Räumen für seine umfangreiche Uhrensammlung kam Schlodder 1995 genau zur richtigen Zeit zu Rosemarie Hänel. Am 29. November 1994 war die Gründung des Heimatvereins in Lindenau beschlossen worden. Die Mitglieder wollten das Torhaus, das 1991 umfangreich saniert worden war, beleben. Platz für die mehr als 100 Zeitmesser aus mehr als 300 Jahren? Taschenuhren gehören zum Schatz ebenso wie die Sonnenuhr, eine seltene Schilderuhr mit Porzellanschild, Wecker, Sanduhr, Tischuhren - "und in einem zweiten Raum konnten wir die großen Uhren unterbringen", so Rosemarie Hänel.

Einmal im Jahr - zum Parkfest - kam Karl-Heinz Schlodder persönlich nach Lindenau, um Besuchern sein Museum zu zeigen und ihnen die Funktionsweise der Uhren zu erzählen.

Öfter schaffte er es selten nach Lindenau, denn Schlodder ist als Experte für Großuhren und Turmuhren in der ganzen Region ein gefragter Mann. Einer seiner letzen Aufträge, die er noch vollenden konnte, war im August die Nasenuhr am Cottbuser Spreewaldbahnhof. Er konnte nicht mehr zu seinem Freund Karl-Heinz Plaß und zu Alexander Miller vom Historischen Heimatverein Cottbus aufs Gerüst klettern. Nur ein paar Stufen auf der Leiter schaffte er fürs Foto. Dann saß er wieder auf der Bank und erzählte: So wie die Nasenform der Uhr typisch für Bahnsteige war, so typisch war die Form der Zeiger für die Berliner Großuhrenfabrik Rochlitz. Auch den kleinen Schornstein hat Schlodder bei der Sanierung der Uhr mit dem Baujahr 1903 gelassen, obwohl sie ihn nicht mehr bräuchte: "Das ist der Entlüfter, den die Uhren brauchten, die mit einer Öl- oder Gasbeleuchtung liefen", erklärte er. Er kannte die Uhren vieler Rathäuser, Kirchen, Schlösser, Türme, hat Uhren an alten Schulen und Feuerwehrhäusern wieder in Gang gesetzt, betreute die Blaue Uhr, nachdem das einstige Cottbuser Wahrzeichen an der Stadtpromenade einen neuen Platz in der Bahnhofstraße gleich neben dem Stadtmuseum gefunden hatte.

Und er mischte sich auch in Diskussionen ein - ob um Glockenschläge im Kolkwitzer Rathaus oder der Kirchturmuhr Berta der Peter-und Paul-Kirche Kirche in Senftenberg gestritten wurde. Selbst gegen den Abriss des "Sternchens", der Mocca-Milch-Eisbar in Cottbus, kämpfte er mit. "Das Sternchen gehört zur Stadt. Wenn man es abreißt, kann ich auch die alte Turmuhr motorisieren und niemand muss sie mehr reparieren", so Schlodder im Januar 2000. Die Uhr des Spremberger Turms beschäftigte Schlodder in den darauffolgenden Jahren übrigens noch sehr. Nicht, weil er sie besonders warten und immer wieder reparieren musste, sondern weil die Stadt ihre Wartung an einen jüngeren Uhrmacher vergab. Da tat es Schlodder besonders weh, wenn sie tagelang stillstand und die verärgerten Cottbuser sich bei ihm beschwerten.

Die Urnenfeier wird am Montag, 9. Januar, um 13 Uhr auf dem Ströbitzer Friedhof in Cottbus stattfinden. Beigesetzt wird Karl-Heinz Schlodder auf dem Friedhof in Lindenau - das hatte er sich so gewünscht. Vier Berufe hatte Schlodder gelernt, und an den alten Uhren machte es ihm einfach Spaß, das Handwerk der alten Meister zu ergründen. "Und auch wenn meine Arbeit sehr anstrengend ist, freue ich mich jedes Mal, wenn die Glocken pünktlich schlagen."