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Saumäßig ökologisch

Stroh statt Spaltenböden: Ökologische Schweinehaltung ist ein Ziel, das den Landwirten in Brandenburg allerdings Kopfzerbrechen bereitet.
Stroh statt Spaltenböden: Ökologische Schweinehaltung ist ein Ziel, das den Landwirten in Brandenburg allerdings Kopfzerbrechen bereitet. FOTO: Symbolfoto dpa
Preschen/Cottbus. Okö ist in, öko ist aber auch schwierig. Vor allem, wenn es um die ökologische Tierhaltung geht. Daniel Schauff

Ein paar Betriebe halten zwar Schweine nach Öko-Vorgaben, meist jedoch gehe die Zahl der Tiere nicht über die 20 hinaus, sagt Dieter Schenke von der Landwirtschaftlichen Beratung der Agrarverbände Brandenburg (LAB) in Cottbus.

Gemeinsam mit Kooperationspartnern teils aus Spree-Neiße, teils aus anderen Regionen Deutschlands, will die LAB einen Geschäftsplan entwickeln, um Landwirten in der Region die ökologische Schweinehaltung schmackhaft zu machen.

Rund 1,1 Millionen Euro kommen für das Projekt aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Das Geld, sagt Dieter Schenke, steckt in Futtermitteltests und Konzepten für den Neubau eines Stalls nach ökologischen Richtlinen: die Tiere brauchen Platz, Spaltenböden, durch die die Ausscheidungen der Schweine in der konventionellen Haltung entsorgt werden, sind verboten. Stattdessen leben die Tiere auf Stroh.

Ein Stallneubau, wie er im Rahmen des ELER-Projektes innerhalb der nächsten fünf Jahre auf einem Öko-Hof der Agrargenossenschaft Preschen entstehen soll, ist kostspielig. Der Betrieb übernimmt die Kosten. Damit die sich für ihn lohnen, sollten die Schweine möglichst nicht älter als sechs Monate werden, sagt Ralf Bussemass, Fachmann der Beratung Artgerechte Tierhaltung (BAT) aus Hessen.

Dann sollten sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben. Die Schweine auf dem Hof in Preschen haben ihr Endgewicht aktuell etwa im zwölften Lebensmonat erreicht. Viel zu spät, um ökologische und wirtschaftliche Schweinehaltung zu betreiben, sagt Dieter Schenke. Ein realistisches Ziel, sagt der Agraringenieur, sei das Erreichen des Schlachtgewichts nach dem siebten bis neunten Monat.

Dafür braucht es das richtige Futter. So wenige Zukäufe wie möglich, so viel bio wie möglich und vor allem so viel vom eigenen Hof wie möglich.

Im Falle des Hofes der Agrargenossenschaft Preschen allerdings bietet die Mischung aus eigenem Anbau nicht genug Nährstoffe. Das hat die Untersuchung in der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung in Ruhlsdorf (Teltow) ergeben.

Dort wird nun nach einer geeigneten Bio-Mischung gesucht, die möglichst viele Produkte vom Preschener Hof enthält. Erste Versuchsreihen zeigen bereits Wirkung, weitere Tests sind aber noch notwendig. Auf Sojakuchen, Mais und Milchpulver als Zukaufware haben sich die Projektpartner geeinigt in der Hoffnung, mit der neuen Mischung noch sichtbarere Ergebnisse zu erhalten.

Gerade einmal ein Dreivierteljahr sind die Partner bislang mit dem Projekt beschäftigt. Bis zum Ende des fünfjährigen Projekts gibt es noch viele Herausforderungen, sagt Dieter Schenke. Dann will die Gruppe ihre Ergebnisse vorstellen und, so das Ziel, unter anderem auch in Workshops aufzeigen, wie ökologische Schweinehaltung im Land Brandenburg auch wirtschaftlich werden kann.

Zum Thema:
Die sogenannte Operationelle Gruppe "Optimierung der ökologischen Schweine-/Sauenhaltung in Brandenburg durch Innovation im Bereich Haltung und Fütterung" besteht aus der LAB, der Agrargenossenschaft Preschen, der BAT, dem Biolandhof an der Kutzeburger Mühle aus Cottbus, dem Kreisbauernverband des Spree-Neiße-Kreises, der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung, sowie den beiden Landwirten David Netzker aus Burg/Spreewald und Hanno Offen aus Mecklenburg Vorpommern. Anlass für die Partner, das Projekt anzugehen, war die Bitte um Beratung seitens der Familie Brix an die LAB zum Thema Wirtschaftlichkeit der Öko-Schweinehaltung.

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