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Saspower kämpfen um ihren Hausberg

Panoramablick auf den Ostsee: Die Saspower Deponie ist 30 Meter hoch. Derzeit wird die ehemalige Müllhalde verdichtet.
Panoramablick auf den Ostsee: Die Saspower Deponie ist 30 Meter hoch. Derzeit wird die ehemalige Müllhalde verdichtet. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Hans Pschuskel bezeichnet die Deponie als Saspower Hausberg. Seit den frühen 70er-Jahren haben die Anwohner mit dem Müllberg gelebt, der stetig in den Himmel wuchs – mit all den verbundenen Belästigungen. Peggy Kompalla

Das ist vorbei. Seit 2005 wird die Deponie kontinuierlich abgedichtet. Bis zum Jahr 2020 will die Stadt den Prozess abschließen. Doch danach folgen Jahrzehnte der Nachsorge. Dabei sollte der Hausberg zur Entwicklung des Ostsees beitragen - von der auch die Saspower profitieren wollen. "Aber in der Potenzialanalyse zum Ostsee kommt er gar nicht vor", moniert Pschuskel mit Strohhut auf dem Kopf. Er zeigt zum Horizont. "Von hier ist der Ostsee am besten zu sehen. Hier gehört eine Plattform hin."

Um diese Überzeugung im wahrsten Sinne des Wortes nach oben weiterzutragen, lädt der Sas power Landwirt gleich Umweltdezernent Thomas Bergner und den Finanzbeigeordneten Markus Niggemann ein. Der Bundestagskandidat Klaus-Peter Schulze und der Stadtverordnete Wolfgang Bialas sind auch dabei. Da Pschuskel selbst für die CDU im Stadtparlament sitzt, gleicht der Aufstieg einem CDU-Ausflug. Pschuskel ist es ernst, selbst wenn er scherzt: "Das ist die politische Erstbesteigung des Saspower Hausbergs."

Allerdings ist die nur möglich, weil Deponie-Chefin Marianne Lehmann dabei ist. Denn der Berg ist Betriebsgelände und wird es auf absehbare Zeit bleiben. Das macht sie sofort deutlich. Die Stadt steckt mitten in der aufwendigen Oberflächenabdichtung und Rekultivierung der Deponie. In spätestens zwei Monaten wird der nächste Abschnitt abgeschlossen. Die Ausschreibung für das vorletzte Baulos läuft: 46 000 Quadratmeter Boden sollen bis Ende 2018 abgedichtet werden. Kostenpunkt: rund vier Millionen Euro. Der letzte Abschnitt umfasst nochmals rund 50 000 Quadratmeter. "Ich hoffe, dass das dann Mitte 2020 erledigt ist", sagt Marianne Lehmann.

Damit ist es allerdings nicht getan, betont die Bergchefin. "Nach dem Antrag auf Stilllegung folgt die Nachsorgephase, die kann 20 bis 30 Jahre dauern." Darüber befindet die Aufsichtsbehörde - das Landesumweltamt - anhand der Werte von Setzung, Gas- und Grundwasserbrunnen. Dann fällt der entscheidende Satz: "Eine Zwischennutzung ist abgelehnt worden."

Perspektivisch bleibt die Deponie damit bis 2050 Betriebsgelände. "Eine touristische Entwicklung ist damit nicht möglich", konstatiert Wolfgang Bialas. Er weißt darauf hin, dass die Zeit ein entscheidender Faktor ist, schließlich fließt für die Entwicklung des Ostsees Fördergeld. Die Flutung soll 2018 starten und zwischen 2024 und 2026 fertig sein. Da steckt der Berg noch am Anfang der Nachsorge.

Deshalb wollen die Saspower einen Fuß in der Tür haben. Pschuskel betont: "Wir brauchen mindestens einmal im Monat eine Führung für Gruppen." Denn sonst, fürchtet er, wächst der 30 Meter hohe Berg zu und wird vergessen. Das wäre eine vertane Chance.

Marianne Lehmann denkt nach. Ihre Deponie verwandelt sich dabei in eine Attraktion. "Die Spree fließt hier entlang, da wäre eine Anlegestelle möglich." Wanderwege und Aussichtsplattform sowieso. Und der Deponie-Rundweg könnte zur Skaterbahn werden.