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Sandower Ziegelschmuck

Frisch restauriert, erstrahlt das Haus in der Dissenchener Straße heute in der gleichen Pracht...
Frisch restauriert, erstrahlt das Haus in der Dissenchener Straße heute in der gleichen Pracht... FOTO: Dora Liersch/dli1
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Dissenchener Straße 83, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt. Dora Liersch / dli9

Die Dissenchener Straße im Ortsteil Sandow ist eine alte Wegeverbindung von Cottbus aus kommend über Dissenchen, Schlichow, Klein- und Groß Lieskow nach Grötsch und Heinersbrück. Heute ist durch den Tagebau Cottbus-Nord und nach dessen Auskohlung und dem entstehenden Cottbuser Ostsee in Schlichow das Ende der alten Strecke. Richtungsweisend ist der Straßennamen aber immer noch, man kommt über den Cottbuser Ortsteil Sandow auf der Dissenchener Straße in den Ortsteil Dissenchen.

Nach längerem Anlauf einer Eingemeindung von Sandow nach Cottbus, trat diese zum 10. August 1904 in Kraft. Diese Eingemeindung brachte für Sandow eine ordentliche Straßenbezeichnung. Die meisten Sandower Häuser waren als Sandow-Dorf durchgängig nummeriert. Noch im Jahre 1891 begann mit der Nummer 1 der Häusler Wilhelm Linde und endete mit der Nummer 188 der Glasermeister Wilhelm Schmidt. Außerdem gab es die Sandower Vorstadt, beidseitig der Spree gelegen, die bereits früher zu Cottbus gehörte. Auf der Sandower Seite standen die Häuser Nr. 14 bis Nr. 43, davon diverse Grundstücke auch zusätzlich mit a, b, c, und sogar d bezeichnet. Dazu kamen noch elf sogenannte Enklaven, die ebenfalls zu Cottbus gehörten. Sandow war also bis zur Eingemeindung ein richtiger Flickenteppich. Selbst im November 1904 gibt's es sehr wohl eine Dissenchener Straße, doch im Cottbuser Adressbuch heißt es dazu: Dissenchener Straße gehört zu Cottbus und zu Sandow. Die Nummern 3, 6, 7, 8, 9, 10, 11 sind doppelt.

Bei den zu Cottbus gehörenden Bewohnern (die ausschließlich auf der südlichen Straßenseite wohnen) ist im Alphabet der Einwohner ein "Co" vor dem Namen, bei denen, die zu Sandow gehören, ein "Sa" gesetzt. Eine übersichtliche Hausnummerierung war also für die einzelnen Straßen sehr wichtig geworden, zumal auch künftige Bauherren ihre Bauanträge ab August 1904 beim Cottbuser Bauamt zu stellen hatten. Im Cottbuser Adressbuch von 1905 macht der Dachdeckermeister Wilhelm Schmidt mit einer besonderen Anzeige auf sich aufmerksam: "Wilhelm Schmidt, Dachdecker- und Schieferdeckermeister, Cottbus, Dissenchener Straße 42 empfiehlt sich zur Ausführung aller Dachdeckerarbeiten. Als Spezialität: Von Königl. Preuss. Ministerial- Baukommission Berlin und vom der Königl. Sächs. Ministerium des Innern auf Feuersicherheit geprüftes und conzessioniertes dreifach imprägniertes Pappolein-Klebedach mit aufgepresster Sand- u. Kiesschicht, D.R.W.Z. 17467, K.R.W.Z. 4527, Schweiz. Eidg. W.Z. 14847." Wilhelm Schmidt war zu dieser Zeit bereits mit einer Goldmedaille für hervorragende Leistungen ausgezeichnet worden. In der Dissenchener Straße, heute Nr. 83 hat Wilhelm Schmidt ein interessantes Wohnhaus mit Nebengelass errichten lassen. Es ist heute eines der schönsten Häuser in der Dissenchener Straße und fällt mit seiner interessanten Fassade auf, die sowohl mit Putz und Stuck, aber auch mit dem Einsatz von Hartbrandziegeln ein schmückendes Äußere erhalten hat.

In Cottbus ist es eine recht kurze Zeitspanne, wo diese Fassadengestaltung beim Bau der Wohnhäuser angewandt wurde. Wilhelm Schmidt ist in der Dissenchener Straße der erste, ihm folgt der Christan Greschke, ebenfalls Dachdeckermeister mit dem Haus Dissenchener Straße 79, entworfen von dem Architekten Voss, gebaut in der Zeit vom September 1905 bis April 1906. Später wurde das Haus Nr. 80 errichtet. Auch andere Häuser in Cottbus, wie beispielsweise die heutige Zimmerstraße 22a aus den Jahren 1904/05 sind mit einer Ziegelschmuckfassade versehen. Es lohnt sich bestimmt, dieser Bauart in unserer Stadt nachzugehen. Die Dachdeckertradition in der Dissenchener Straße 83 wurde mit Reinhard Schmidt, später mit Hans Schmidt weitergeführt. Inzwischen ist das Haus verkauft worden, stand lange Jahre leer. In diesem Jahr bemühte sich ein neuer Eigentümer, dieses über 100 Jahre alte Haus wieder in seiner ganzen Schönheit erstrahlen zu lassen. Selbst die Eingangssituation mit den gemauerten Rundbögen ist wiederhergestellt worden.

Alle Teile der Serie gibt es hier:

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historischelausitz

... wie es das vor 100 Jahren tat.
... wie es das vor 100 Jahren tat. FOTO: Sammlung Krause