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| 17:53 Uhr

Cottbus
Die Cottbuser 180-Grad-Wende

Der Entwurf „Cottbus will Meer“ schafft eine direkte Verbindung vom Cottbuser Bahnhof über den Haltepunkt Sandow direkt zum Ostseehafen. Dafür schlagen die angehenden Städtebauer eine grüne Schneise. Sie verbindet See, Sandow, Spree und Branitzer Park.
Der Entwurf „Cottbus will Meer“ schafft eine direkte Verbindung vom Cottbuser Bahnhof über den Haltepunkt Sandow direkt zum Ostseehafen. Dafür schlagen die angehenden Städtebauer eine grüne Schneise. Sie verbindet See, Sandow, Spree und Branitzer Park. FOTO: Anna Furian & Carola Handrianz T
Cottbus. Städtebau-Studenten von fünf Universitäten haben sich mit Sandow beschäftigt. Die Frage ist: Wie wird der Cottbuser Stadtteil zum Bindeglied zwischen Altstadt und Ostsee? Von Peggy Kompalla

In den nächsten Jahrzehnten wird sich Cottbus um 180 Grad drehen müssen. Das konstatiert Professor Uwe Brederlau. Der Architekt und Städtebauer lehrt an der Technischen Universität Braunschweig. Als Vorsitzender der Johannes-Göderitz-Stiftung hat er sich intensiv mit Cottbus beschäftigt. Denn die Stiftung lobt alljährlich den Johannes-Göderitz-Preis für studentische Arbeiten aus. BTU-Professor Heinz Nagler hatte für 2017 die Aufgabe gestellt: Sandow als attraktiver Stadtteil zwischen Cottbuser Altstadt und Ostsee.

16 Arbeiten von fünf Universitäten wurden eingereicht. Sie sind noch bis zum 7. März in der Spree Galerie zu sehen. Die überzeugendsten Arbeiten kommen von der TU Dresden, der TU Braunschweig und der TU Darmstadt. Die Studenten verpassen Sandow einen roten, Teppich, stellen einen großen Wärmespeicher auf, zerlegen Sandow in fünf Quartiere, legen einen Energie-Rundweg an, stellen einen Industriepark auf und machen die alte Bahntrasse zu einer grünen Schneise. „Es geht uns mit dem Wettbewerb darum, Städtebau neu zu denken und auch Widerspruch hervorzurufen“, sagt Professor Brederlau. „Es geht um Perspektiven. Sie sollen nicht gleich umgesetzt werden. Aber die Arbeiten haben Potenzial zum Weitermachen.“

Im Osten von Cottbus liegt all das, wovon sich die Stadt abgewandt hat: die Kohle, der Staub, das Heizkraftwerk, die Abfallwirtschaft. Und künftig auch der Ostsee. Im Jahr 2025 soll er vollgelaufen sein. „Was bedeutet vor diesem Hintergrund die Umorientierung?“, fragt Professor Nagler. Es müsse ein neuer Trittstein zum Ostsee gelegt werden. Was so einfach klingt, wird die große städtebauliche Herausforderung von Cottbus für die nächsten Jahrzehnte. Die Studenten liefern auf die Frage völlig unvoreingenommen Antworten.

So wie Anna Furian und Carola Handrianz von der TU Dresden. Sie haben ihre Arbeit mit „Cottbus will Meer“ überschrieben und einen ersten Preis dafür erhalten. Sie gehen am sparsamsten und zugleich radikalsten an die Aufgabenstellung. Sie setzen im Stadtteil selbst zwei Ankerpunkte, den Jacque-Duclos-Platz als urbanen Mittelpunkt und den Bahnhof Sandow als neuen zentralen Eingang zum Quartier und gleichzeitig zum Erlebnisraum Ostsee. Denn die Studentinnen ziehen die neue Seeachse vom Ostsee entlang des südlichen Rands von Sandow bis zum Hauptbahnhof. Sie gleicht in ihrem Entwurf einer grünen Schneise, die See, Branitzer Park und Spree verbindet. Sandow wird damit eingerahmt (siehe Grafik oben). Professor Nagler zeigt sich begeistert: „Das ist eine Nabelschnur zum Ostsee ganz im Sinne einer potenziellen Bundesgartenschau. Der Stadtteil selbst erhält einen klaren Mittelpunkt. Das ist höchst ökonomisch und raumwirksam, innovativ auf großem Maßstab und mit einem starken Grün- und Verkehrsgedanken verknüpft. Chapeau.“

Baudezernentin Marietta Tzschoppe (SPD) ist diejenige, die mit ihren Städteplanern die Kehrtwende von Cottbus stemmen muss. Sie ist dankbar für die Anregungen, aber eben auch Pragmatikerin. „Es geht nicht immer nur darum, große Investitionen umzusetzen“, betont sie. „Sondern es geht darum, die Menschen mitzunehmen und zwar nicht erst in 20 oder 25 Jahren.“ Besonders spannend ist für sie deshalb etwa der Erlebnispfad, der Ausbau der Spree als Verbindung zum See, aber auch der rote Marktplatz, der wie ein roter Teppich die Stadtmitte markiert.

Wie wichtig der unvoreingenommene Blick ist, betont auch Ostseemanager Stefan Korb. Er hat studentische Arbeiten der vergangenen Jahre durchforstet. Für ihn sind sie ein Ideen-Fundus für die Ostseeentwicklung.

Anna Furian und Carola Handrianz von der TU Dresden
Anna Furian und Carola Handrianz von der TU Dresden FOTO: Peggy Kompalla / LR