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| 19:31 Uhr

Wetter in der Lausitz
Saisonstart: Wenn der Sommer mit einer Hitzewarnung beginnt

 Einfach mal Abtauchen: Zum Abkühlen gegen die Hitze hilft der Sprung ins Wasser.
Einfach mal Abtauchen: Zum Abkühlen gegen die Hitze hilft der Sprung ins Wasser. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt
Cottbus. Das Wetter gibt Vollgas: Während der Mai unerwartet kühl ausfällt, heizt der Juni gleich mit mehr als 30 Grad ein. Gibt es eine Fortsetzung des Hitzesommers 2018?

Der April 2019 lieferte bereits einen Rekord: Es war der 13. Monat in Folge, der verglichen mit dem Durchschnitt zu warm ausfiel. Das hatte es in Deutschland seit 1881, in mehr als 130 Jahren, noch nie gegeben. Als Präsident des Deutschen Wetterdiensts sagte Gerhard Adrian: „Wir können jetzt den Klimawandel live erleben.“ Die Folgen treffen insbesondere den Osten der Bundesrepublik. Hier leiden Landwirte und Bürger besonders unter der Trockenheit. Nur 30 Liter pro Quadratmeter Regen flossen im April. Zuvor hatte der Sommer 2018 für ausgetrocknete Flüsse gesorgt. Ausbleibende Niederschläge führten an der Schwarzen Elster dazu, dass Fische starben und das Flussbett austrocknete. Immer wieder gab es Waldbrände.

Neben dem Hitzesommer 2003, der noch immer alle Wärmerekorde für die statistische relevante Sommerzeit vom 1. Juni bis 31. August schlägt, belegt der Sommer 2018 den zweiten Platz. So warm wie im vergangenen Jahr war es in keinem Sommer des vergangenen Jahrhunderts. Und der Sommerbeginn 2019 lässt ähnlich hohe Temperaturen erwarten. Am Montag erreichten die Temperaturen schon die 30-Grad-Marke, in Teilen Brandenburgs wurde es mit bis zu 35 Grad sogar noch heißer. Der Deutsche Wetterdienst gab eine Hitzewarnung aus und prognostiziert auch für den Rest der Woche warme 28 bis 33 Grad. Ein Trend, der den Sommer 2019 bestimmen wird?

Eine exakte Vorhersage für die gesamte Jahreszeit könne kein Meteorologe geben, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Zuverlässige Prognosen seien nur für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen möglich. „Wir bieten einen Jahreszeiten-Trend an, der grobe Aussagen zu den Wetterentwicklungen zulässt.“ Demnach gehen die Meteorologen von einem Sommer 2019 aus, der um ein halbes bis ein Grad wärmer ist als der Mittelwert der vergangenen 30 Jahren.

Es scheint, als seien Erinnerungen an verregnete, kühle Sommer mittlerweile ein Privileg der älteren Generation. Und eine Frage drängt sich bei dem Thema auf: Erleben wir in den Extremsommern die Auswirkungen des Klimawandels oder schlichte Wetterwechsel. Wissenschaftler Andreas Will arbeitet an der BTU Cottbus–Senftenberg am Lehrstuhl Atmosphärische Prozesse. Sein Blick auf die Wetterphänomene ähnelt dem eines Kriminalisten, der Indizien sammelt. Seine erste Feststellung: „Es gibt kein normales Wetter.“ Um eine verlässliche Aussage machen zu können, müsse man alle möglichen Wettersituation erleben. „So alt wird aber niemand. Wir sprechen hier von einer Zeitspanne von 400 Jahren.“ Ein Grund, wa­rum er sich auf die Analyse der Extremwetterlagen konzentriert. In der Regel baut sich eine Wetteränderung über vier bis fünf Tage auf, damit es dann zu einem Ausgleich der Temperaturen kommen kann. Immer häufiger be­ob­achten Meteorologen allerdings sogenannten Blocking-Lagen, bei denen ein Hochdruckgebiet die Tiefdruckgebiete blockiert. Dies führt zu einer äußerst beständigen Wetterlage, die sich über Wochen bis Monate hinweg fortsetzt und für Hitzerekorde sorgt. Interessant an diesem Phänomen ist, dass es in den vergangenen Jahren so gehäuft auftrat. So gehört der Sommer 2018 mit seiner durchgängig stabilen Wetterlage zu den absoluten Ausnahmen im Vergleich zu den Vorjahren seit 1881. Die Häufung der Blocking-Lagen in Kombination mit den hohen Temperaturen über einen langen Zeitraum hinweg, sei ein wichtiges Indiz für den Klimawandel. Will: „Es hat in der Vergangenheit zwar jedes Einzelereignis gegeben, aber niemals in dieser Häufung.“ Und er gibt auch eine Prognose für die kommenden Sommer und Winter ab: „Saison-Perioden, die sich über eine lange Zeitspanne nicht ändern, werden zunehmen.“ Das umfasst starke Regenfälle mit Hochwasser ebenso wie Schneemassen im Winter oder eben Hitze mit anhaltender Trockenheit.

In diese Logik passt auch der konstant kühle Monat Mai 2019, der mit seinem Temperaturdurchschnitt von 10,9 Grad bundesweit um 1,2 Grad unter dem Wert der Referenzperiode von 1961 bis 1990 lag.

 Einfach mal Abtauchen: Zum Abkühlen gegen die Hitze hilft der Sprung ins Wasser.
Einfach mal Abtauchen: Zum Abkühlen gegen die Hitze hilft der Sprung ins Wasser. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt