Von Marion Hirche

Wieviel Storchennester sind bezogen? Warum Rotbauchunken hier schwer festzuhalten sind? Wie sieht ein slawischer Heiligenhain aus? Welche Kräuterpflanzen entdeckt man jetzt am Wegesrand?   Wie sehen Wassermanns Töchter aus? – All diese Fragen hat man am vergangenen Sonntag bei einem Besuch in Dissen beantwortet bekommen. Allerdings brauchte man dazu ein wenig Zeit, den sich aber viele Neugierige nahmen. Erstmals haben alle touristischen Einrichtungen  des Storchen- und Museumsdorfes Dissen an der Spreeaue eine gemeinsame Saisoneröffnung gestaltet.

Zeitlich etwas gestaffelt gab es mehrere Höhepunkte zu erleben. Bereits kurz vor Mittag wurde im Naturkundezentrum Spreeaue vom dort ansässigen Verein eine Ausstellung zur Entstehung und Entwicklung der Spreeaue eröffnet. Über dem Eingang hängt ein großes Banner mit einer Draufsicht auf die renaturierte Landschaft.

Auf neun Tafeln, die von Schülern des Niedersorbischen Gymnasiums gestaltet wurden, gibt es interessante Informationen über die benachbarte, neu entstandene Landschaft. Am Tafelfuß ist liebevoll die zurückgekehrte Tierwelt in Szene gesetzt: Enten, Biber, Graureiher, Eisvogel, Fuchs.

Bei der Einweihung erfuhren die Gäste von Vereinsmitglied Dietmar Haufe: „Hier leben viele Rotbauchunken, die allerdings schwer zu halten sind. Wir haben auch das Teichhuhn, den Fisch- und den Seeadler sowie die Rohrweihe. Kiebitze und Fasane sind wieder hier heimisch. Da ist schon ordentlich was los.“ Danach nahm der engagierte Mann alle mit auf einen Rundgang durch das Storchendorf Dissen. Mit Blick auf das Storchennest auf dem Hof von Fritz Jurisch war zu erfahren: „Wir sind glücklich, dass wir dieses Jahr wieder sechs besetzte Nester haben. Fünf Paare brüten.“

Im Nachbargrundstück von Henry Jurisch war dann die Sorge um den Nachwuchs live zu erleben: Mama saß auf dem Ei, Papa startete zur Nahrungssuche. Peter Domke, Storchenexperte des Landkreises erläuterte:“ Hier finden die Störche auch Nahrung für die Jungen, die klein sein muss, also zum Beispiel Heuschrecken“. In den nächsten Tagen werden die ersten jungen Störche schlüpfen.

Zu erfahren war auch, warum seit einigen Jahren auf dem Dach des Dissener Heimatmuseums kein Adebar-Paar mehr halt gemacht hat: „Störche verteidigen ihr Revier. Das ist vermutlich zu nah am nächsten Nest“.

Auch im Heimatmuseum war am Sonntag Premierezeit: Hier wurde unter der Überschrift „Die Verwandlung der Welt – auf den Spuren von Wassermann und Mittagsfrau“ eine neue Sonderausstellung eröffnet. In neun Vitrinen und zusätzlichen  Arrangements  werden Figuren der Dresdner Künstlerin Regina Herrmann gezeigt. Krabat, Mittagsfrau, Schlangenkönig, Wassermann und Co. verzauberten die Premierenbetrachter auf Anhieb.

Die nach Sagenfiguren geordneten Gruppen, immerhin fast 90 Figuren zeigt die Sagengestaltenexpertin, sind trefflich in Szene gesetzt. Thematisch gibt es zudem Unterstützung durch  Spreewaldfotografien von Gudrun und Gerd Rattei. „Das muss man einfach gesehen haben – toll und liebenswert. Das ist hohe, sympathische Kunst“, schwärmte Elisabeth Schulze  aus Senftenberg.

Die „Düpplinger Spielleut“ ließen ihre historischen Instrumente erklingen und lockten die Besucher auch in die Freilichtanlage „Stary lud“, in der jetzt schon die ersten Wände für die zukünftige Schmiede stehen und in der  alle  Attraktionen eine Beschilderung bekommen haben.  Auf dem Rundgang  findet man jetzt da unter anderem die Erläuterungen zu einem slawischen Heiligenhain.

In der Nachbarschaft erfuhren die  Gäste im Arznei- und Gewürzpflanzengarten noch in einem Vortrag von Fördervereinsvorsitzender Anne Jahn, welche Heilkräuter jetzt schon am Wegesrand wachsen –  von Spitzwegerich bis Hirtentäschel. Pflanzen, die auch schon von den alten Slawen genutzt wurden. Wer wollte, konnte sich auch was für den eigenen Garten mitnehmen: Tomaten- und Paprikapflanzen und manches mehr. An allen Stationen wurde Leckeres angeboten, jeder konnte sich wohlfühlen. Es war ein Tag, der die gesamte touristische Vielfältigkeit des Storchendorfs ins richtige Licht rückte.