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RUNDSCHAU-Paddeltour von Bad Muskau nach Forst

27 Kilometer Paddeltour - entlang der Neiße von Bad Muskau nach Forst
27 Kilometer Paddeltour - entlang der Neiße von Bad Muskau nach Forst FOTO: Tub
Bad Muskau. Nachdem das RUNDSCHAU-Paddelteam auf Spree und Hammergraben Erfahrungen gesammelt hat, wagt sich die Truppe auf die Neiße. Zwei Tage lang schippern fünf Kanus von Bad Muskau nach Forst – 27 Kilometer von Park zu Park. Von Peggy Kompalla

Was romantisch klingt, ist anspruchsvoll. Paddler erwarten auf dem Grenzfluss Stromschnellen, Sandbänke und teils abenteuerliche Ein- und Ausstiege. Für Sicherheit ist gesorgt. Doch die Schwimmwesten verhindern nicht, dass es dann doch einen Untergang gibt.

Los geht es an der Wehrinsel im Pückler-Park Bad Muskau - unweit der Orangerie. Vom Parkplatz ist der Einstieg nur einen Spaziergang entfernt; selbst mit den Booten im Schlepp kein Problem. Einmal auf dem Wasser geraten die Boote ohne viel Zutun der Insassen in eine erste Stromschnelle. Die Kanus schöpfen Wasser - die Neißetaufe.

Danach geht es gemächlich weiter durch Pücklers Park. Die Paddler werden den Eindruck nicht los, dass der gewiefte Fürst es genau darauf angelegt hat. Die Boote werden Teil seiner Inszenierung, schippern als Farbtupfer durch den Park, Besucher winken von Aussichtspunkten. Wege schlängeln sich steile Böschungen hinauf. Brücken kreuzen. Eine Kiefer hat sich dramatisch in den Fluss fallen lassen.

Das Parkende ist vom Wasser aus nicht gleich auszumachen. Es fällt auf, dass die zuvor gemähten Ufer plötzlich einen Schilfgürtel tragen. Der Blickkontakt zwischen Wasser und Land ist kaum noch möglich. Nur die Köpfe der Fahrradfahrer, die auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs sind, schweben gelegentlich am Ufer entlang. Dafür nimmt die Natur die Paddler ganz ein. Reiher und Enten sind ständige Begleiter.

Vom Grün und dem gemächlichen Plätschern eingelullt, kommt es zum Malheur. Eine falsche Entscheidung, ein Kanu bleibt am Baum mitten im Fluss hängen. Die Strömung drückt. Schlagseite. Wassereinbruch. Überschlag. Zwei Mann stehen plötzlich bis zum Bauch in der Neiße. Sie hätten bei der Bootswahl vorsichtiger sein sollen. Ihr Kanu heißt Johannes. Der trug bekanntlich den Beinamen der Täufer. Die Neiße schluckt zwei Handys und eine Brille. Dafür bietet sie nur wenige Meter vom Untergang entfernt im dichten Schilf eine Stelle zum Klar-Schiff-Machen.

Zarki Wielkie: Wieder alle Boote auf dem Wasser ignorieren alle Paddler das unscheinbare Hinweisschild mit der Aufschrift "Ausstieg" bei Zarki Wielkie. Dort wäre ein Umsetzen in einen Neiße-Seitenarm ohne großen Aufwand möglich gewesen. Das ist zwar bequem, verhindert aber ein kleines Abenteuer. Die Truppe fährt bis zum Wasserkraftwerk von Groß Särchen - wie der Ort einst hieß - weiter. Die Paddler müssen jetzt erst den Einstieg suchen. Das gibt den Gewässerten Gelegenheit, Hosen und Pullover auszuwringen. Dann geht es mit den Booten durch eine verlassene Fabrik, Wald und kniehohe Brennnesseln. Paddeln ist manchmal mehr als Muckies, eben auch eine Mutprobe.

Siedlec: Nur knapp drei Kilometer weiter müssen die Boote um das nächste Wasserwerk herumgetragen werden. Diesmal ist das ziemlich einfach. Vorbei geht es an einer großen Fischtreppe. Eine Sandbank lädt zur Pause ein.

Klein Bademeusel: Es sind nur noch sieben Kilometer bis zum Übernachtungsstopp in Klein Bademeusel. In dem Dorf ist der Paddeltrupp im Evangelischen Freizeitheim Landhof untergekommen, der mitten im Wald steht. Allerdings birgt der letzte Tagesabschnitt gleich zwei Herausforderungen: Unter der Autobahnbrücke wartet ein Schwall, der die Boote ordentlich durchschüttelt. Danach schiebt die Strömung die Kanus mit Tempo gen Ausstieg in Klein Bademeusel. Die steile Metalltreppe ist kaum auszumachen und befindet sich direkt vor Stromschnellen. Wer darüber hinwegrutscht, muss sieben Kilometer bis Keune weiterfahren.

Keune: Nachdem sich die Neiße kurz nach Klein Bademeusel nochmals schlängelt, geht es danach ziemlich gerade weiter. Die Paddler werden von plötzlichem Wellengang überrascht. Der Wind drückt gegen die Boote. Dafür ist der Fluss so breit, dass bequem Wettrennen möglich sind. In Keune ist Kraxeln angesagt. Zum Einstieg nach dem Wehr geht es steil nach unten.

Forst: Von Keune sind es anderthalb Kilometer bis Forst. Die Neiße schlängelt sich im Osten an der Kreisstadt vorbei. Der Paddeltrupp steigt am Rosengarten aus. Hinter dem Wehr geht es über eine Kanurutsche in den Mühlengraben. Die Strecke durch die Stadt wird empfohlen, denn die Forster Neiße kann wegen Brückenresten nur bei Hochwasser und von erfahrenen Paddlern passiert werden. Vom Rosengarten sind es 35 Kilometer bis Guben. Die nächste Tour steht.

Tourdaten:

Unsere bisherigen Touren:

Tour 2: Vom Spreewehr in Cottbus nach Peitz