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| 02:43 Uhr

Rund 200 Menschen auf Gefängnisfriedhof beerdigt

Cottbus. Auf dem früheren Gefängnisfriedhof in der Bautzener Straße in Cottbus sind rund 200 Menschen bestattet worden. Auf diese Zahl haben sich jetzt Historiker und Forscher geeinigt. sh

Vor wenigen Wochen waren bei Bauarbeiten auf dem Gelände vier menschliche Skelette gefunden worden. Daraufhin hatte sich eine Debatte über die Geschichte des Areals entwickelt.

Der Architekt und frühere Leiter der Unteren Denkmalbehörde in Cottbus Alfred Roggan war zunächst von weniger als hundert Bestattungen ausgegangen. Stefan Guzy von der Berliner Agentur Zwölf, die für das benachbarte Menschenrechtszentrum eine Ausstellung vorbereitet, hatte hingegen von mindestens 300 Bestattungen gesprochen. Inzwischen haben beide Seiten das Gespräch gesucht und sich dabei über die Dimensionen des einstigen Friedhofs ausgetauscht.

"Nach den Jahresberichten der Gefängnisverwaltung sind von der Eröffnung des Zentralgefängnisses im Jahr 1859 bis einschließlich 1885 genau 165 Todesfälle mit Bestattungen auf dem Gefängnisgelände zahlenmäßig nachgewiesen", sagt Stefan Guzy. Die eigentliche Anzahl liege aber aufgrund von fehlenden Angaben noch etwas höher. Es habe etwa sieben Bestattungen im Durchschnitt pro Jahr gegeben. "Die Berichte nach 1886 sind leider nicht im Archiv vorhanden und zählen zu den Kriegsverlusten der Verwaltung im Zweiten Weltkrieg", ergänzt Guzy. Unklar bleibe daher, wie lange der Friedhof in Benutzung war. "Ich vermute bis etwa 1900, habe dafür aber keine konkreten Belege."

In einer Anstaltsbeschreibung aus dem Jahr 1904 werde der Friedhof nicht mehr erwähnt, könne aber noch in Betrieb gewesen sein.

In der amtlichen Karte des damaligen Frauenzuchthauses aus dem Jahr 1937 sei der Friedhof bereits als "Anstaltsgarten" eingezeichnet. Eine Schätzung von 200 Bestattungen sei ein guter Wert, sagt Guzy.

Sowohl der Berliner Forscher als auch der Cottbuser Historiker bedauern, dass es vor dem Beginn der Bauarbeiten für neue Eigenheime auf dem Gelände keine Untersuchung gegeben hat. "Nicht jede Stadt kann auf solch einen Komplex verweisen", sagt Roggan. "Das ist ein Stück vergessene Stadtgeschichte", erklärt Guzy.