| 19:07 Uhr

Tourismus
Reminiszenz an die Spreewaldbahn

André Rumpel (l.) trifft seinen Vater Richard in der Pause am Hafen Waldschlösschen.
André Rumpel (l.) trifft seinen Vater Richard in der Pause am Hafen Waldschlösschen. FOTO: Elsner / LR
Burg. Seit 25 Jahren befördert die Rumpel-Guste Urlauber und Ausflügler durch Burg. Von Ulrike Elsner

Spreewaldguste haben die Burger die Spreewaldbahn einst liebevoll genannt, die seit 1898 das Dorf mit Cottbus verband. Am 3. Januar 1970 war Schluss damit. Die Schmalspurbahn wurde stillgelegt. Alle Bemühungen, die Kleine Bahn nach der Wende auf der alten Strecke wiederzubeleben, scheiterten. Erfolgreich hingegen war Richard Rumpel. Der Burger hatte sich 1990 als Spediteur selbstständig gemacht und von einem Hamburg-Besuch die Idee einer Schmalspurbahn auf der Straße mitgebracht. Trotz des unternehmerischen Risikos bestellte er bei der Firma Sichler eine sogenannte Tschu-Tschu-Bahn, die anderthalb Jahre später geliefert wurde. Zu Ostern 1993, an einem 9. April, fand die erste Fahrt der Rumpel-Guste statt. Ihre  Bezeichnung verdankt sie einerseits dem Namen des Unternehmers, andererseits der Erinnerung an die Spreewaldguste.

„In den ersten Jahren ist Fritz Büttner gefahren“, berichtet Richard Rumpel, „ein gestandener Busfahrer“. Später hat sich der Chef selbst hinter das Lenkrad gesetzt. Gästen die Schönheiten von Burg nahezubringen, darin hat der heute 67-Jährige seine Berufung gefunden. Zumal der Hobbyhistoriker mit dem besonderen Faible für Militärgeschichte den Gästen ganz nebenbei manch Wissenswertes über die Entstehung von Burg-Kauper und Burg-Kolonie erzählen kann.

Inzwischen ist auch die Zukunft des Unternehmens klar. Sohn André fährt jetzt bereits die fünfte Saison. Seine Bahn, die Rumpel-Guste 2, bietet nicht nur zwei Fahrgästen im Rollstuhl Platz. Sie macht es  zudem leichter, die zwei planmäßigen Touren am Tag mit den Sonderfahrten unter einen Hut zu bekommen. Nach Wunsch begibt sich Richard Rumpel dann auch mal in die Rolle des „Alten Fritz“ und fährt in schmucker Uniform durch das preußische Siedlungsgebiet. Auch eine Fahrt zum Flugplatzmuseum Cottbus soll demnächst übers Internet angeboten werden.

André Rumpel setzt wie sein Vater bei seinen Erläuterungen auf die freie Rede. „Der Kontakt mit den Leuten ist mein Ding“, bekennt der 47-Jährige, der am Dienstag mit einer Rentnergruppe pünktlich um 10 Uhr an der Spreewald-Therme die zweistündige Rundfahrt mit 20-minütiger Pause am Hafen Waldschlösschen startet. Die Würschs, ein Urlauberpaar aus der Schweiz, sind sehr angetan von dem Erlebten. „Das hat er wirklich gut gemacht. Sehr informativ, und man bekommt einen Eindruck von der Gegend“, sagt Franz Würsch.

Bei Burger Festen ist die Rumpel-Guste stets auf Achse. Auch im alljährlichen Festumzug darf sie nicht fehlen. Und bei der Langen Nacht der Kunst- und Handwerkshöfe verbindet die kleine Bahn die Veranstaltungsorte auf geradezu ideale Weise.

1998 unterwegs durch Cottbus. Gerade mal fünf Jahre war die Rumpel-Guste damals alt.
1998 unterwegs durch Cottbus. Gerade mal fünf Jahre war die Rumpel-Guste damals alt. FOTO: hans-juergen hennig
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE